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Meinung: „Frei.Wild“ in Düsseldorf: Es geht nicht um Zensur, sondern um das Signal einer Stadt

Meinung : „Frei.Wild“ in Düsseldorf: Es geht nicht um Zensur, sondern um das Signal einer Stadt

Die städtische Tochter DCSE hat den Dome für den 27. April an die Rockgruppe vermietet, die wegen rechter Tendenzen umstritten ist. Ein Kommentar von Christian Herrendorf.

Der neue Slogan der Stadt heißt „Nähe trifft Freiheit“. Er nennt zwei wesentliche Stärken Düsseldorfs und sendet ein gutes Signal in die Welt. Dass die Rockgruppe „Frei.Wild“ hier auftritt, verdient eher den Slogan „Faust trifft Magengrube“.

Selbst wenn man alles zusammennimmt, was man der Gruppe „Frei.Wild“ irgendwie zugutehalten könnte, kommt man zu folgendem Ergebnis: Die Band arbeitet mit nationalistischen Anspielungen, die Mitglieder lassen bewusst jede Möglichkeit aus, sich vom rechten Spektrum zu distanzieren, und stilisieren sich stattdessen lieber als Opfer. Die Band nimmt sehenden Auges in Kauf, dass größere Teile ihres Publikums eine rechte Neigung haben. Das ist Rechtspopulismus. Hier wird mit Fremdenfeindlichkeit und Ressentiments eben kein politisches Kapital, sondern schnöde und einfach Geld gemacht.

(Christian Herrendorf).

Wer mit solch schlechter menschlicher Neigung nichts zu tun haben möchte, gefährdet damit noch keine Grundrechte. Es geht an dieser Stelle nicht darum, die Meinungs- oder die Kunstfreiheit einzuschränken. Die Gruppe „Frei.Wild“ darf ihre Musik auf Alben anbieten und versuchen, Mehrzweckhallen für ihre Einzweckkonzerte zu finden — solange sie nicht gegen Gesetze verstößt. Und das wird sie ganz sicher nicht tun, weil Texte und Auftritte natürlich sehr genau kalkuliert und juristisch fachkundig begleitet sind.


Es kommt in diesem Zusammenhang darauf an, wie der einzelne Unternehmer, der Besitzer eines Musikfachgeschäfts ebenso wie der Konzertveranstalter, damit umgeht, ob er bei diesem perfiden Spiel des Umsatzmachens gerne beteiligt sein möchte.

An dieser Stelle kehrt die Stadt zurück ins Spiel. Sie hat sicherlich ein berechtigtes Interesse, dass ihre vier Hallen gut ausgelastet sind. Und es ist erfreulich zu sehen, dass ihr neuer Geschäftsführer den Eindruck macht, als sei er in der Branche so gut vernetzt, dass er die Zahlen merklich verbessern kann. Aber die Stadt und ihre Tochter sind eben nicht nur Unternehmen, sondern immer auch Botschafter.

Die aktuelle Botschaft ist der Internetseite des Domes zu entnehmen. In der Ankündigung des Konzerts steht kein Wort zur Musik, sondern folgendes: „Die Rückkehr aus ihrer Pause ist mit dem erfolgreichsten Ticketvorverkauf der Bandgeschichte verknüpft: Bereits am ersten Wochenende wurden über 40 000 Tickets verkauft.“

In der Düsseldorfer Gesellschaft und der Politik plädieren viele dafür, nicht gegen das Konzert zu protestieren, um der Band keine Aufmerksamkeit zu geben. Dieser Gedanke hat viel für sich — solange man in der Gesellschaft oder der Politik ist. Wenn man aber für den Auftritt einer Stadt mitverantwortlich ist, geht das nicht. Und das Ganze ist übrigens auch keine Geschmacksfrage. Wäre es das, dürfte „Frei.Wild“ erst recht keine städtische Halle kriegen.