Wirtschaftsförderer Eckart Preen: "Krefeld braucht ein Gründerzentrum"

WIRTSCHAFT : Chef der Wirtschaftsförderung fordert Gründerzentrum für Krefeld

In anderen Städten gibt es sie schon lang. In Krefeld beginnen gerade eine Szene junger Start-ups zu blühen und Coworking-Spaces zu sprießen. Wirtschaftsförderer Eckart Preen findet das toll, sagt aber: Das reicht nicht.

Mehr intelligente Geschäftsideen und der Fachkräftemangel sind nur zwei von vielen Argumenten dafür, warum Krefeld aus Sicht von Eckart Preen ein Gründerzentrum braucht. Der Chef der Krefelder Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) vergleicht den dringenden Bedarf mit dem Profifußball. „Nachwuchsarbeit ist wichtig, nicht nur Transfers“, sagt Preen, „diese Säule brauchen wir auch in der Wirtschaftsförderung.“

Es müssten auch Unternehmen entstehen, ohne dass sie woanders abgeworben würden. Das entspricht der derzeitigen Stimmung in den Firmen. „Sie ziehen immer seltener um – mit Rücksicht auf ihre Beschäftigten.“ Die sind angesichts des vielzitierten Fachkräftemangels ein hohes Gut.

Es entstehen mehr neue Firmen mit gutem Arbeitsplatz-Potenzial

Gleichzeitig beobachten Experten viel Bewegung bei den Gründungen. „Sie haben lange nicht so eine wichtige Rolle gespielt. Aber in den vergangenen Jahren haben wir gesehen, dass viele tolle Firmen entstanden sind“, sagt Preen. Also solche, bei deren Gründung es den Menschen nicht im Wesentlichen darum ging, eine Perspektive für sich selbst zu finden und zum Beispiel aus der Arbeitslosigkeit herauszukommen. Sondern mit aussichtsreichem Potenzial für sozialversicherungspflichtige Jobs.

Arbeitsplätze für die Zukunft und die Generierung von Steuereinnahmen sind für die Wirtschaftsförderung wichtige Bausteine. Preen sieht das Thema Gründerzentrum deshalb am besten bei der WFG angesiedelt, die durch ihre Existenzgründerberatung in direktem Kontakt mit der Zielgruppe stehe, beziehungsweise bei der WFG-Tochter GGK, der Grundstücksgesellschaft der Stadt Krefeld.

Beispiele für die Unterstützung von Start-ups wie im K2 an der Kleinewefersstraße oder der Coworking-Space von Take TV seien toll. Aber das wird aus Preens Sicht nicht ausreichen. „Es ist ein ergänzendes Engagement eines öffentlichen Akteurs nötig.“ Für Coworking in öffentlicher Trägerschaft hält er die GGK für den „sinnvollsten Akteur“. „Obwohl wir ein öffentlicher Akteur sind, können wir auch privates Engagement zum Beispiel mit PPP anbieten.“ Beim Private-public Partnership (PPP), einer öffentlich-privaten Partnerschaft, arbeiten öffentliche Hand und Unternehmen zusammen. Es gibt Beispiele solcher planerischen und finanziellen Kooperationen von allem vom Schulturnhallen- oder Parkplatz-Bau bis zur Stadtentwicklung.

Was die Örtlichkeit für ein Gründerzentrum angeht, sieht Preen „einen Ansatz im Stadtbad Neusser Straße“. Allerdings sei das nur eine von mehreren Ideen. „Wir wissen um die Probleme des Objekts, etliche Investoren sind schon dagewesen.“ Aber die Machbarkeitsstudie der Stadt zu diesem historischen Objekt untersuche auch, ob ein Coworking-Space machbar sei. Das könne aber nur ein Teilbereich sein, „wo so etwas entstehen könnte“. Es würden auch andere Optionen geprüft. „Aber die wachsen eben nicht auf Bäumen.“

Man denke über gleich mehrere Standorte nach. „Vielleicht ist das besser, weil die Gründerszene heterogen ist.“ Wenn man in eine solche Szene investieren wolle, dann müsse mindestens ein Objekt in der Innenstadt liegen. Weil die Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und Nahversorgungsmöglichkeiten wichtig seien und „für viele Gründe das entsprechende Umfeld eine Rolle spiele“. Die Nähe zur Hochschule sei andererseits „auch wünschenswert“.

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