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Krefeld: Pille schließt die Kulturrampe für eine Weile

Kulturrampe : Pille schließt die Kulturrampe für eine Weile

Das Musiklokal von Markus Peerlings am Großmarkt reagiert auf die Corona-Verordnungen und sieht derzeit keinen Sinn in der Öffnung.

Die ersten Kommentare bei Facebook zeugten von großer Anteilnahme und Unterstützung. „Wünsche viele kreative Ideen und viel Optimismus. Lasst den Kopf nicht hängen“, schrieb eine Frau. „Alles Gute für euch. Viel Kraft und Kreativität“, waren die Worte eines anderen Nutzers. Beide hatten kurz zuvor die schlechte Nachricht an Ort und Stelle gelesen: Die Kulturrampe am Großmarkt geht in eine Schaffenspause, wie man das bei einem Künstler wohl so sagen würde. Der Grund dafür liegt jedoch weniger an eigener Ideenarmut oder nachlassendem Eigenantrieb, sondern vielmehr an äußeren Einflüssen, die allerorten gerade Einschränkungen des gewohnten Lebens mit sich bringen: Die steigenden Infektionszahlen im Zusammenhang mit dem Coronavirus in Krefeld und die damit verbundene rigidere Verordnung des Staates und Ordnungsbehörden. „Es macht jetzt einfach keinen Sinn draußen geöffnet zu lassen“, sagt Geschäftsführer Markus Peerlings am Telefon am Freitagmorgen.

Höchstens 25 Gäste könne er dort auf der Terrasse derzeit bewirten. An Musikeinlagen oder andere künstlerische Auftritte ist momentan nicht zu denken. In den Innenräumen findet ohnehin in diesen Wochen nichts mehr statt. Auch hier würde sich der Aufwand für eine Höchstzahl von 25 Personen unter den geltenden Hygieneregeln nicht lohnen, außerdem sei die Belüftung nicht mehr die Beste. Peerlings will jetzt nichts übers Knie brechen, nichts erzwingen, nur um den schönen Schein zu wahren: „Jetzt müssen wir die Füße einfach mal stillhalten und die Zahlen herunterbringen.“ In den Köpfen gab es Überlegungen, im Herbst und Winter draußen Auftritte zu ermöglichen, feste Vereinbarungen mit Künstlern aber gab es keine und daher nun auch keine Absagen. „Man fährt ja ohnehin seit März auf Sicht“, drückt Peerlings die vertrackte Lage der freien Kulturszene aus – so fern diese überhaupt in der Pandemie Aufträge erhält.

Im Frühjahr mussten die Mitarbeiter entlassen werden

Ein Sonderverkauf mit einer Kalender-Aktion, der Förderverein im Rücken, positive Signale aus dem Kulturfonds. Es sind derzeit die kleinen Dinge, die Peerlings Mut machen. Seine Mitarbeiter aber musste er schweren Herzens schon im Frühjahr entlassen. „Es ging einfach nicht anders.“ Seit der Eröffnung der „Rampe“ vor 14 Jahren ist er der Geschäftsführer im Hauptberuf. Dass der 51-Jährige aus Krefeld sich wirtschaftliche Sorgen um den Fortbestand seines Musiklokals macht, verhehlt er nicht. „Der Winter wird finanziell problematisch. Ich bin aber positiv gestimmt, dass wir es schaffen.“

In den alten, vor-pandemischen Zeiten, die gefühlt schon eine halbe Ewigkeit zurückliegen, war die Kulturrampe ein Lokal mit Industrie-Charme, das Kulturgut aus aller Welt in die früheren Lagerräume des Großmarktes nach Oppum lieferte. Blues, Rock, Jazz, Pop und Folk klangen hier bis spät in die Nacht durch die Räume. Die kleine Tanzfläche immer gut gefüllt. Bands zum Anfassen auf einen Meter. Mit Flaschenbier ging es zwischendurch mal auf die Couch neben alten Stehlampen wie aus Großmutters Bestand. Ein Treffpunkt für die Junggebliebenen, auch jenseits der 50. Doch seit dem Corona-Ausbruch in Deutschland im März gab es auch hier keine Veranstaltungen mehr. Nur draußen auf der Terrasse, alles sehr überschaubar.

„Jetzt müssen wir mal abwarten, was passiert“, sagt Markus Peerlings. Es werde nun eine „spannende Zeit“ in den nächsten Monaten, nicht nur für ihn, sondern auch für die ganze Branche. „Ich bin gespannt wie die Kulturszene im Frühjahr aussehen wird.“ Durchatmen, einiges umstricken, umräumen, Möbel bauen, alte Ideen mit neuem Leben füllen, wieder aufstehen – so hatte es Peerlings auf der Facebook-Seite der Kulturrampe geschrieben, als er die Pause einläutete, ehe er aber auch noch ein bisschen gute Laune versendete: „Kein Rock’n’Roll ist auch keine Lösung“ und „Haltet euch tapfer.“ Glückwünsche seiner Gäste ließen da nicht lange auf sich  warten: Einer schrieb: „Haltet durch! Wir wollen nämlich wiederkommen.“