Ein Leben für die größten Raubtiere der Welt

Ein Leben für die größten Raubtiere der Welt

Seit über 15 Jahren kümmert sich Andrea Steffen um den Schutz von Pottwalen.

Als sie das erste Mal neben einem Pottwal schwamm und dessen Klicklaute, die Echoortung der Säuger, „bis ins Mark“ spürte, war es um Andrea Steffen geschehen. „Ich war wie gelähmt vor Faszination“, schwärmt sie. „In diesem Moment wusste ich: Das ist es, das wird mein Leben.“

Inzwischen setzt sich die Düsseldorferin seit mehr als 15 Jahren für den Schutz der Meeressäuger ein, reist etwa zwei Mal im Jahr in die Karibik. Speziell eine Gruppe vor der Inselrepublik Dominica, wo sie im Urlaub auch ihre ersten Pottwale beobachtete, hat es ihr angetan. Dort forscht sie und versucht vor allem, die Bevölkerung für die Tiere zu sensibilisieren.

„Schon als Kind habe ich mich immer zum Meer hingezogen gefühlt“, erzählt sie. Im Familienurlaub habe sie stets begeistert geschnorchelt, als Jugendliche dann Tauchkurse gemacht. Bis heute fasziniert sie das Meer, erzählt die 53-Jährige. Für die Gesellschaft zur Rettung der Delfine, bei der auch ihr Projekt läuft, setzt sie sich seit rund 20 Jahren ein. Vor allem die Bevölkerung von Dominica wolle sie für die Meeressäuger interessieren. „Obwohl die Insel so klein ist, haben viele Menschen im Landesinneren noch nie das Meer gesehen, geschweige denn von Pottwalen gehört“, erzählt Steffen. Deswegen habe das Land bei der Internationalen Walfangkommission über Jahre hinweg für den Walfang gestimmt. Japan würde diese Stimmen von armen Ländern erkaufen, erklärt sie. Ihr größtes Ziel war daher, dass Dominica nicht mehr für den Walfang stimmt.

Im Jahre 2003 reiste sie zur Kommission nach Berlin, um mit Ministern des Landes zu sprechen und sie von ihrem Vorhaben abzubringen. Das Resultat: Steffen bekam ein Einreiseverbot. „Kurz darauf rief mich ein Bekannter aus Dominica an und erzählte, dass diese Aktion ziemlich hohe Wellen geschlagen habe.“ Einreisen konnte Steffen stets ohne Probleme. Fünf Jahre später enthielt sich Dominica erstmals in der Kommission, stimmt seitdem nicht mehr für den Walfang.

„Wir waren vollkommen überrascht, haben erst mal die Sektkorken knallen lassen“, erzählt sie begeistert. Rund 100 000 Euro hat Steffen, die als Steuerberaterin in Niederkassel arbeitet, zusammen mit ihrem Mann Wilfried inzwischen in das Projekt investiert.

In ihrer Pottwalschutzstation in Dominica werden regelmäßig Schulklassen eingeladen, die über die Tiere aufgeklärt werden. Nach etwas Theorie am einzigen vollständig montierten Pottwalskelett der Karibik fahren die Schulklassen dann zur Walbeobachtung auf das Meer.

Freunde seien stolz auf sie, halten Steffen aber teilweise auch für verrückt. „Wenn ich gefragt werde, ob wir Kinder haben, antworte ich: Ja, etwa 30 000 — so viele Pottwale gibt es ungefähr.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung