Nikita Mndoyants spielte ein Konzert im Düsseldorfer Schumann-Saal

Konzert: Ist Nikita Mndoyants der nächste Klavier-Star?

Der Nachwuchs-Pianist und Steinway-Preisträger spielte in der Reihe „Junge Talente“ — und brillierte mit seinem Können.

Nikita Mndoyants war einst eins von vielen Talenten, die sich durch die harten russischen Klavierschulen gekämpft und am berühmten Moskauer Konservatorium ihren Abschluss gemacht haben. Der 29-jährige Pianist ist heute einer der wenigen Russen, die sich schließlich durchsetzen konnten — und allmählich eine internationale Karriere aufbauen. Nach seinem ersten Platz bei der Cleveland International Piano Competition 2016 gehört er zu einer Gruppe von Wettbewerbs-Siegern, die jetzt durch die Republik touren. Im Rahmen des internationalen „Steinway Prizewinner Concerts Network“ präsentieren sie ihr Können, in Kooperation mit der Heinersdorff Konzertagentur, an vier Abenden — auch im Robert-Schumann-Saal.

Mndoyants wirkt konzentriert, aber auch schüchtern

Zur Reihe „Junge Talente“, bei dem Klavierfreunde schon mal große Namen von morgen entdecken können, machte Nikita Mndoyants höchstpersönlich den Auftakt — und zwar mit einem anspruchsvollen Programm mit Sonaten von Haydn, Beethoven und Brahms. Und einem kleinen neutönenden „Intermezzo“ von knapp vier Minuten aus eigener Feder.

Ruhig, konzentriert, aber auch ein wenig unterkühlt und schüchtern wirkt Nikita, wenn er am Steinway-Klavier Platz nimmt. Obwohl der in sich gekehrte Russe bereits Feuerproben in großen Sälen wie der New Yorker Carnegie-Hall bestanden hat, ist er nicht der Typ strahlender Stürmer und Dränger. Nikita ist, trotz aller Routine und manueller Tasten-Bravour, eher ein nachdenklicher Interpret, der nicht drauflos spielt, noch weniger drauflos donnert. Manchmal kommt er gar als zögerlicher Sucher nach einer zeitgemäßen Deutung über die Rampe. Und nimmt in Kauf, dass nach seinem letzten, kontrollierten Akkord nicht gleich stürmischer Jubel losbricht, sondern anerkennender Applaus einsetzt.

Bei Haydns E-Dur-Sonate (Hob. Verzeichnis XVI:31) liebt er das spielerische Element, das Huschen über die Tasten genauso wie die leisen, summenden Momente, in denen er seine Stärken zeigen kann: lyrische Balancen und Ausdruck erzielt er mit gezügeltem Temperament und mit behutsamem Anschlag. Und die Forte-Passagen: Sie klingen glasklar, aber nie unangenehm laut. Auch nicht in Beethovens letzter Sonate in c-Moll (opus 111), die Nikita Mndoyants zunächst mächtig und mit erhabenem Gestus beginnt.

Im ersten Satz kämpft er sich durch das Diesseits, betont die dunklen Farben und mächtigen Akkorde, dann aber lässt er es funkeln, kurz auch mal donnern, entfaltet eine aufblühende Pracht. Im zweiten Satz, dem Arietta, beschreibt er mit einem wundersam leisen Abschieds-Gesang das Jenseits. Hier gibt es nur wenige Aufhellungen, angereichert mit jazzähnlichen schwingenden Passagen. Bei Brahms’ dritter Sonate (f-Moll) betont Mndoyants in den großflächigen Passagen noch einmal das Bild eines vorsichtigen Interpreten: Sattes, aber nicht knallendes Forte, brillante Verzierungen und romantische Innigkeit, besonders im Andante.

Dass er, wenn es drauf ankommt, auch zupacken und brillieren kann, beweist er im tänzerisch-federnden und aufschwingenden Scherzo. Beschleunigte Tempi und elektrisierende Dynamik – all’ das, was man in diesem Satz erwartet, bietet er, ohne zum Prahlhans zu mutieren.

Nächstes Konzert „Junge Talente“: Fabian Müller (2. Preis ARD-Wettbewerb 2017): 31. Januar, Robert-Schumann-Saal.

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