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Krefeld: Hier gibt es Physiotherapie für Hunde

Angebot : Joggen auf dem Unterwasserlaufband: Hier bekommen Hunde Physiotherapie

In der Praxis von Rachel Krempe und Mihaela Wiederer gibt es wie bei allen Physiotherapeuten eine Massage-Liege und Bälle in unterschiedlichen Größen – doch daneben liegen Leckerlis, denn dort sind Tiere die Patienten.

Frida läuft freudestrahlend die Rampe zur Massageliege hoch und legt sich unaufgefordert in Position. Nun wird sie von allen Seiten geknetet und gestreichelt, um all ihre Verspannungen zu lösen. Von unten kommt das wohlige Grunzen der kleinen Hündin. Zu verdanken hat Frida diese Entspannug den beiden Besitzerinnen der Krefelder Tierphysiotherapie Krempe & Wiederer. Die Liebe zu Tieren begann bei Rachel Krempe und Mihaela Wiederer bereits in der Kindheit, so ist es nicht verwunderlich, dass die beiden hauptberuflich mit Tieren zu tun haben. „Ich komme ursprünglich aus dem Pferdesektor, ich war Westerntrainerin bevor ich meine zweijährige Ausbildung zur Tierphysiotherapietherapeutin begonnen habe“, erzählt Krempe. Inzwischen hat sie zusammen mit ihrer Partnerin eine Praxis übernommen, in der sie selber Angestellte war. Ihre Partnerin hat sie als Kundin in der ehemaligen Praxis kennengelernt. „Ich bin zu diesem Beruf gekommen, weil ich mit meinem Therapiehund zur Tierphysiotherapie gegangen bin“, erzählt Wiederer. Die zwei Tierliebhaberinnen sind seit Anfang 2019 die Besitzerinnen der Praxis und bieten ein breites Angebot an Behandlungsmöglichkeiten in der Tierphysiotherapie an.

Was ist Tierphysiotherapie?

In der Humanmedizin wird Physiotherapie bei der Genesung schon selbstverständlich unterstützend eingesetzt, warum also nicht auch bei unserem Familienmitglied, unserem Haustier? „Bei der Physio- und Osteotherapie werden Muskeln entspannt oder gestärkt, Gelenke entlastet und Nerven angeregt, sich zu regenerieren. Durch entsprechend eingesetzte therapeutische Hilfsmittel können wir bei den Tieren auch Schmerzen reduzieren und das ohne Arzneimittel“, erzählt Rachel Krempe.

Die meisten Klienten in ihrer Praxis seien Hunde und kämen vor allem nach Bandscheiben- oder Kreuzbandverletzungen – und auch häufig wegen Arthrose. Es gäbe aber auch Tiere, die nur zu einer entspannten Massage kommen, zur Vorbereitung auf einen Wettkampf oder einfach zur Kontrolle. Im Monat würden ungefähr 200 Hunde von jung bis alt in die Praxis kommen, sagen die beiden Besitzerinnen. Aber auch Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen und sogar einmal ein Hausschwein seien in Behandlung.

Welche Behandlungen gibt es?

Bevor eine Behandlung überhaupt beginnt, wird eine Erstuntersuchung durchgeführt. „Wir führen mit den Besitzern ein Gespräch, um in Erfahrungen zu bringen, welche Krankheiten das Tier hat oder ob es Medikamente zu sich nimmt. Zudem wollen wir auch das Tier in Bewegungen sehen, um weiteres beurteilen zu können, sowie einen Vorher-Nachher-Vergleich zu haben“, sagt Krempe. Heutzutage sei es so, dass die ganze Bandbreite der Physiotherapie, die man beim Menschen kennt und anwendet, auch beim Tier angewendet wird. So werden unter anderem Laser, Ultraschall und Stoßwellen eingesetzt, aber auch Akupunktur, sowie manuelle Techniken.

Bei Menschen eher ungewohnte Therapiemöglichkeiten wie mit Blutegeln oder einem Unterwasserlaufband sind bei Tieren besonders gefragt, erklärt Rachel Krempe: „Der Blutegel kann eingesetzt werden bei eitrigen Wunden, Arthrosen oder bei Narbenbehandlungen. Er entnimmt dem Körper etwas Blut, aber teilt durch seinen Speichel Enzyme. Durch diese Enzyme wird neues, frisches Blut zu dem erkrankten Gewebe transportiert und gewährleistet eine bessere Versorgung.“

Eine weniger blutige Angelegenheit bietet das Unterwasserlaufband. Es ist ein geschlossenes Becken, bei dem mit Hilfe von Wasser dem Tier bei orthopädischen und neurologischen Problemen geholfen werden soll. „Durch den Auftrieb von Wasser ist die Rehabilitation von Krankheiten mit zum Beispiel geschwächter Muskulatur oder schmerzhaften Gelenken sehr hilfreich. Es macht die Arbeit in stehender Position erst möglich, denn durch die Gewichtsreduktion kann so das Gangbild des Hundes normalisiert werden“, erzählt Krempe. Desweiteren sei der Schwierigkeitsgrad durch die Menge an Wasser, die Geschwindigkeit des Laufbandes und durch die Dauer der Übung zu bestimmen und soll eine individuelle Behandlung ermöglichen. Die Wassertemperatur liegt bei circa 35 Grad und soll die Muskulatur der Hunde wärmen. „Grundsätzlich ist das Unterwasserlaufband bei jedem Krankheitsbild einsetzbar. Voraussetzung ist, dass das Tier keine Angst vor Wasser hat, aber für ein paar Leckerlis tun unsere Lieben ja viel“, erklärt die Inhaberin. „Die Hunde kommen und verlassen unsere Praxis freudestrahlendend und schwanzwedelnd.“

Nicht nur die Tiere sind begeistert, sondern auch ihre Besitzer. Auf den langen und stressigen Besuch beim Tierarzt verzichtet die mehrfache Hundebesitzerin Susanne Kievelitz. Sie geht seit vielen Jahren mit ihren Hunden zur Physiotherapie und erzählt von ihren Erfolgen: „Ich finde, meine Liebsten sind bei der Tierphysiotherapie sehr gut aufgehoben, denn meine Hunde werden hier von Kopf bis Fuß systematisch ohne Arzneimittel behandelt und von ihrer Blockade auf natürliche Weise befreit. Die Praxis ist ausgestattet mit einem Wartebereich und drei Behandlungszimmern, aber vermittelt keine Tierarztatmosphäre.“ Der Besuch bei der Tierphysiotherapie sei nicht mehr wegzudenken und würde sogar zur Sozialisierung beitragen, weil immer neue Hunde zum Beschnuppern da seien.

Was kostet die Behandlung?

Die Wartezeit auf einen Termin betrüge ungefähr zwei Wochen: „In unserer Praxis achten wir darauf, dass kein Verkehr besteht, der Besuch soll für die Hunde sowie für die Besitzer entspannt verlaufen“, erklärt Mihaela Wiederer. Die Kosten der Erstbehandlung betrügen 89 Euro und die Folgebehandlungen je nach Dauer zwischen 29 und 59 Euro.„Einige unserer Klienten haben eine Tierkrankenversicherung und diese übernimmt die Kosten der Behandlungen, dennoch bezahlen viele Besitzer die Behandlungen ihrer Tiere selber“, erklärt Rachel Krempe. Auf die Kostenbelastung nehmen die beiden Besitzerinnen Rücksicht und bieten deshalb im neuen Jahr Workshops an: „Wir zeigen den Tierbesitzern gerne, wie sie zuhause ihren Tieren Gutes tun können und gegebenenfalls auch Erste Hilfe leisten können“, erzählt Mihaela Wiederer.

Des Weiteren nennt Krempe einige Ratschläge, um die Muskulatur der Tiere zu schonen. „Fast jeder Hund spielt gerne mit einem Ball, oftmals wird der Ball mit voller Kraft geschossen, und der Hund jagt hinterher. Dieser Vorgang ist sehr schädlich für die Gelenke des Hundes, kann jedoch durch ein Aufwärmen gemildert werden. Der Ball sollte zunächst einfach hin und her gerollt werden, oder die Gelenke können mit einem Körnerkissen vorher aufgewärmt werden.“ Bei Hunden sei es nicht viel anders wie bei uns Menschen. Deshalb sollte man auch bei seinem besten Freund darauf achten.

Wie sieht die Ausbildung aus?

„In vielen Bereichen hat die Tiermedizin inzwischen den Standard der Humanmedizin erreicht. Bei der Physiotherapie hinken die Fachleute in Deutschland jedoch hinterher“, erklären die Besitzerinnen. Es sei eine relativ junge Spezialisierung. Im Prinzip könnte sich jeder ein Schild an die Tür nageln und sagen, ab morgen sei er Tierphysiotherapeut. Das Berufsbild sei gesetzlich nicht geschützt. Es gäbe weder einen einheitlichen Ausbildungsplan noch bundesweit verbindliche Prüfungsinhalte. „So reicht die Qualifikation eines Tierphysiotherapeuten von einem Kurs mit zwölf Wochenenden über Online-Lehrgänge ohne Tierkontakt bis hin zu international anerkannten Ausbildungen, die berufsbegleitend über drei Jahre hinweg andauern und wochenlange Praxiseinheiten vorschreiben“, sagt Rachel Krempe. So gäbe es zahlreiche Tierphysiotherapeuten, welche zu Hause arbeiten, in einer Praxis oder sogar mobil unterwegs sind. Die Besitzerinnen würden sich über beruflich Interessierte freuen und Praktika anbieten. Mehr Fotos aus der Praxis finden Sie auf

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