25000 Euro kostet die Ausbildung für Katharina Knoblochs Begleithund. Geld, das sie nicht hat

Unterstützung: 25 000 Euro für Assistenzhund Vito – Hilfe gesucht

Katharina Knobloch leidet unter der schmerzhaften Nervenerkrankung CRPS. Ihr Labrador Vito hilft ihr, den Alltag zu meistern. Der Hund benötigt eine spezielle Ausbildung, die 25 000 Euro kostet. Geld, das die 27-Jährige nicht hat. Finanzielle Unterstützung bekommt sie von ihren Kommilitonen und dem Inner Wheel Club.

Katharina Knobloch möchte ihren Vito nicht mehr missen. Denn der vierjährige schwarze Labrador hilft ihr im täglichen Leben, wo er nur kann. Vito ist der Assistenzhund der 27-Jährigen aus Traar. Sie leidet nach einem scheinbar harmlosen Fahrradunfall unter der Nervenkrankheit CRPS (aus dem Englischen: Complex Regional Pain Syndrome), früher auch als Morbus Sudeck bekannt. Der Unfall ereignete sich im April 2015. „Ich wollte an einem Auto vorbei, geriet mit dem Vorderrad in ein Schlagloch und fiel über den Lenker nach vorne auf den Radweg“, erinnert sich Knobloch. „Dass das Handgelenk gebrochen war, wurde erst spät erkannt. Vielleicht war dann der Gips zu eng angelegt, vielleicht wäre alles anders verlaufen, wenn der Bruch früher erkannt und anders therapiert worden wäre.“

Wie das Syndrom entsteht, können die Ärzte bislang nicht erklären. „Aus der Verletzung heraus hat sich die Krankheit gebildet. Heute leide ich unter starken Schmerzen in der linken Hand und im linken Fuß. Das geht so weit, dass sich sogar Fehlstellungen gebildet haben und es jetzt dort zu Versteifungen gekommen ist“, erzählt die 27-Jährige. „Vier Monate hat es gedauert, vom anfänglichen schmerzenden Fuß bis zum Rollstuhl. Eine Zeit, in der ich mich an den Gedanken, behindert zu sein, gewöhnen musste.“ Ihr Lebensgefährte Christoph Linck ist daraufhin mit ihr nach Traar in eine barrierefreie Wohnung umgezogen. Was für die beiden besonders bedrückend ist: Es ist unklar, wie sich die Krankheit weiterentwickeln wird. „Vielleicht bleibt es so, vielleicht wird es schlimmer“, sagt sie.

Der Labrador kann
Schuhe sowie Jacken ausziehen

Neben ihrem Lebensgefährten gibt auch Vito der jungen Frau Halt. Beim Treffen weicht ihr der Rüde nicht von der Seite, liegt beim Kaffee neben ihr auf seiner grünen Decke, die er nach dem Gespräch auf einen leisen und ruhigen Befehl zum Zusammenfalten anreicht. „Katharina und Vito in der Ausbildung“ steht auf der Leine des Hundes. Der Labrador kann Sachen aufheben, von einer Cent-Münze bis zur Wasserflasche. Er hat die Fähigkeit, ihr die Schuhe zu bringen und sogar auszuziehen, ebenso wie Handschuhe und Jacke.

Er habe aber auch einen psychologischen Aspekt: „Der Hund gibt mir auch in anderer Hinsicht ganz viel. Vito ist immer da. Und verstecken geht mit ihm überhaupt nicht.“ So findet sie über das Tier Kontakt zu anderen Menschen: „Er ist die Hauptperson und lenkt vom Rollstuhl ab. Das ist gut, denn viele Leute wissen nicht, wie sie mit einem behinderten Menschen umgehen sollen.“ Vito wurde im Westerwald ausgebildet, beim Verein Vita Assistenzhunde. Die Lehrzeit dauert zwei bis drei Jahre. „Dann bin ich für sieben Wochen dorthin gefahren. Die Ausbilder haben genau geprüft, welcher Vierbeiner zu welchem Menschen passt. Der Hund selbst wählt letztendlich seinen Halter aus“, erklärt Knobloch.

Seit November ist er nun bei ihr. Sie werden nur noch zur Nachbetreuung in den Westerwald reisen, um Fehler im Zusammenleben zu korrigieren. So weit, so gut. Doch es gibt einen Haken: „25 000 Euro kostet die Ausbildung des Hundes, sein Hundeleben wird mit 75 000 Euro veranschlagt. Und die Krankenkasse zahlt nur für Blindenhunde.“

Es ist Geld, das die junge Frau nicht hat. „Erst die Hälfte des kleineren Betrages ist bezahlt. Der Verein wartet auf das Geld, ich kann den Hund halten, aber irgendwann muss es kommen“, erzählt sie. Gerade hat Knobloch an der Hochschule Niederrhein ihren Master im Chemie-Ingenieurwesen abgelegt. Kommilitonen  haben schon in einem Projekt für sie gesammelt.

Und dann gab es noch eine unverhoffte Überraschung: Die Frauen des Inner Wheel Clubs haben vom Schicksal der jungen Frau gehört und spontan 2000 Euro gespendet. „Wir haben das Geld aus unseren Aktivitäten wie dem Waffelbacken beim Pottbäckermarkt, dem Verkauf von Glühwein beim Einkaufen bei Kerzenschein oder unserem Bridgeturnier erlöst“, berichtet Präsidentin Eva Teubig. Doch damit ist bis jetzt nur etwa die Hälfte des benötigten Geldes von 25 000 Euro für den Hund vorhanden.

„Nach meinem Abschluss suche ich jetzt Arbeit. Ich habe einen Führerschein, könnte in einem umgebauten Wagen selbst fahren. Doch auch hier will die Versicherung nicht zahlen, will eher für teure Taxikosten aufkommen“, wundert sich Katharina Knobloch.

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