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Glasmacherviertel: Baustart nicht vor Sommer 2021

Stadtplanung : Glasmacherviertel: Baustart nicht vor Sommer 2021

Die Politik gibt grünes Licht, der letzte Bewohner wird wohl dennoch erst im übernächsten Jahrzehnt einziehen.

Es ist das größte Bauprojekt für Wohnungen in Düsseldorf. Und es ist auch das, auf welches die Düsseldorfer am längsten warten müssen. Das Werkstattverfahren war 2008 abgeschlossen worden, nachdem die Glashütte in Gerresheim 2005 ihren Betrieb eingestellt hatte. Doch bis heute ist Geduld gefragt. Frühestens im Sommer 2021 könnten die Bauarbeiten für das Glasmacherviertel beginnen, zwei Jahre später erste Bewohner einziehen, wie Ulrich Tappe, Projektentwickler für Miteigentümer Brack Capital, unserer Redaktion sagt. Pro Jahr sollen rund 200 Wohnungen entwickelt werden, so dass die letzten Bewohner weitere zehn Jahre später einziehen könnten. Also im Jahr 2033.

Immerhin segnete der Planungsausschuss am Donnerstag den städtebaulichen Masterplan ab und beauftragte die Verwaltung, das Bebauungsplanverfahren auf dieser Grundlage voranzutreiben. Die Stadt hofft, vor den Sommerferien die Öffentlichkeitsbeteiligung durchführen zu können. Vertreter von SPD, Grünen und FDP betonten, wie wichtig der Beschluss sei, um nicht weitere Zeit verstreichen zu lassen. Tappe sagt das ähnlich, er hoffe auf einen Ratsbeschluss im Herbst, so dass erste Bauanträge, die parallel vorbereitet würden, gestellt werden können.

Das Projekt war zuletzt noch einmal in die Schlagzeilen geraten, da mit gewaltigen Summen jongliert wurde. Rund 120 Millionen Euro hatte Brack Capital Properties an den Vorbesitzer Patrizia Immobilien AG gezahlt. Nun veräußerte die Adler Real Estate AG mit ihrer Tochter Brack Capital 75 Prozent der Projektentwicklungsgesellschaft für das Glasmacherviertel an private Investoren: für 375 Millionen Euro. Politiker und Bürger fürchteten höhere Preise für die freifinanzierten Wohnungen und eine erneute Verzögerung des Projekts. Es kamen sogar Zweifel auf, ob Brack Capital wirklich bauen wolle.

Die CDU sieht das als „Negativ-Beispiel für Spekulationen auf dem Immobilienmarkt“. Mit ihrem Antrag wollte sie den Bebauungsplanentwurf überarbeiten lassen und auf die ursprüngliche Planung von 380 Wohnungen und 220 Eigenheimen und Reihenhäusern, die 2008 mit den Bürgern erarbeitet worden war, zurück. Das lehnten die anderen Parteien ab, mit den Begründungen, dass die Bezirksvertretung vor Ort den Masterplan abgesegnet hatte, der Investor nun nicht mehr aus der Verantwortung gelassen werden solle, eine urbane Bebauung auf der ehemaligen Industriefläche passend sei und das Quartier vom Zuzug profitieren werde.

Bei Tappe werden da anscheinend offene Türen eingerannt. Er widerspricht den Kritikern: „Der Zeitplan hat sich nicht verändert, wir bleiben Projektentwickler, und das bis zum Schluss. Auch die Ökonomie bleibt gleich.“  Heißt: Von der Stadt vorgegeben sind 40 Prozent sozial geförderter und preisgedämpfter Wohnraum. 60 Prozent von 1500 Wohnungen (200 weitere sind auf dem städtischen Gelände geplant) sollen verkauft werden. Tappe: „Hier regelt der Markt die Preise. Gerresheim ist nicht Oberkassel.“ Er verweist auf das Projekt in Grafental, das er in führender Rolle entwickelt, wo die Kaufpreise bei 5800 Euro pro Quadratmeter lägen. Zudem habe man in Gerresheim nicht früher starten können, da die Patrizia bis 2018 sanieren musste. Planungsdezernentin Cornelia Zuschke führte allerdings aus, das die Verkäufe des Geländes im Jahr 2012 von Owens Illinois an die Patrizia und 2018 weiter an Brack Capital sehr wohl mit Umplanungen und Verzögerungen einher gingen.

Kleine Veränderungen gibt es bei den Details der Planung. Um den Turm mit dem großen „G“ herum wird Raum gelassen. Er soll als Markenzeichen des Geländes wirken. Hier werden die Projektentwickler selbst einziehen, unten soll es Gastronomie geben. Hier arbeitet Tappes Team bereits am Bauantrag.

Auch für die weiteren Denkmäler gibt es Pläne. Ins Kesselhaus soll eine von mehreren Kitas ziehen, die Turbinenhalle soll Gastronomie und Eventfläche bieten. Laut Tappe sollen zehn Prozent mehr Wohnraum realisiert werden. So habe man die Blöcke zum Teil geschlossen, was die CDU kritisierte, „um mehr Privatheit zu erreichen, aber auch effizienter mit weniger Außenwänden bauen zu können“. Auch die Lärmschutzwand an der südlichen Grenze zur neuen Straße und den Gleisen will Tappe nicht. Mit Glasfugen will er Räume zwischen den Gebäuden schließen und die Aufenthaltsräume in den Wohnungen zum Innenhof ausrichten. Auch eine Grundschule soll im Süden gebaut werden, neben einem Gewerberiegel in der Nähe zum Bahnhof, davor ein Marktplatz.

Zuerst entwickelt werden soll der mittlere Teil des Areals, der im Osten an die Heyestraße grenzt. Nördlich anschließen soll ein Quartiersplatz mit Wohnungen, aber auch Einzelhandel zur Ecke Morper Straße, Heyestraße. Diesem urbanen Areal wird ein Gebiet mit „Vorortcharakter“, wie Tappe sagt, im Westen mit großem Park in der Mitte gegenübergestellt.