Mehr als nur Kaffeeklatsch

Mehr als nur Kaffeeklatsch

Maria Keppler ist die Gründerin des Nachbarschaftsladens. Dafür erhielt sie das Bundesverdienstkreuz.

Krefeld-Fischeln. Das ist seit Jahren der Trend: Immer mehr Läden in der Nachbarschaft schließen und immer mehr "Nachbarschaftsläden" entstehen. Ein wahrer Prototyp steht im westlichen Fischeln, auf der Erkelenzer Straße. Er wurde im Jahre 1987 gegründet, um "das L--eben in der Nachbarschaft lebenswert zu gestalten".

Seinerzeit, als der alte gewachsene Stadtteil riesigen Zuwachs bekommen hatte und neuer Wohnraum für mehrere Tausend Menschen entstand, hatte Maria Keppler die zündende Idee.

Die 73-Jährige bekam für ihr gemeinnütziges Wirken vor einigen Wochen sogar das Bundesverdienstkreuz. Ihre Arbeit, getragen von einem Team ehrenamtlicher und professioneller Helfer, wurde bereits im Jahre 2005 durch den Titel "Landessieger NRW - Netzwerk Nachbarschaft" sozusagen gekrönt.

Hatte man zuerst in einem kleinen Lädchen angefangen, steht heute ein großer, lichtdurchfluteter Raum für die vielen Aktivitäten zur Verfügung. Gemütliche Stühle um mehrere große Tische, dazu eine Küchentheke und Toiletten - hier lässt es sich aushalten.

Mehrmals pro Woche lädt der Laden nachmittags zum Kaffee ein, morgens steht der Raum Krabbelgruppen und abends den Erwachsenen für Vorträge und Diskussionen zur Verfügung. Es gibt sogar ein Programmfaltblatt, das neben dem regelmäßigen Angebot auch Platz bietet für Extras. So etwa am Ostermontag, als es ab 11 Uhr ein Osterfrühstück für die ganze Familie zu äußerst moderaten Preisen gab. Oder am vergangenen Sonntag, als nachmittags von 15 bis 17 Uhr das "Besondere Sonntags-Café" öffnete.

Zahlreiche Anmeldungen stehen schon auf der Liste, denn die eher stillen Sonn- und Feiertage sind bei vielen Alleinstehenden gefürchtet. Später im April informiert man noch über so verschiedene Themen wie Pflegeversicherung und Pflanzentausch. Alle 14 Tage zum Beispiel trifft sich hier auch die deutsch-russische Sprachpartnerschaft.

Fragt man Irmgard Feltgen, die erste Vorsitzende des eingetragenen Vereins, was der Laden denn noch so anbietet, dann antwortet sie spontan: "Wir verschenken Gemeinschaft". Träger des Vereins sind die beiden christlichen Kirchen, das Forum als katholische Bildungsstätte, das Jugendzentrum Fischeln an der Kölner Straße, die Verbände KAB und Katholische Frauen Deutschlands (Kfd) und viele Einzelmitglieder. Immer ist Maria Keppler mit von der Partie, wenn es um neue Ideen und deren Umsetzung geht. Sie hat ein besonders weites Herz für Behinderte, sind doch zwei ihrer vier Kinder auch gehandicapt.

Regelmäßig hält man Kontakt zum Viktorheim auf der Westparkstraße. Dessen Bewohner genießen den monatlichen Ausflug nach Fischeln.

Mehr von Westdeutsche Zeitung