1. NRW
  2. Düsseldorf

Legendärer Reliquienschrein war in Düsseldorf

Wertvoller Schrein : Ein Hauch von Lourdes wehte in Lambertus

Viele Gläubige kamen, um den Schrein der Bernadette zu sehen. Die Heilige ist auch Mutmacherin in schweren Zeiten für die Kirche.

Kurz bevor die Gläubigen an den berühmten Schrein der Heiligen Bernadette vor dem Altar treten durften, nutzte Lambertus-Pfarrer Ulrich Hennes angesichts der sehr gut besuchten Basilika schnell die Gunst der Stunde: „Wir feiern hier übrigens jeden Morgen um 9.30 Uhr die Heilige Messe. Kommen Sie doch ruhig öfter mal vorbei“, sagte er, diese Zeit eigne sich gut zur geistigen Einkehr, „nach dem Frühstück und womöglich vor dem Erledigen von Einkäufen in der Stadt“. Aber natürlich war St. Lambertus am Dienstagmorgen so voll, weil ein ganz besonderer Anlass am Stiftsplatz gefeiert wurde: Ein Stückchen Lourdes war zu Besuch, genauer gesagt, ein Rippenknochen und ein paar Hautpartikel der Heiligen Bernadette Soubirous im Reliquienschrein.

Der befindet sich aktuell auf Tournee durch das Erzbistum Köln, um 8 Uhr in der Früh brachten ihn Malteser von Wesseling nach Düsseldorf. Um 9.30 Uhr begann die Festmesse, und wer nur gekommen war, um den Schrein zu betrachten oder vor ihm zu beten, der musste sich in Geduld üben. Denn die von Stadtdechant Hennes und seinem Stellvertreter Michael Dederichs (der die Predigt hielt) zelebrierte Messe dauerte mitsamt der Prozession durch die Kirche fast zwei Stunden.

Die meisten Besucher sind jenseits der 60, 90 Prozent Frauen

Gebete, Predigt, Gesänge und Eucharistiefeier: Dies alles war mehr als das „normale“ Ritual, es ergab einen besonderen Sinn. Denn es gehe eben nicht in erster Linie um den Schrein, um Maria und Bernadette oder um die heilenden Quellen von Lourdes, das machten Hennes und Dederichs mehrfach klar: Im Mittelpunkt stehe immer Jesus Christus. Genau damit habe Maria 1858 ja die 14-jährige Bernadette in der Felsengrotte Massabielle in den „Erscheinungen“ beauftragt: Zu den Priestern zu gehen und sie zu animieren, Kirchen zu bauen, zu beten und Eucharistie zu feiern, um Christus zu begegnen.

Tatsächlich hat man am Dienstagmorgen in Lambertus nicht den Eindruck, dass vor allem die (Aber-)Gläubigen mit Krankheit und Leid gekommen sind, um geheilt zu werden. So wie noch immer Hunderttausende jedes Jahr nach Lourdes pilgern. „Ich bin hier, weil ich neuen Mut fassen will, auch für mich, aber vor allem für unsere Welt mit so viel Unfrieden und Gewalt“, sagt Emmanuel di Sciacca, ein Ex-Fußballer aus Duisburg. Seine Mutter Maria hat er mitgenommen, auch sie sagt, dass es um „Hoffnung für die Welt“ geht. Ob sie an die Wunderheilungen von Lourdes glauben? „Ich weiß es nicht“, sagt Emmanuel, „aber unmöglich ist es nicht“.

Die meisten Besucher sind jenseits der 60, 90 Prozent Frauen. Viele machen Fotos mit ihren Handys am Schrein, manche knien zum Gebet auf den kleinen Polstern vor ihm nieder. Der Schrein selbst steht im Altarraum und ist mit Seilen abgeriegelt und mit einer Alarmanlage gesichert.

Umstritten war das Mädchen Bernadette schon zu Lebzeiten, die eigene Mutter soll die „Seherin von Lourdes“ als Lügnerin bezeichnet, der Pfarrer vor Ort und dann auch der Bischof sie skeptisch und streng verhört haben. Später dann nahmen Dichter wie Emile Zola oder Kurt Tucholsky die „kollektive Illusion“ (Zola) und den florierenden Kommerz von und um Wunderheilungen literarisch aufs Korn.

Wie viele medizinisch unerklärliche Heilungen es im französischen Wallfahrtsort an den Pyrenäen gegeben hat, weiß niemand genau, die Schätzungen reichen von 7000 bis 35 000. Offiziell anerkannt hat die Kirche jedenfalls 70, sagt Pfarrer Dederichs in seiner Ansprache.

Wenn sie eine Ikone wie die Bernadette feiert, dann macht sich die katholische Kirche natürlich auch selbst Mut. Kann man die in diesen Tagen so präsenten, furchtbaren Fälle von Kindesmißbrauch durch Geistliche ausblenden, wenn es um Heilige und Wunder geht? Nein, jedenfalls nicht komplett. Und so bitten die Düsseldorfer Pfarrer in Lambertus in ihren Fürbitten als erstes auch um Kraft für den Papst, den Kardinal in Köln und alle anderen, die Verantwortung tragen, die richtigen Entscheidungen zu treffen in diesen so schweren Zeiten für die Kirche.