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Hülser Postbote Klaus Lickes hört auf - das ist der Grund

Vorruhestand : Hülser Postbote Klaus Lickes hört nach 37 Jahren auf

Die 55-jährige Frohnatur aus Hüls legt nach 37 Jahren im Fahrradsattel die Arbeit als Postbote nieder. Im Ruhestand will er Zeit mit den Enkelkindern verbringen.

Einmal hat Klaus Lickes auch mal zwei seiner Kunden beim Seitensprung erwischt. Auf dem Hülser Hausberg ist es gewesen, ganz nah der Heimat der Beiden also im obersten Norden der Stadt. Eigentlich viel zu nah, um dort den Partnern fremdzugehen, aber nun ja. Klaus Lickes hat eben viel gesehen und erlebt in seinen 37 Jahren als Briefträger. Und manche Dinge hat er eben dann lieber auch stets für sich behalten, wie eben diese Begegnung, über die er nicht viel verraten möchte. Der 55-Jährige war immer nah dran an den Menschen, er brachte den Hülsern schöne Dinge nach Hause wie Liebesbriefe, aber auch unangenehme wie Rechnungen und Mahnungen. Er wollte immer ein Ohr haben für seine Kunden, die ja auch irgendwie seine Nachbarn waren im Hülser Norden. Dort, wo Lickes die Post verteilte, wohnte er auch. So kam es auch schon mal vor, dass er sich selbst Briefe und Zusendungen zustellte, nicht ohne natürlich dann auch ein Schlückchen Kaffee zu nehmen.

Nun aber ist Schluss. Die Knie machen nicht mehr mit, erzählt er. Klaus Lickes ist in den Vorruhestand gegangen. „Es war eine tolle Zeit. Ich habe es genossen mit meinen Kollegen in Hüls. Ich habe gelbes Blut in mir“, sagt der langjährige Post-Beamte, der für seine Kunden immer mehr war als ein bloßer Überbringer von guten und schlechten Nachrichten. Und mit einer Zahl kann er auch ganz gut leben: „Ich bin nur dreimal gebissen worden“, sagt er lachend am Telefon: „Es gab viele schöne Momente.“ An der Hamburger Alster hat er in den vergangenen Tagen mit Frau und Freunden die ersten Tage nach seinem ausgefüllten Berufsleben genossen. Sein Dienstrad hat er nun abgestellt.

Auch die deutsche Prominenz belieferte Klaus Lickes bereits

Lickes hat die Hülser vor Trauer weinen sehen, wenn er auf Beerdigungen eingeladen war, was schon mal vorkam, wenn er die Menschen über Jahrzehnte jeden Morgen besuchte und begleitete und auch das Ableben des einen oder anderen Mitbürgers eines Tages vor Augen geführt bekam. Er hat sie aber auch vor Freude weinen sehen auf Hochzeiten, wenn diese hoffnungsvoll den Bund der Ehe eingegangen sind. Er war immer dabei, immer einer von ihnen. Natürlich auch auf Straßenfesten. „Ich war für manche ein Seelsorger, ein Immobilienmakler und auch ein Sympathieträger“, sagt der Hülser Postbote über sein vielfältiges Profil. Lickes ist eine Frohnatur. Mit seinem aufgeweckten und freundlichen Wesen sowie seiner Freude an der Arbeit und dem Interesse am Gegenüber war er bei vielen Kunden beliebt: „Klaus, wir vermissen dich“, hätten ihm manche Hülser schon geschrieben.

Auch die deutsche Prominenz hat er beliefert. Zu Weihnachten stellte er dem aus Hüls stammenden Schauspieler Jannis Niewöhner bei einem seiner Besuche in der Heimat die Post persönlich zu und ließ sich sogleich auch mit dem Film-Darsteller fotografieren. Zu seiner frühen Zeit als Postbote in Neuss gehörte auch die damalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth zu seinen Kundinnen. Einmal hat er aber auch den Fußballer Lukas Podolski in Hüls getroffen, als dieser bei seinem früheren Berater Kon Schramm zur Visite kam. Ein Erinnerungsfoto durfte auch da nicht fehlen mit dem ehemaligen Profi des 1. FC Köln. Erst recht nicht für den seit seiner Kindertage glühenden FC-Fan Klaus Lickes. Im Fanclub „Höchter Böcke“ ist er seit Jahren organisiert. Er ist außerdem Mitglied im Verein und besucht gerne die Heimspiele seiner Kölner. Dem aus den dortigen Zapfhähnen traditionell fließenden Kölsch-Bier ist er in ruhigen Stunden ebenso zugetan.

 Zum Abschied gab es für Klaus Lickes Geschenke.
Zum Abschied gab es für Klaus Lickes Geschenke. Foto: Klaus Lickes

1984 hat er mit seiner Arbeit begonnen. Nach der Ausbildung ging er nach Neuss, 1997 wieder zurück nach Hüls, wo er lebt, seit er 18 ist. 5000 Kilometer bei Wind und Wetter hat er gut und gerne pro Jahr im Sattel zurückgelegt. Auch ein Grund, warum seine Kniegelenke nicht mehr so recht wollen, wie er selbst sagt. Eine große Überraschung gab es für ihn zum Abschied. Mit verbundenen Augen fuhr ihn seine Frau zur Straße Am Flöthbach. Als er vor Ort die Binde abzog, beglückwünschten ihn 60 seiner langjährigen Kunden. „Das war eine schöne Sache zum Abschluss.“ Seinen Ruhestand will er nun mit seinen Enkelkindern genießen. Das eine oder andere Kölsch und Heimspiel des 1. FC Köln werden dabei bestimmt nicht fehlen. Oder auch ein paar schöne Stunden auf dem Hülser Marktplatz – ganz ohne Dienstrad.