Katholisches Krefeld ist ohne Oberhaupt

Katholisches Krefeld ist ohne Oberhaupt

Johannes Sczyrba hat seine Amtsutensilien in Viersen abgegeben. Das Bistum muss jetzt eine Lösung finden.

Krefeld/Aachen. Auf der Rückfahrt ist ihm leichter, nicht nur wegen der fehlenden Last auf dem Gepäckträger des Rades, mit dem Johannes Sczyrba am frühen Morgen durch die kühle Frühlingsluft nach Viersen gefahren war. Als der bisherige katholische Regionaldekan der Sonne entgegen wieder nach Krefeld radelt, hat er nicht nur Stempel, Siegel, Schriften, offizielle Papiere und andere Utensilien seiner bisherigen Würde im Regionalbüro an der Hildegardisstraße gelassen, sondern auch eine große seelische Last.

Sczyrba fühlt sich frei. Für eine weitere Amtszeit unter den bisherigen Bedingungen war er nicht mehr angetreten (die WZ berichtete). Mit dem 11.April ist seine Zeit zu Ende gegangen. Seit Montag ist das katholische Krefeld ohne "Oberhaupt". Einen neuen Regionaldekan gibt es nicht. Einen Vertreter sehen die Statuten nicht vor. Das entstandene Vakuum muss das Bistum jetzt füllen.

Wie, war gestern noch nicht zu erfahren. Pressereferent Franz Kretschmann verspricht eine Antwort in den nächsten Tagen: "Das ist eine bisher einmalige Situation." Einen Bewerber gibt es nicht. Auch der Viersener Kollege Johannes Quadflieg (50) kann den Krefelder nicht vertreten, es sei denn in Büroangelegenheiten im gemeinsamen Regionalsitz.

Der Bischof wird sich kaum lange Zeit lassen können mit einer Ernennung, sonst kommt manches in Stocken so die Einberufung des Regionalpastoralrates, die Entscheidung über vakante Pfarrstellen, die Beauftragung von Kommunionhelfern oder auch die Dienstaufsicht über die Krankenhausseelsorge.

Beobachter rechnen damit, dass der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff einen Priester zum Regionaldekan ernennt. Der wäre dann aber nur ein "halber" Dekan, denn für die Interessensvertretung der Region gegenüber dem Bischof kann ihm nur die Wahl eines regionalen Gremiums Rückhalt geben. Von dort aber ist kein Vorschlag gekommen.

Insbesondere die Vertretung der bischöflichen Interessen und die Wahrnehmung der regionalen Diskussion im Zusammenhang mit der Gemeindereform hat Sczyrba in den vergangenen Jahren das Leben schwer gemacht. Sczyrba fühlte sich dazwischen zerrieben und hatte deshalb beim diesjährigen Neujahrsempfang der katholischen Region seine Nichtkandidatur angekündigt. Die Reaktionen aus Aachen waren bisher mager, auch als Anfang März ein Wahltermin ergebnislos verstrichen war.

Sczyrba hingegen empfindet nicht nur die Freiheit von der Bürde des Amtes. Er spricht auch von Dankbarkeit für viele Aufgaben, die er zu erfüllen hatte, vor allem für die vielen vertraulichen Begegnungen mit den unterschiedlichen Mitarbeitern der Krefelder Region.

Mehr von Westdeutsche Zeitung