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Das Leben nach der Kunstakademie

Das Leben nach der Kunstakademie

Die WZ fragte die neuen Diplom-Künstler beim Sommerrundgang nach ihren Zukunftsaussichten.

Düsseldorf. Normalerweise planen die Menschen ihr Leben, so gut es geht. Vor allem nach einem Studium wissen sie in der Regel genau, wohin der Weg sie führen wird. Ein Medizinstudent wird Arzt, ein Jurastudent geht in die Wirtschaft, in eine Kanzlei oder versucht sein Glück beim Staat. Ein Musikstudent wird Kantor, Sänger, Konzertpianist.

Das Leben nach der Kunstakademie
Foto: Sergej Lepke

Nicht so die Absolventen der Kunstakademie. Diese diplomierten Jungkünstler gehen mit einer erstaunlichen Naivität in ihr Leben nach der Akademie. Sie verlassen ihr warmes Nest, den Treffpunkt mit Freunden, die Werkstätten, die Cafeteria. Noch nicht einmal jetzt, wenn sie ihr Diplom haben, wissen sie wohin. 43 junge Leute machen soeben Abschluss und zeigen ihre Ergebnisse beim Sommerrundgang.

Mercedes Neuß war mit ihren Skulpturen bei den letzten Winterrundgängen immer für eine Überraschung gut. Nun verabschiedet sich mit einer fliegenden oder schwimmenden Galionsfigur, die die Augen geschlossen hat. Was sie zukünftig machen werde, wollten wir wissen. Die Antwort ist entwaffnend: „Ich weiß noch gar nichts. Ich habe keinen Plan. Ich habe alles weggeschoben bis zur Prüfung.“ Ein Atelier? Fehlanzeige. Stattdessen sagt sie: „Ich darf ja noch drei Monate lang in der Akademie weiterarbeiten und so tun, als ob nichts gewesen ist.“

Ihr Kommilitone Marius Wübbeling reagiert ähnlich. „Ich hoffe, dass ich als Künstler bestehen kann. Aber ich weiß, dass ich es als Bildhauer schwer habe.“ Er jobbt im Garten- und Landschaftsbau, ein beliebter Job, den auch andere absolvieren, um anschließend den Kopf für ihre ach so freie Kunst freizuhaben.

Manche Sturköpfe unter den Bildhauern bleiben jede Antwort schuldig. Die Japanerin Marie Ogoshi weiß nur eins: „Ich habe hier meinen Freund, ich bleibe in Düsseldorf. Ich arbeite raumbezogen, und Räume kann ich nicht verkaufen. Ich habe die Zukunft nur bis zum Rundgang geplant. Bis hierhin und nicht weiter. Und jetzt gucke ich mal, wie es weitergeht.“

Insgeheim aber schielen sie nach der einen Erfolgsklasse, die der angehende Bildhauer Oliver Blumek beklagt: „In unseren Klassenraum werfen die Galeristen keinen Blick. Die gehen gleich zur Gursky-Klasse.“

In der Tat, in Raum 123 reichen sich Galeristen wie Kunsthallenchef Gregor Jansen die Hand. Moritz Wegwerth hält Hof. Er gehörte zur Gruppe, die Helge Achenbach nach Lanzarote und Brasilien eingeladen hat. Entfällt nun der Ernährer? „Ich habe Helge viel zu verdanken. Ich habe ihn sehr gemocht“, sagt er. Wegwerth ist Stipendiat der Best-Stiftung und hat ein Atelier.

Einige Studenten haben einen Galeristen. Der Düsseldorfer Max Mayer etwa präsentiert die Medienkünstler Henning Fehr und Philipp Rühr. Diese erklären allerdings: „Mit Videokunst ist kein Geld zu verdienen“ — und machen einfach weiter.