Das Deutsche Textilmuseum bietet 2019 drei Ausstellungen an

Jahresprogramm : Forschung, Farben und Geburtstag

Das Deutsche Textilmuseum Krefeld hat 2018 einen Besucherrekord verbucht. 17 862 Menschen sahen sich die Ausstellungen an. Auch im neuen Jahr ist viel geplant – unterstützt durch üppige Fördergelder des Bundes.

Wenn Annette Schieck, Leiterin des Deutschen Textilmuseums Krefeld, und ihre Stellvertreterin Isa Fleischmann-Heck das Jahresprogramm 2019 vorstellen, dann landet man auch schon mal schnell im Jahr 2023. Oder schaut zurück auf 2018. Denn in der Einrichtung am Andreasmarkt in Linn laufen derart viele Projekte, dass Außenstehende schnell den Überblick verlieren können. Die Besucherzahlen zeigen, dass die beiden Wissenschaftlerinnen mit ihrem Engagement richtig liegen: 17 862 Menschen im vergangenen Jahr bedeuten einen Rekord, seit Annette Schieck ihr Amt 2012 angetreten hat. Parallel dazu laufen derzeit vier Forschungsprojekte, die teils mit erheblichen Summen gefördert werden.

Das Museum ist
international sehr gut vernetzt

Doch der Reihe nach. „Unsere Entwicklung ist stetig wachsend“, freut sich die Museumsleiterin, die als wesentlichen Faktor des Erfolges die Ausstellung „Tracht oder Mode“ nennt. Diese allein wollten schon 4500 Menschen sehen, obwohl sie erst im Herbst eröffnet wurde und noch bis 14. April dauert. Erfolgreich (3800 Besucher) sei 2018 auch die Ausstellung „Deutsche Couture“ gewesen – Schwerpunkt lag auf der Präsentation von Modellkleidern des Couturiers Werner Lauer. Gemeinsam mit seiner Frau gründete er die Firma Lauer-Böhlendorff. Ein Treffen mit ehemaligen Mitarbeiterinnen des Unternehmens bezeichnet Isa Fleischmann-Heck als „Highlight“. „Ganz toll“ sei zudem der Vortrag des ehemaligen Scheiders der Beatles gewesen, der für eine internationale Tagung des Netzwerks Mode-Textil nach Krefeld gekommen war.

Gut vernetzt ist auch das Museum selbst: Leihgaben aus Linn sind derzeit in Florenz, Bremen und im heimischen Kaiser-Wilhelm-Museum zu sehen. Die Schau „Tracht oder Mode“ lockte jüngst Experten aus Amsterdam nach Krefeld. Ihr folgt als nächste Ausstellung die vierte Fortsetzung von „Asia – Europe“, die vom 16. Mai bis 18. August zu sehen sein wird. Sie beschäftigt sich mit Textilkunst aus Asien und Europa und ist zuvor in Belgien zu sehen.

Daran schließt sich ab 29. September die dritte Ausstellung (Titel: „Zeitkolorit“) an. Gleichzeitig wird damit der Museums-Anteil an dem Forschungsprojekt „Weltbunt“ präsentiert, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 550 000 Euro gefördert wird – 52 000 Euro davon beträgt der Anteil des Textilmuseums. Die Hochschule Niederrhein, das Museum Schloss Rheydt und die Technische Hochschule Köln sind beteiligt.

„Zeitkolorit“ beschäftigt
sich mit alten Farben

Die Wissenschaftler beschäftigen sich mit einer alten Farbstoffsammlung von mehr als 10 000 Fläschchen, die Professor Jürgen Schramm im Keller der Hochschule Niederrhein „ausgegraben“ hat. „Die Färbemittel wurden überwiegend in Uerdingen entwickelt und damals gleich an der Krefelder Hochschule getestet“, berichtet Annette Schieck. Das Textilmuseum stellt dazu Damenmode zwischen 1850 und den 1930er Jahren aus und klärt die Frage, welche Farben damals in Mode gewesen sind. Ein Nebenaspekt von „Zeitkolorit“ wird sich mit dem Einfluss des Bauhauses beschäftigen. Zwei Mitarbeiterinnen konnte das Museum für die Arbeit befristet einstellen.

Beteiligt sind die Linner weiterhin am europaübergreifenden Forschungsprojekt „Fabric of my life“, das den Zusammenhang von Kleidung und Identität klärt. Und dann wäre da noch das „Parvenü-Projekt“. Es beschäftigt sich mit dem Bürgerlichen Aufstieg im 18. Jahrhundert, beteiligt sind neben dem Textilmuseum die Universität Düsseldorf, das Museum Burg Linn sowie das Hetjens-Museums (Düsseldorf) und die Akademie für Mode und Design in Berlin. Das Bundesministerium stellt mehr als 900 000 Euro bereit – 250 000 Euro davon beträgt der Förder-Anteil des Textilmuseums. Hier wurden zwei Stellen geschaffen, um die Krefelder Sammlung europäischer Seiden aufzuarbeiten.

Bis 2023 soll das Projekt abgeschlossen sein, es sind dann Ausstellungen an verschiedenen Standorten geplant. „Das wird unser Anteil am Stadtjubiläum sein“, sagt Schieck: Krefeld feiert dann 650. Geburtstag.

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