Netzwerken: Eine „Frischzellenkur“ für den Betrieb

Netzwerken : Eine „Frischzellenkur“ für den Betrieb

Die IHK hatte zum Netzwerk-Event eingeladen. 27 Start-ups stellten sich vor und tauschten sich mit gestandenen Unternehmern aus.

Früher galt: Wer schnell sein will, arbeitet allein. In der digitalen Zeit gilt: Wer schnell sein will, braucht Partner, um komplexe Aufgaben zu bewältigen. Die IHK hatte daher zusammen mit Stadt und Wirtschaftsförderung WFG zum Netzwerk-Event eingeladen.

Allein 27 überwiegend regionale Start-ups, darunter drei aus Krefeld, nutzten die gebotene Plattform, um sich und ihre Gründungsidee vorzustellen. Bei Podiumsdiskussionen und an den Präsentationsständen konnten sich die Gründer mit klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU) austauschen. Mit Vorteil für beide: Wenn Start-ups Erfahrung und Know-how der Mittelständler nutzen, können sie dabei nur gewinnen. Wenn umgekehrt etablierte Unternehmen neue Impulse von Gründern erhalten, ist das wie eine Frischzellenkur für den eigenen Betrieb.

Eine Talkrunde mit IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz und Oberbürgermeister Frank Meyer eröffnete die Veranstaltung, die als Premiere gut besucht war. „Noch vor zwei Jahren hat es in der Gründerszene richtig mau ausgesehen, heute sieht es schon viel besser aus“, sieht Meyer erste Fortschritte der Anstrengungen.

Als Beispiel nannte er, dass sich zunehmend Gründer für Krefeld und gegen die Trendstädte Düsseldorf und Köln entscheiden. Gemeinsam wolle man die Infrastruktur anpacken und das Netzwerken fördern. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagte Steinmetz. Mit Digihub aus Düsseldorf, Next MG aus Mönchengladbach und Silkvalley aus Krefeld gebe es erste Vereine, die Treffpunkte zur Zusammenarbeit wie Coworking bieten. Deren Verantwortliche tauschten sich in einer späteren Diskussionsrunde mit Vertretern des NRW-Ministeriums für Wirtschaft, Innovation und Digitalisierung sowie von NRW.International aus.

Start-up-Experte und Unternehmenscoach Johannes Ellenberg aus Aidlingen führte ins Thema ein. Er berichtete über eigene Erfolge und Misserfolge bei seinen und anderen Unternehmensgründungen. Zunächst gab er eine Erklärung des Begriffs Start-up, der überall anders definiert werde. „Eigentlich bedeutet Start-up eine Suchphase, die aus einer Idee entsteht, oder auch einen ersten Lebenszyklus.“ Er habe gelernt, dass man zunächst ein unbefriedigtes Kundenbedürfnis erkennen muss, und erst danach eine Problemlösung entwickeln kann. Dann brauche man ein Geschäftsmodell und erst später einen Business- und Finanzplan – und nicht umgekehrt. Viele Start-ups scheiterten, weil sie den Übergang von der Gründungsphase zum etablierten Unternehmen einschließlich des nötigen Fachpersonals nicht hinbekommen. Letztlich gelte für alle Unternehmer nur ein Ziel – neue Geschäftsfelder zu entdecken und den Bedarf professionell zu befriedigen.

Das Produkt auf dem Markt
auf den Prüfstand stellen

Abschließend gab der Experte den Jungunternehmern den von ihm definierten Start-up-Code mit auf den Weg. Zusammengefasst heißt das: Die Idee oder das Produkt auf den Prüfstand stellen, nicht im Keller entwickeln, sondern am Markt testen und bei Erfolg mit Leidenschaft verfolgen.

Fehler seien am Anfang normal, aber auch eine Chance, um daraus zu lernen. Die Digitalisierung führt dazu, dass Dinge einfacher und schneller werden, gleichzeitig wird weniger Etat nötig. Effiziente Mitarbeiter sind nur solche, die als Menschen im Mittelpunkt stehen und als solche handeln.

In der folgenden Podiumsdiskussion berichteten gestandene Geschäftsführer aus Mönchengladbach und Düsseldorf und Krefeld, welche Anfangsprobleme sie lösen mussten und wie sie ihre Produkte erfolgreich am Markt absetzen.

So hat Andreas Hochbruck, Gründer des Campus Circle im Campus Fichtenhain, mehr als 200 Mitarbeiter angesiedelt und auch von der Hochschule 16 Programmierer übernommen. „Wir planen dort zusammen mit Stadt, WFG und Investoren ein einzigartiges Gründerzentrum.“

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