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Ein Egomane geht auf der Bühne auf Weltreise

Ein Egomane geht auf der Bühne auf Weltreise

Die Darsteller des Seniorentheaters überzeugen in der neuen Produktion „Peer Gynt“ mit wunderbarem Spielwitz.

Auch vor 150 Jahren gab es viele Menschen, die sich zu Höherem berufen fühlten. Die mehr aus sich machen, sich selbst optimieren wollten. Peer Gynt aus dem gleichnamigen Stück des Norwegers Henrik Ibsen ist genau so jemand. „Das ganze Dorf wird mir zu Füßen lügen“, posaunt er heraus. Von den anderen Bewohnern wird er allerdings lediglich als Angeber, Großmaul und Lügner beschimpft. Er wird in Schlägereien verwickelt, raubt eine Braut an ihrem Hochzeitstag und wird schließlich für vogelfrei erklärt.

Das Seniorentheater Seta hat sich dem Stoff in seiner neuen Produktion nun angenommen, beschränkt sich dabei aber auf die wichtigsten Lebensstationen Peer Gynts. Und so geht es, nachdem er vogelfrei aus dem Dorf geflohen ist, im Zeitraffer durch mehrere Jahrzehnte. Der Titelheld wird dabei von sechs unterschiedlichen Darstellern verkörpert, um das voranschreitende Lebensalter Gynts abzubilden. Das mag beim ersten Darstellerwechsel noch etwas verwirren, entpuppt sich aber als guter Einfall.

In wechselnden Szenen ist Gynt mal als zwielichtiger Geschäftsmann in Marokko, mal als Beduinenhäuptling und Prophet in der Wüste oder als Schiffbrüchiger auf hoher See zu sehen. Um die sehr unterschiedlichen Szenerien darzustellen, arbeitet die Produktion mit Videosequenzen, die auf weiße Leinwände projiziert werden.

Das mag technisch nicht unglaublich ausgereift sein, reicht aber allemal, um den Szene eine stimmige visuelle Komponente beizufügen. Abwechslungsreiche Musik, mal jazzig, mal volkstümlich, mal orientalisch, reichern das unstetige Leben von Gynt an.

Als gebrochener Mann kehrt der einstige Egomane schließlich ins Dorf zurück. „Das Leben ist so glatt wie ein Aal“, stellt er fest. „Versucht man es festzuhalten, schlüpft es durch die Finger.“ Sein Wunsch, Kaiser der Welt zu werden, ging nicht in Erfüllung. Und doch hat das Ende seiner Lebensreise, die in der Inszenierung von Kathrin Sievers nach eineinhalb Stunden abschließt, etwas tröstend-versöhnliches.

Für das 22 Mitglieder starke Seta-Ensemble gibt es bei der Premiere am Mittwochabend minutenlangen Beifall von den ausverkauften Rängen im FFT Juta. Expressiv und mit Spielwitz überzeugen die Laiendarsteller zwischen 63 und 91 — da kann man locker über einige Texthänger hinwegsehen.

Ob als bauchfreitanzende Wüstenversuchung oder als liebestolle Sennerinnen, die den mit seiner Potenz prahlenden Gynt verführen — man merkt, das hier gestandene Persönlichkeiten auf der Bühne stehen, die aufgrund ihres gereiften Alters frei aufspielen können. Es ist gerade dieser Umstand, der auch die neueste Produktion des 1989 in Düsseldorf gegründeten Seniorentheaters zu einem kurzweiligen Sehvergnügen für das Publikum macht.

Die Produktion ist heute und morgen Abend, jeweils um 20 Uhr, und am Sonntag um 15 Uhr im FFT Juta, Kasernenstraße 6, zu sehen.