Rechte: Gemeinsam gegen das „Turbo-Putzen“

Rechte : Gemeinsam gegen das „Turbo-Putzen“

Rechtliche Informationen für die Reinigungskräfte in städtischen Gebäuden.

Krefeld. IG Bau, Gebäudereiniger-Innung und Stadtverwaltung haben einen Handzettel (Flyer) entwickelt, mit dem die Reinigungskräfte in Krefeld auf ihre Rechte hingewiesen werden. Dabei geht es um Arbeitsbedingungen, Mindestlohn, Urlaub und Minijobber.

Die drei Initiatoren nennen Ansprechpartner, die auch für knifflige Fragen zur Verfügung stehen. Der Flyer soll in Objekten der Stadt ausgelegt und verteilt werden. Damit will man gegen schwarze Schafe unter den Reinigungsfirmen vorgehen.

Der Hintergrund: Die Stadt Krefeld besitzt rund 190 Gebäude, in denen Menschen verwalten, planen, werkeln, lehren oder lernen. All diese Menschen machen mehr oder weniger Dreck, den Arbeitskräfte wegmachen, die dafür eingekauft werden müssen. 7,6 Millionen Euro kostet das die Stadt.

Geld, das ab diesem Jahr wohl nicht mehr in die Kassen von Krefelder Unternehmen fließt. Denn die Stadtverwaltung hat die 14 Lose europaweit ausgeschrieben — den Zuschlag sollen dem Vernehmen nach zehn auswärtige Gebäudereinigungsfirmen bekommen.

Werden die Verträge mit dem Ziel der Kostenreduzierung neu verhandelt, bleibt die zu säubernde Fläche zwar gleich, muss aber von den Reinigungskräften möglicherweise in weniger Zeit geschafft werden. „Turbo-Putzen“ nennt sich das dann. Dabei kommt ein fieser Verdacht auf: Wer das definierte Pensum nicht schafft, arbeitet eben länger, mal eine Viertelstunde, mal eine Stunde — unbezahlt versteht sich, am Mindestlohn vorbei.

Thomas Schmitz, ortansässiger Gebäudereinigungsunternehmer und Obermeister der Innung, glaubt, dass bei den Angeboten auf Ausschreibungen nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht: „Wir haben mindestens 80 Prozent Lohnkosten. Wenn ich als Unternehmer realistisch kalkuliere, habe ich kaum noch eine Chance, einen Auftrag zu bekommen.“ Bund, Länder und Kommunen trieben die Preise so weit nach unten, dass Firmen bei der Kalkulation tricksen müssten. Dabei seien maximal drei bis fünf Prozent Differenz bei den Angeboten erklärbar, mehr nicht.

Nicole Simons, Rechtsanwältin bei der IG Bau: „Das unternehmerische Risiko wird einfach auf die Arbeitnehmer verlagert. Wir fragen uns: Warum lassen sich die Leute das gefallen?“ Gewerkschaftssekretär Mahir Sahin glaubt, dass im Reinigungsgewerbe das gewerkschaftliche Bewusstsein nicht sehr ausgeprägt sei: „Es herrscht viel Unwissen über Rechte und Pflichten.“ Und Schmitz ergänzt, dass man Informationen der Beschäftigten brauche, um gegen Missstände vorgehen zu können.

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