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Frühe Hilfen sollen Krefelder Kinder vor Schaden schützen

Corona und Lockdown : Frühe Hilfen sollen Kinder vor Schaden schützen

Die Pandemie hat Eltern viel abverlangt. Mit Geld aus dem Aktionsprogramm „Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche“ sollen Hilfsangebote ausgebaut werden.

Die Schwangerschaft und insbesondere die ersten Lebensmonate und drei- bis vier Lebensjahre sind für eine gesunde und gute Entwicklung von Kindern von herausragender Bedeutung. Mit diesem Wissen lässt sich leichter ermessen, wie die anderthalbjährige Pandemie die innerfamiliären Beziehungen strapaziert hat und welche Folgen das für die Entwicklung der jüngsten Krefelder von 0 bis drei Jahre haben kann.

Frühe Hilfen, wie sie die Stadt Krefeld seit 2013 anbietet, sind ein wichtiger Beitrag zu deren gesundem Aufwachsen. Die Hilfen sichern außerdem Kinder-Rechte auf Schutz, Förderung und Teilhabe. Die Stadt baut das Angebot mithilfe des Bundesaktionsprogramms „Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche“ weiter aus.

Was und wie die Stadtverwaltung das mit Hilfe des bestehenden sozialen Netzwerks in Krefeld tun will, darüber informierte sie im jüngsten Jugendhilfeausschuss. Das Angebot der Frühen Hilfen richtet sich grundsätzlich an alle Kinder ohne Ausnahme. Doch für manche Kinder sei die „Leiter“ des sozialen Aufstiegs lückenhafter, so dass die niederschwellige Arbeit der Akteure der Frühen Hilfen ein wichtiger Bestandteil des präventiven Kinderschutzes darstelle.

Deshalb wird in Krefeld ein besonderer Fokus auf Eltern gerichtet, die sich in einer belastenden Lebenslage befinden. Beispielsweise durch niedrige Bildung, ungeplante Schwangerschaft, alleinerziehend, frühe Elternschaft, Familien im SGB-II-Bezug (Grundsicherung), Überforderung, fehlendes familäres Unterstützungssystem, fehlende Kenntnisse über Grundbedürfnisse und Erziehung des Kindes. Alle Angebote sind präventiv ausgerichtet und werden von Familien freiwillig und auf eigenen Wunsch in Anspruch genommen.

Eine Bestands- und Bedarfsanalyse der Frühen Hilfen 2018 zeigte, dass es einen größeren Bedarf an Angeboten für Schwangere in Krefeld gibt. Seither sind neue Projekte entstanden wie die „Geborgene Babyzeit“ des Kinderschutzbundes zum Bindungsaufbau, die Hebammensprechstunde ebenfalls zum Bindungsaufbau, richtiger Versorgung des Kindes und Unterstützung seiner Entwicklungsmöglichkeiten und der Storchenlotse im Helios-Klinikum, dessen Angebot ab 2022 für zunächst fünf Jahre fortgeführt werden soll.

Das Angebot des Kinderschutzbundes „Väter Welten’“ richtet sich gezielt an Männer, zum Einüben der Alltagsversorgung, Auseinandersetzung mit vätertypischen Rollenmustern und ebenso Übungen zur Entwicklung von Feinfühligkeit. Ein Grund? In den vergangenen Jahren häufen sich in NRW extreme Fälle von Kindesmisshandlung.

Mithilfe des Aktionsprogramms „Aufholen nach Corona“ konnte bereits zum 1. Juli der Familienhebammendienst von Sozialdienst katholischer Frauen und Kinderschutzbund vom Umfang her ausgeweitet werden. Von den vier bereits eingestellten Hebammen mit einer Stundenzahl von jeweils 19,5 übernehmen zwei von ihnen weitere Stunden im Umfang von je einer viertel Stelle.

Aktuell werden von den Familienhebammen 30 Frauen und ihre Familien betreut. In diesem Jahr mussten acht Anfragen wegen fehlender Kapazität abgelehnt werden. Im November will sich das Netzwerk der Frühen Hilfen mit einem neuen wichtigen Thema inhaltlich auseinandersetzen: „Auswirkungen von Alkohol- und Drogenmissbrauch auf die Schwangerschaft und das Kind“. Eine Problematik, die sich durch die Pandemie verstärkt haben dürfte.