Weltkunstzimmer - Kunst-Schau zu Mensch und Umwelt

Kunst: Düsseldorfer Weltkunstzimmer: Klingende Baumstämme und Papageien als Künstler

Die Kunst-Schau „Inside Ecologies“ soll ein neues ökologisches Verständnis vermitteln.

In diesem Rekordsommer warnten Klima-Experten vor einer verheerenden „Heißzeit“, manche Orte auf der Erde könnten unbewohnbar werden. Doch trotz zahlreicher Klimagipfel und Klimaverträge können sich die Staaten der Welt aus politischen und wirtschaftlichen Gründen auf kein gemeinsames Konzept zur Verminderung des Treibhauseffekts einigen. Das Weltkunstzimmer will mit der Ausstellung „Inside Ecologies“ ein neues Verständnis von Ökologie vermitteln. Mit Hilfe von Kunst. „Wir Menschen betrachten unsere Umwelt immer von außen, verstehen uns aber selten selbst als Bestandteil dieser Umwelt“, sagt Kuratorin Janine Blöß. Sie hinterfragt die anthropozäne Vorstellung vom Menschen als Herrscher über die Natur. Der Mensch müsse wieder lernen, sich in Kreisläufe der Natur einzubetten. Im Mittelpunkt der Kunstwerke stehen Interaktionen: zwischen Mensch und Natur oder Mensch und Tier. Damit geht es um das, was auch die Ökologie definiert: Interaktionen zwischen Menschen, Tieren, Pflanzen oder Robotern.

Richard Long erklärt die Wanderung zum Kunstwerk

Da finden sich Werke des britischen Künstlers Richard Long. Der 73-Jährige gilt als wichtiger Vertreter der Land Art, einem Genre, bei dem Künstler die Erde als Medium nutzen. Long hat sich darauf spezialisiert, die Welt zu durchwandern, zu fotografieren oder mit Texten zu dokumentieren. Er versteht die Wanderung selbst schon als Kunstwerk. Er bettet sich schreitend in die Umwelt ein. Aber auch bauend, wenn er aus Steinen oder Hölzern flüchtige Skulpturen schafft. Das Weltkunstzimmer präsentiert zwei große Fotografien, die Long auf einer Wanderung durch die irische Küstenlandschaft des Ring of Kerry aufgenommen hat. Beide Bilder hat er mit einem ironischen Kommentar versehen. Zu einer vom Atlantik umspülten Insel im Sonnenlicht schreibt er: „Die Erderwärmung scheint etwas Gutes zu haben“.

Diese fiktiven Landkarten aus Pappe hat das Künstler-Duo Hörner/Antlfinger zusammen mit Papageien geschaffen. Foto: Weltkunstzimmer. Foto: Weltkunstzimmer

Taka Kagitomi schafft einen Wald, den der Besucher zum Klingen bringen kann

Der japanische Künstler Taka Kagitomi hat aus Treibholz eine Rauminstallation geschaffen. Er nennt sie „The artist and the swinging wood“. Sie mutet an wie ein abgestorbener Wald. Doch Kagitomi hat das tote Holz mit Soundelementen versehen. Wer mit einem Ast auf die Baumstämme schlägt, bringt sie zum Klingen. Jedes Holzstück hat einen eigenen Ton, der Besucher kann ein experimentelles Percussion-Konzert spielen. Natur, Technik und Mensch geraten in kreative Interaktion.

Kunst-Duo arbeitet mit Papageien zusammen

Das Medienkunst-Duo Hörner/Antlfinger (Ute Hörner und Mathias Antlfinger) hat ein artenübergreifendes Kollektiv namens CMUK gegründet. Die Initialen stehen für Clara, Mathias, Ute und Karl. Clara und Karl sind afrikanische Graupapageien. Die Künstler überlassen ihnen Zeitungen oder Bücher, die sie dann zernagen und zerrupfen. Es entstehen Buchskulpturen, die aussehen, als wären sie angeschreddert worden. Die Papageien zelebrieren Kunst als Zerstörung und schaffen dadurch neue Objekte. Hörner und Antlfinger gestalten auch mit. Etwa wenn sie von den Vögeln zerpickte Pappen zu fiktiven Weltkarten collagieren. Über Virtual-Reality-Brillen kann man ins Atelier der Künstler eintauchen und erkunden, wie sie mit den Papageien zusammenarbeiten. Die Rauminstallation aus Schauvitrinen, Wandteppichen und Collagen sieht zwar aus wie Kraut und Rüben. Reizvoll ist aber die Idee, Tiere in kreative Prozesse miteinzubeziehen.

Eine komplexe und sinnliche Ausstellung, bei der man das klassische ökologische Prinzip nachempfinden kann, dass alles miteinander verbunden ist.

Info: Die Ausstellung „Inside Ecologies - Umwelt als Interaktion“ läuft bis zum 4. November im Weltkunstzimmer. Adresse: Ronsdorfer Str. 77a, Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag, 14-18 Uhr, Eintritt frei.

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