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Quadriennale: Aus Kunst wird Schnaps

Quadriennale: Aus Kunst wird Schnaps

Im Museum Kunstpalast wurde der Rest von Beuys’ Fettecke zu Alkohol verarbeitet.

Düsseldorf. Die Mischung aus Unterhaltung, Aktionskunst, Essen und Trinken in der ersten Performance-Nacht zur Quadriennale war so recht nach dem Geschmack der Düsseldorfer. Hier war weniger Tiefsinn als Spaß gefordert.

Suppenkoch Martin Svitek war der Held des Abends, der den Gästen einen klassischen Eintopf mit Zwiebeln, Knofi, Tomatenmark und Kartoffeln unter freiem Himmel im Ehrenhof zubereitete. Er wählte die Zutaten aus jenem optisch einprägsamen Mandalamotiv aus, das Stephanie Senge ihm ausschließlich mit Düsseldorf-Produkten kredenzt hatte. Eine große Schar freiwilliger Helferinnen schälte eine geschlagene Stunde lang Kartoffeln und Gemüse für die Suppe.

Die Kunst der Performance hat sich ausgerechnet in der Stadt von Joseph Beuys und seinen politisch motivierten Aktionen nie richtig durchgesetzt. In der aktuellen Düsseldorfer Szene gibt es keine große Persönlichkeit im Stil der Marina Abramovic und ihren Körperobsessionen. Vielleicht ist es deshalb so typisch, dass gerade der alternative Küchenchef einen solchen Zulauf hatte. Aus Salat, Banane, Apfel, Mangold, Kohlrabiblättern und Zitronensaft mixte er jenes Ganzfruchtgetränk, dessen grüne Farbe ein großer Augenschmaus war, während die „Smoothies“ auf der Zunge doch recht fade schmeckten.

Anregender ging es im Museum Kunstpalast zu. Dort wollte der Hausherr Beat Wismer partout ein Kunstwerk in Schnaps verwandeln, passend zu seiner Ausstellung Alchemie und Kunst. Er hatte Glück, denn Johannes Stüttgen, Meisterbiograph von Beuys, besaß doch tatsächlich die Reste jener 1986 zerstörten Fettecke. Er hatte sie aus dem Mülleimer der Kunstakademie hervorgeholt und bei sich zu Hause gelagert. Die Butterklumpen schenkte er jetzt für die Aktion dem Publikum. Im Foyer des Kunstpalastes stand dafür eine alte Apothekerdestille bereit, um die ranzige Butter mit Alkohol und Wasser zu verarbeiten.

Vor den Zuschauern wurde alles bei 70 Grad erhitzt. Der Alkohol stieg auf, wurde abgekühlt und tropfte in ein Gefäß. Dieses Destillat aus den „Resten einer staatlich zerstörten Fettecke“, wie Beat Wismer es nannte, konnten die Besucher trinken.

Der Künstler Heinz Baumüller, der einst als Student mit Stüttgen die Fettreste fand, erzählte den Zuhörern dazu die Geschichte aus dem Jahr 1986. Zugleich probierte er das hochprozentige Gesöff und fand es „überraschend gut, eine Mischung aus ranziger Butter und Alkohol“.

Es gab auch eine echte Performance im KIT. Colette Sadler, Tänzerin und Choreographin aus Berlin, hatte sich ein drittes Bein und einen dritten Arm aus Prothesen um den Körper geschnürt und präsentierte nun ein absurdes Spiel zwischen echten und künstlichen Gliedern. Diese Darbietung war der Höhepunkt des Abends.