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Krefeld 2020: 300 Jahre Cracauer Schlösschen

Geschichte : Vor 300 Jahren entstand das Cracauer Schlösschen

Die Geschichte der Festung, des Schlosses und des Hohen Hauses Cracau hat viele Facetten. Wir wagen uns an das historische Zwiebelschälen heran.

Schicht um Schicht verwandeln sich Orte, Altes verschwindet unter den bisweilen gewaltigen Wogen der Zeit, Neues entsteht. Irgendwann weiß man gar nicht so recht, wie dieser oder jener Fleck in unserer Umgebung mal ausgesehen haben mag. Solche Flecken gibt es viele, auch in Krefeld. Übrigens vieles von der steingewordenen Stadtgeschichte ist, verloren wir es nicht schon zuvor in den Jahrhunderten, dem Höllenbrand des Zweiten Weltkriegs zum Opfer gefallen.

Wir möchten unseren Blick auf einen Fleck Erde richten, der einem Viertel Krefelds den Namen gab, dessen Spuren sich nur noch als kleine Reminiszenz auffinden lassen, scheinen sie auch durch die Nebel der Geschichte immer noch durch Erzählungen, Forschungen und Dokumente hindurch. Die Rede ist von der ehemaligen Festung Cracau und was aus ihr im Laufe der Geschichte werden sollte. Nördlich des Plätzchens, das heute den Namen Von-Beckerath-Platz trägt – der Name wird noch eine tragende Rolle spielen – thronte sie ab dem 15. Jahrhundert, die Burg, von der heute wohl nur noch einige wenige später verwendete Baumaterialien zeugen mögen.

Im Stile des Schlosses
wurde das Hohe Haus errichtet

Doch der Anlass, uns den Spuren dieser Geschichte zu widmen, ist späteren Datums. Denn nachdem die Festung 1678 auf Befehl des Prinzen von Oranien abgerissen wurde, sollte an diesem Fleck aus den Trümmern der Jahrhunderte Neues geschaffen werden. Bis 1720 – so ist es auf der Website der Familie von Beckerath nachzulesen –, sei dieser Ort der geschliffenen, also abgerissenen, Burg, „öd und wüst“ gewesen. Die Beckeraths sollten übrigens die Besitzer von Cracau werden.

Zuvor hatte 1719 Hubert Rahr den Ort gepachtet, um dort eine holländische Bleicherei und Essigfabrik zu errichten, weiß die Chronik der Beckeraths. Aus den Trümmern der Festung wurden Materialien für den Neubau eines Schlösschens verwendet, das wahrscheinlich zwischen 1720 bis 1724 entstand. Also feiern wir 2020 300 Jahre Cracauer Schlösschen. Doch Vorsicht: Das, was wir heute an der Ecke Am Hohen Haus und Bogenstraße als Reminiszenz bewundern können, ist, wie der Name der Straße schon sagt, das Hohe Haus, das später entstehen sollte.

Erst einmal zurück zu dem Schloss. Es gelangte Ende des 18. Jahrhunderts durch Erbe an die Beckeraths, die dort eine – wie könnte es in Krefeld anders sein – Seidenfärberei gründeten. Das Schlösschen wurde indes im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts erweitert und Teile des Schlosses untermauert. Auch in dieser Zeit soll das Hohe Haus, wie übrigens auch auf der Website der Bürgergemeinschaft Bismarckviertel zu lesen, errichtet worden sein. Im Stile und aus gleichem Baustoff wie zuvor das Schlösschen. Schaut man sich indes die Informationstafel, unter Rundgang auf der Website dokumentiert, am heute noch existierenden Hohen Haus an, so findet sich dort ein Datum aus dem 18. Jahrhundert – nämlich 1780. Auf Nachfrage bei Klaus Egert von der Bürgergemeinschaft erkundigte man sich nochmals bei der Familie Beckerath – in Personam Michael von Beckerath –, die das Datum 1720 bis 1724 für den Bau des Schlösschens bestätigten. Allerdings lässt sich auf der Website der Bürgergemeinschaft in der Chronik des Viertels nachlesen, dass wohl die Beckeraths nach 1775 das Haus Cracau umbauten und ihm die „bekannte Gestalt als Rokoko-Schlösschen gaben“. Somit käme Licht ins Dunkel der beiden Daten. Wenngleich an gleicher Stelle die Errichtung des „Grundhauses“, aus dem später das Schlösschen entstehen sollte, auf 1730 bis 1734 datiert wird. 1820 habe wiederum die Familie Beckerath das Hohe Haus errichten lassen. Also feiern wir 2020 200 Jahre Hohes Haus?

Historiker sind gefragt, ohnehin gab es 2017 neue Erkenntnisse zur der Burg Cracau, durch den Fund eines Rechnungsbuches aus dem frühen 16. Jahrhundert; die WZ berichtete. Der niederländische Autor Rien van den Brand hatte damals angekündigt, zu dem Thema weiter zu forschen.

Feiern wir auch – vielleicht – Geburtstag von Schloss Cracau, so muss es mehr ein Gedenktag an einen Verschiedenen sein; denn das Schloss wurde, wie es auf der Website der Beckeraths heißt, durch Brandbomben im Kriegsgeschehen 1943 in Brand gesetzt und brannte aus. Die restlichen Mauern des Schlosses fielen 1944 einem Bombenangriff zum Opfer. Das Hohe Haus – die kleine Schwester des Schlosses –, das im frühen 19. Jahrhundert als zweistöckiges repräsentatives Wohnhaus an der südöstlichen Ecke des Grundstücks errichtet wurde, blieb erhalten. Es zeugt heute noch von der vormaligen Schönheit des Schlosses. Jenes wurde übrigens auf den erhaltenen Burgmauern der einstigen Festung erbaut und beherbergt ein historisches Geheimnis. Denn unter den Schichten der Geschichte, die sich unerbittlich auf die alte Festung legten, blieb dann doch noch ein Überbleibsel der alten Burg erhalten. Ehemalige Kellerräume. Sie werden heute von einer Weinhandlung genutzt.

Also, wenn Sie mal wieder am Craucauer Schlösschen vorbei spazieren, das eigentlich nicht das Schlösschen, sondern das Hohe Haus ist, halten Sie kurz inne und denken Sie an die bewegte Geschichte und die vielen Schichten der Vergangenheit, die hier ruhen.

Weitere Informationen gibt es unter:

www.beckerath.info/Schloss_Cracau.html
www.bg-bismarckviertel.de/