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Beim Friseur müssen Frauen immer noch mehr bezahlen als Männer

Friseure : Beim Friseur müssen Frauen immer noch mehr bezahlen als Männer

So mancher Friseur begründet das mit dem höheren Aufwand. Doch das ist nicht der einzige Grund.

Waschen, schneiden, föhnen - das ist wohl eine der häufigsten Leistungen, die Friseure täglich an den Kunden bringen. Doch was nachher dafür bezahlt werden muss, hängt häufig immer noch vom Geschlecht des Kunden ab. Eine Studie, die Ende 2017 von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes in Auftrag gegeben wurde zeigt: Für einen Kurzhaarschnitt zahlen Frauen im Durchschnitt 55 Prozent mehr als Männer. Und das, obwohl sich bei aktuellen Frisurentrends nicht mehr unbedingt nur mit dem Aufwand argumentieren lässt. In Düsseldorf ist die Lage ähnlich. Eine nicht-repräsentative Stichprobe ergibt: Bei den meisten Friseuren, wird noch ein Unterschied zwischen Männlein und Weiblein gemacht - im Durchschnitt liegt der bei etwa 15 Euro. Und dennoch handhaben die Salons ihre Preisgestaltung sehr unterschiedlich. Denn es gibt auch in Düsseldorf sowohl Unisex-Friseure, die den Preis eher nach Haarlänge anpassen, welche, bei denen der Unterschied nur sehr klein ist und welche, wo Frauen fast das doppelte zahlen, als Männer.

Beim Friseur „Engel und Helden“ in Oberbilk ist der Unterschied ein kleiner - 32 zu 31 Euro, gerade einmal einen Euro verlangt Inhaberin Jennifer Brahm von Frauen mehr als von Männern. „In dem Preis ist die Beratung und der Schnitt enthalten. Wir gehen dabei von 30 Minuten insgesamt aus“, sagt sie. Bei der Beratung gebe es durchaus einen Unterschied, was Frau und Mann angeht. Männer seien häufig weniger spezifisch, was die Wünsche angeht. Bei Frauen müssen Brahm und ihre Mitarbeiter oft mehr Zeit einrechnen - Steht mir das? Ist das nicht doch zu kurz? Und soll ich mal einen Pony versuchen? Da gebe es häufig viele Fragen zu klären.

Unterschiede gebe es dann aber auch beim Schnitt selbst. „Mit der Haarschneidemaschine bin ich bei Männern einfach viel schneller fertig“, sagt die Inhaberin. Bei Frauen gebe es wesentlich mehr Techniken, die oft auch komplizierter seien. Und: Das genannte Angebot gilt nur, wenn Frau die Haare selbst föhnt. Denn vom Profi föhnen lassen sei mit viel Aufwand verbunden. „Richtig gut gemacht, dauert das allein schon eine halbe Stunde“, sagt Brahm. Bei Männern gebe es diesen Aufwand nicht in dem Maß.

Einen anderen Grund dafür, dass Frauen mehr bezahlen als Männer, weiß auch Friseur Horst Stephany, der einen Salon an der Hohe Straße betreibt. „Frauen sind einfach auch eher bereit, mehr zu bezahlen als Männer“, sagt er. Er denkt, das ist historisch gewachsen. In den 50er und 60er Jahren hätten Frauen oft sehr aufwendige Frisuren getragen - Männer hingegen nur standardisierte. Erst später wurden die Wünsche der Männer individueller.

Die Preise der Männer aber auf das Niveau der Frauen anzuheben, das traue sich der Friseurmeister nicht. Für einen Haarschnitt beim Chef persönlich bezahlen Frauen bei ihm 57 Euro, Männer nur 39. Viele Herren schluckten schon bei 39 Euro - noch mehr würden sie wohl nicht ausgeben wollen, vermutet Stephany. „Da gibt es auch einfach zu viele Mitbewerber“, sagt er. Die Kunden gingen dann eben zu einem anderen Friseur. Der Aufwand der bei Herrenhaarschnitten geringer sei als bei Damenhaarschnitten, spiele natürlich auch mit rein. Obwohl der Friseur zugibt: Kurzhaarschnitte an Frauenköpfen seien nicht mehr wesentlich aufwendiger. Den Damenpreis müssen sie aber trotzdem bezahlen. „Ich gebe zu, dass das nicht gerecht ist“, sagt er.

Er sieht einen Trend: Immer mehr sogenannte Barbershops eröffnen auch in Düsseldorf. Dort geht es sowohl um Haarschnitte, als auch um die Bartpflege der Herren. Und hier stelle er fest, dass Männer wohl immer mehr bereit sind, Geld für ihre Haarpflege auszugeben. Vielleicht werde in Zukunft auch die Preisgestaltung bei so manchem Friseur angepasst.