Weitaus weniger Firmen gingen pleite

Weitaus weniger Firmen gingen pleite

Die Zahl der Insolvenzen sank in Düsseldorf 2017 laut Creditreform um gut 16 Prozent. Für das meiste Aufsehen sorgte der Fall der Stockheim-Gruppe.

Auf dem Düsseldorfer Arbeitsmarkt sieht es trotz der jüngst aus saisonalen Gründen ganz leicht gestiegenen Arbeitslosigkeit gut aus. Die Stimmung in der Wirtschaft ist sogar sehr gut, wie das jüngste Konjunkturbarometer der Industrie- und Handelskammer beweist. Das schöne Bild rundet nun ein deutlicher Rückgang bei den Firmenpleiten ab. 2017 ging die Zahl der Unternehmensinsolvenzen um mehr als 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück, wie der aktuelle Insolvenzbericht der Creditreform Düsseldorf / Neuss ausweist.

Foto: Bernd Schaller

Mit 373 Insolvenzen erreicht die Zahl der Firmenpleiten in Düsseldorf den niedrigsten Stand seit 2001. Für das meiste Aufsehen sorgte der Fall Stockheim: Das von der Gruppe im Mai beantragte Insolvenzverfahren wurde im November eröffnet und dann in Eigenverwaltung fortgeführt. Geschäftsführer Özgür Günes sprach zuletzt von einer guten Entwicklung, so zeigten die Tendenzen der Umsätze in der Systemgastronomie deutlich nach oben. Günes geht davon aus, dass nur ein „verschwindend geringer Anteil“ der 750 Mitarbeiter seinen Job verlieren wird.

Ein weiterer bekannter Name war die American Apparel (Modemarke und Textilien-Großhandel), die ihren Deutschland-Sitz und eine Verkaufsfiliale an der Königsallee hatte. Und mit der Voles GmbH eröffnete eine Firma im Hafen das Insolvenzverfahren, die mit Motorenkraftstoffen handelte. Kunstfreunde ließ die Insolvenz des traditionsreichen Fotolabors Grieger an der Färberstraße aufhorchen, das unter anderem mit Gerhard Richter und Andreas Gursky zusammen gearbeitet hat.

Generell gerät am häufigsten der Dienstleistungssektor (zum Beispiel Finanzdienstleistung, Finanz- und Immobilienberatung) in Zahlungsschwierigkeiten. Zweiter Trend: Die betroffenen Unternehmen werden kleiner. In über 80 Prozent der „Pleiten“ geht es um Unternehmen mit nicht mehr als fünf Mitarbeitern. Große Firmen mit mehr als 100 Mitarbeitern machen dagegen nicht mal ein Prozent aus.

Immer seltener betroffen ist das Handwerk. Die aktuellen Zahlen stellt die Handwerkskammer Düsseldorf zwar erst im März vor, Sprecher Alexander Konrad kann aber schon von einer anhaltend positiven Tendenz berichten: „Wir haben nicht zuletzt dank der Hochkonjunktur im Baugewerbe kontinuierlich sinkende Insolvenzen, für 2017 sind es womöglich nicht einmal 300 im gesamten Kammerbezirk“, (entspricht dem Gebiet des Regierungsbezirks Düsseldorf mit Niederrhein, Bergischem Land und dem westlichen Teil des Ruhrgebietes).

Weitaus öfter kreist der Pleitegeier über der Gastronomie, bekanntere Adressen waren im vergangenen Jahr das „Dr. Thompson’s“ in den Schwanenhöfen und die „Fuchsjagd“ in Gerresheim.

Minimal schlechter geworden ist insgesamt die Zahlungsmoral: Düsseldorfer Unternehmen begleichen im Schnitt nach 16,4 Tagen ihre Rechnungen (2016: 16,3 Tage).

Beim Blick auf das neue Jahr sind die Konjunkturaussichten weiter heiter, dennoch warnt Edgar Roumen von Creditreform mit Blick auf die 373 Insolvenzen in 2017: „Eine Wirtschaft unter Volldampf schützt offensichtlich nicht vor der Zahlungsunfähigkeit. Wir raten daher allen Unternehmen, Außenstände durch professionelles Management zu minimieren, um Zahlungsausfälle zu vermeiden.“

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