Baudin will Museumsprofil schärfen

Baudin will Museumsprofil schärfen

Ein Jahr nach ihrem Dienstantritt als Leiterin der Kunstmuseen ist Katia Baudin in Krefeld angekommen. Für die gebürtige Französin ging ein Herzenswunsch in Erfüllung.

Krefeld. Inzwischen ist sie in Krefeld wirklich angekommen. „Ich vermisse Köln nicht“, sagt Museumsdirektorin Katia Baudin voller Überzeugung. Letztes Jahr im September hat sie als Leiterin der Krefelder Kunstmuseen die Nachfolge von Martin Hentschel angetreten. Zuvor war die gebürtige Französin mit deutschen Wurzeln acht Jahre lang stellvertretende Direktorin des Museums Ludwig in Köln. In Krefeld hat sie sich schnell wohlgefühlt, die Menschen hier empfindet sie als aufgeschlossen und neugierig, „nicht anders als in Köln“, ergänzt sie lachend. Dass es allerdings einen Unterschied in der Sichtweise auf die eigene Stadt gibt, hat Baudin als Gast der Design-Discussion im letzten Herbst erfahren. Als sie beim Talk mit Professor Erik Schmid in der Fabrik Heeder Krefeld als „schöne und spannende Stadt“ bezeichnete, ging ein ungläubiges Raunen durchs Publikum.

Der Abend war aber zugleich der Auftakt für eine engere Zusammenarbeit zwischen der Hochschule Niederrhein und den Kunstmuseen. Baudin, die vor ihrer Kölner Zeit Rektorin an der Straßburger Kunst- und Designhochschule war, möchte auch die hiesigen Studenten für das Museum begeistern. So hat es auf ihre Initiative hin einen Wettbewerb zum Thema „Wie stellt man Design aus?“ gegeben. Hintergrund ist eine geplante Ausstellung im Kaiser-Wilhelm-Museum im nächsten Jahr. Ein von einer Jury ausgewähltes Team von Studenten wird sich jetzt um die Ausstellungspräsentation und die grafische Gestaltung kümmern.

Sehr gut findet die Direktorin auch die Initiative des Fachbereichs Designs, den Erstsemestern eine Museumskarte zu schenken, mit der sie ein Jahr kostenlos ins Museum gehen können. Ein weiteres Format, das Baudin mit Hilfe von lokalen Sponsoren initiiert hat und das nicht nur junge Leute ins Museum lockt, ist der „Kunstimpuls“. Seit Mai gibt es jeden Monat eine längere Öffnungszeit an einem Donnerstagabend mit wechselndem Programm. Mehrere hundert Besucher kamen bisher jedes Mal zusammen, und das Konzept, dem Publikum in lockerer Atmosphäre die Kunstmuseen aus einer anderen Perspektive zu zeigen, ist bisher aufgegangen.

Offenheit ist das Leitmotiv, dass sich Baudin vom ersten Tag an auf ihre Fahnen geschrieben hat. Und nach einem Jahr ist sie ihrem Wunsch, den Krefeldern ihr Museum näher zu bringen, schon ein gutes Stück weiter gekommen. Dass sie diese ersten Ziele so gut umsetzen konnte, verdankt sie auch ihrem Team. „Wir sind wie eine Familie, jeder trägt etwas dazu bei“ sagt sie. An ihren Mitarbeitern schätzt sie die Offenheit für Neues, die auch mit einer Experimentierfreudigkeit verbunden ist. Zu ihrem Amtsantritt hat Baudin mit dem sanierten Kaiser-Wilhelm-Museum ein Haus übernehmen können, das endlich wieder als vollwertiger Ausstellungsort bespielt werden kann. Dafür ist sie den Politikern der Stadt sehr dankbar. „Ich bin sehr glücklich mit der Stadt, für die Bedeutung des Museums gibt es hier das richtige Verständnis.“

Die Kernaufgabe liegt für die Kunsthistorikerin allerdings in der Sammlung selbst, die sie aus den Ausstellungen heraus zukünftig systematisch erweitern möchte. Dafür ist eine gezielte Ankaufsthematik nötig, und so möchte sie den Kontakt zu Stiftungen und möglichen Sponsoren vor diesem Hintergrund noch weiter ausbauen. Begeistert ist sie vom Engagement der Freunde der Kunstmuseen, mit deren Unterstützung die neue Vortragsreihe „Wissen tanken“ ins Leben gerufen wurde. Auch wenn sie jetzt in wenigen Tagen in den Häusern Lange und Esters ihre Premiere als Kuratorin hat, sieht sie ihre Rolle als Direktorin mehr strategisch. Daher wird sie weniger eigene Ausstellungen kuratieren und dafür mehr Anstöße und Anregungen geben. Dazu gehört einerseits, Künstler einzuladen, die sich im Dialog mit der Sammlung auseinandersetzen, und andererseits das Museum über Krefeld hinaus zu stärken. „Wir müssen das eigene Profil schärfen, es gibt heute mehr Konkurrenz“, betont sie.

Eine klare Positionierung in der heutigen Kulturlandschaft bedeutet für Baudin auch, weniger bekannte künstlerische Positionen zu zeigen. Die Anfänge des Kaiser-Wilhelm-Museums unter Friedrich Deneken, aber auch die legendäre Zeit unter Paul Wember bieten dafür viel Potential. Aus dieser Geschichte heraus weitere Überlegungen anzustellen und weiter zu entwickeln findet sie sehr spannend. „Auch die heutigen Künstler interessiert das sehr“, sagt sie. Offenheit, eine klare Positionierung und interdisziplinäre Dialoge werden auch weiter Leitlinien für Baudins Arbeit sein. Eines der nächsten großen Themen ist das Bauhaus-Jubiläum 2019. Zuvor werden die Häuser Lange und Esters noch saniert. Derzeit wird das gesamte grafische Erscheinungsbild inklusive neuem Logo und Internetauftritt überarbeitet, unverzichtbar sind auch die sozialen Medien wie Instagram. „Dabei kann man noch eine andere menschliche Seite zeigen.“

Die Aufgabe, diese in ihrer Kombination einmaligen Kunstmuseen zu leiten, hat die weltläufige Französin schon länger gereizt. Mit ihrer erfolgreichen Bewerbung ist somit ein persönlicher Herzenswunsch in Erfüllung gegangen.

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