Junge und Alte unter einem Dach

Junge und Alte unter einem Dach

Neue Wohnformen für Singles, Senioren und Familien wurden in der VHS präsentiert. Trotz vieler Vorteile hegen junge Menschen Zweifel.

Die Stadt hat am Sonntag in Kooperation mit Initiativen, Baugemeinschaften und Wohngruppen das Forum „Neue Wohnformen“ abgehalten. Dabei hatten die Gruppen und Initiativen die Möglichkeit, den Bürgern ihre unterschiedlichen Konzepte vorzustellen. Es ging um Wohnpaare, die generationenübergreifende Gemeinschaften unter einem Dach bilden — Alt und Jung, Singles, Paare und Familien unter einem Dach. Günstiger Wohnraum ist in Düsseldorf immer noch ein knappes Gut. Thomas Nowatius vom Wohnungsamt zählt die Projekte auf: „Es gibt Wohngruppen und Baugemeinschaften. Die Wohngruppen beziehen ein Mietshaus, dabei ist das Alter der Mieter unterschiedlich. Dann gibt es noch Baugemeinschaften, die sich im Kollektiv ein Haus bauen.“ Die Stadt Düsseldorf unterstütze diese Wohngemeinschaften mit Grundstücken, helfe auch bei der Moderation.“

So werden etwa Studierende mit Rentnern unter ein Dach gebracht. Ein alleinlebender Rentner mit einem großen Haus kann dann etwa einem jungen Studierenden oder Auszubildenden bei sich aufnehmen. „Der Jüngere benötigt während seiner Ausbildung einen bezahlbaren Wohnraum und kann dem älteren Bewohner im Gegenzug mit Einkäufen, Besorgungen oder im Garten helfen“, sagt Nowatius.

Eines dieser Projekte ist das „Wohnen in Gemeinschaften“. Das Motto des Vereins ist „Einer allein kann kein Dach tragen“. Mitglied Brigitte Müller beschreibt die Motive hinter der Arbeit des Vereins: „Wir arbeiten seit fünf Jahren an der Idee, dass ältere Menschen in altersgerechten Wohnungen im eigenen Viertel leben sollen. Häufig merken wir in Derendorf, Golzheim und Pempelfort, dass Rentner und Senioren in Wohnsituationen leben, die nicht altersgerecht sind.“ Dazu sollen auch jüngere Menschen, auch gerne Familien, motiviert werden. Ziel sei das gemeinschaftliche Wohnen und das beinhaltet gemeinsame Freizeitaktivitäten, kulturelle Veranstaltungen und die gegenseitige Unterstützung.

Außerdem mit dabei waren Finanzinstitute wie die GLS Bank. Sie finanziert vornehmlich Bereiche wie die ökologische Landwirtschaft, Gemeinschaftswohn- und Bildungsprojekte sowie erneuerbare Energien. Wirbt damit, Wohnraum zu bezahlbaren Mieten zu schaffen, wie Bankmitarbeiter Benedikt Altrogge betont.

Einige der jüngeren Besucher stehen der Grundidee der Wohngruppen und Baugemeinschaften positiv gegenüber, sehen aber in der Realisierung Probleme bei der Finanzierung der Projekte. Einer von ihnen ist Tim Hübner (33): „Ich finde, das Mehrgenerationenwohnen ist eine willkommene Alternative zu klassischen Wohnsituationen. Ganz so günstig ist es dann aber doch nicht, wenn man von bis zu neun Euro pro Quadratmeter spricht. Damit ist es meiner Meinung nach keine Option für die breite Masse der Gesellschaft, sondern eher für eine Minderheit der Besserverdiener.“ Auch die langen Planungsphasen, oftmals bis zu sechs Jahre, würden vor allem die Jüngeren verschrecken.

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