Tonhalle: Widerstand gegen Privatisierung

Tonhalle: Widerstand gegen Privatisierung

Belegschaft lehnt Umwandlung vom Amt in eine GmbH ab — muss sich aber wohl fügen.

Für den Intendanten Michael Becker erfüllt sich ein seit Jahren gehegter Wunsch. Doch bei seinen Mitarbeitern kann davon keine Rede sein: Wie berichtet, soll die Tonhalle vom städtischen Amt in eine gemeinnützige (g)GmbH umgewandelt werden — und das sorgt für Ärger unter der Konzertsaal-Kuppel. Gestern Nachmittag traf sich dort die Belegschaft aus 36 festen und gut 150 „geringfügig Beschäftigten“ mit Becker, Kulturdezernent Hans-Georg Lohe und dem Personalrat — der nachher auch noch mit OB Geisel sprach. Doch die Fronten bleiben verhärtet.

Gleichwohl dürfte die Privatisierung der Tonhalle (das Orchester, die Düsseldorfer Symphoniker, sind davon nicht betroffen) zum 1. August beschlossene Sache sein, der Haupt- und Finanzausschuss segnete sie bei nur einer Gegenstimme (Die Linke) bereits ab, nächsten Donnerstag wird der Stadtrat die Sache wohl endgültig machen. 90 Prozent des Stammkapitals von 25 000 Euro soll die Stadt, 10 Prozent die Gesellschaft der Freunde und Förderer der Tonhalle halten.

„Ich kann darin absolut keinen Sinn erkennen“, sagt Robert Wollborn, Vorsitzende des Personalrates der Stadt, „es werden nur unnötige neue Schnittstellen geschaffen.“ Und teurer werde es auch für „Mutter“ Stadt, ihr Zuschussbedarf erhöhe sich um 407 000 Euro, rechnet er vor. Die Personalvertreter räumen zwar ein, dass der Übergang absolut sozialverträglich gestaltet werde, für die aktuellen Mitarbeiter greift in der Tat ein sehr weitgehender Bestandsschutz. Doch man fürchtet, dass später bei der Nachbesetzung von Stellen nicht mehr der Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes als Grundlage diene.

Stadtspitze und Intendanz versprechen sich von der neuen Rechtsform mehr „Beinfreiheit“ im Konzertgeschäft, mittels der man einfacher Top-Veranstaltungen (insbesondere Weltklasse-Orchester) akquirieren könne, zumal die Tonhalle in dieser Liga gegenüber der längst privatisierten Konkurrenz der Philharmonien in Köln oder Essen ins Hintertreffen geraten ist. Das „Amt Tonhalle“ schränke unternehmerisches Handeln zu sehr ein, heißt es, zudem könne man „privat“ besser Sponsoren einbinden.

Generell erhöhen will die Stadt die Zuschüsse für Tonhalle und Symphoniker (2018: 8,25 Millionen Euro) freilich nicht. Für Personalrat Wollborn ist daher alles nur Kosmetik: „Letztlich bleibt nur ein Argument übrig: Man will privatisieren, weil es alle machen.“

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