Das Café Lentz in Krefeld muss schließen

Alte Samtweberei: Das Café Lentz muss schließen

Ein Verein hatte das Lokal betrieben, aber wirtschaftlich war das Konzept kein Erfolg — nach anderthalb Jahren muss der Treffpunkt wieder schließen.

Das Café Lentz an der Lewerentzstraße schließt. Am 21. Dezember ist Schluss. „Die Kosten drücken uns. Miete, Nebenkosten, Gehälter und viele kleine Dinge wollen bezahlt werden“, erklärt Markus Kossack, Vorsitzender von „Kette & Schuss“ als betreibender Verein. „Das ist auf Dauer nicht zu leisten.“ Der Kulturverein hatte sich 2016 zusammengefunden, um in der Alten Samtweberei einen Raum für die Menschen des Viertels zu eröffnen. „Die ehrenamtlich tätigen Mitglieder kommen aus Kreativen der Samtweberei, engagierten Menschen aus dem Viertel und der Innenstadt Krefelds“, sagt der Vorsitzende. „Unser Projekt ,Lentz – Kultur & Kulinarik` ist nun an die Grenzen des Leistbaren gestoßen.“

Kossack: „Mit einer Anschubfinanzierung sind wir gestartet und waren enorm motiviert. Wir wollten dem Viertel und der Kulturszene einen guten Raum bieten, hatten Power und jede Menge Ideen.“ So stammt die Einrichtung der Räume vom Sperrmüll, von den Dachböden alter Kirchen oder von Freunden. Dazu entwickelten die engagierten Leute ein Design- und Veranstaltungskonzept.

Das Projekt wurde von der Urbanen Nachbarschaft Samtweberei (UNS) und der Stadt Krefeld als gleichberechtigter Partner begrüßt. „Für das ,Projekt Lentz` haben wir uns nach Feierabend auf den Weg gemacht und eingekauft“, berichtet Kossack aus dem Alltag. „Jeden Dienstag wurde gekocht, damit am Mittwoch alle Gäste etwas auf dem Teller hatten. Das ging manchmal bis weit nach Mitternacht. Unseren Gästen haben die Gerichte geschmeckt. Auf Wunsch vieler Besucher haben wir dann einen Mittagstisch angeboten.“ Für die Küche wurden zwei sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze geschaffen. Im Service arbeiten vier Studierende.

„Die vielen Kulturveranstaltungen, die wir seit Juli 2017 geplant, organisiert und durchgeführt haben, waren sehr gut besucht.“ Es gab Konzerte oder Kino für Groß und Klein. Mal spielten lokale, mal internationale Musiker und oft Bands aus NRW. Der Schlachthof schickte DJs, die Krefelder Musiker Initiative (KMI) Tontechniker und Equipment. Die Lehrenden der HS-Niederrhein unterstützten die Vereinsmitglieder und mit den Verantwortlichen des Kaiser-Wilhelm-Museums gab es einen Austausch.

Viele Gruppen fanden im Lentz eine Heimat und einen Platz für ihr Engagement. „Bei uns organisierten sich die Foodsharer, das sind Lebensmittelretter und –verteiler. Leute vom Repaircafé gaben Deutschunterricht für Flüchtlinge, der Jugendbeirat tagte im Lentz. „Den Nachbarn gehörte der Montagabend. Das alles kostenfrei. Wir haben das Nachbarschaftsfest unterstützt und waren für die Kinder des Viertels da, wenn sie Durst hatten oder einfach nur eine Toilette brauchten.“

Es gab Kooperationen mit der Jugendhilfe der Stadt, der Aidshilfe, der Frauenberatungsstelle, Amnesty International, und, und, und. Auch Taufen, Geburtstage und Hochzeiten haben die Menschen des Viertels dort gefeiert. „Wir sind nun am Ende“, sagt der Vorsitzende. „Alle Anfragen auf Förderung sind negativ verlaufen. Nach rund zwei Jahren Vorbereitung und aktiver Arbeit werden wir das Lentz aus wirtschaftlichen Gründen schließen müssen. Wir hoffen, dass es andere Möglichkeiten geben wird, all diesen Initiativen, Gruppen und Menschen Raum zu geben, den sie dringend brauchen.“

Kossack: „Jetzt werden wir uns als Verein erst einmal ohne Räume aufstellen. Kultur und soziales Engagement bleiben weiterhin ein großes Anliegen. Alle Menschen, die uns dabei unterstützen wollen sind eingeladen uns aktiv, passiv oder als Fördermitglied zu unterstützen.“

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