Der leergefegte Fachkräfte-Arbeitsmarkt belastet Düsseldorf

Arbeitsmarkt : Der leergefegte Arbeitsmarkt für Fachkräfte belastet die Stadt

Für die Wirtschaft ist der Fachkräftemangel das Konjunkturrisiko Nummer 1, auch der Stadt fehlt fast überall qualifiziertes Personal. Nun macht man Abstriche bei den Ansprüchen.

Seit Jahren schon hat das Thema „Fachkräftemangel“ Hochkonjunktur und mittlerweile muss man auch in Düsseldorf eher fragen, in welcher Branche noch nicht qualifiziertes Personal fehlt. Die Spanne reicht von Spezial-Ingenieuren bis zu Reinigungskräften, von IT-Experten bis zum Mitarbeiter beim städtischen Ordnungsdienst (OSD). An der Bilker Allee hing jüngst beim Blumenladen Michels ein Schild im Fenster: „Der Fachkräftemangel macht auch vor Floristen nicht halt, deshalb müssen wir unsere Öffnungszeiten einschränken“.

Die Bandbreite der Mangelberufe ist ein wichtiger Grund, warum Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Düsseldorf, den Fachkräftemangel als „Konjunkturrisiko Nummer eins“ bezeichnet. Im IHK-Bezirk Düsseldorf (dazu gehört auch der Kreis Mettmann) lag der Engpass laut IHK-Studien Ende 2018 bei etwa 70 000 Fachkräften, der Höhepunkt des Mangels wird für dieses Jahr erwartet. Besonders viele Mitarbeiter fehlen in den Bereichen IT, in der Industrie, im Handel, auch im Handwerk. Und in der Pflege. Schnell lasse sich da nicht viel ändern, erklärt Berghausen und nennt das Beispiel „Pflegenotstand“: „Da wird permanent drüber gesprochen und es werden auch Maßnahmen ergriffen, aber selbst wenn jetzt viele plötzlich in diesen Beruf gehen wollten, wäre das frühestens in drei Jahren entlastend spürbar, denn so lange dauert schon die Ausbildung.“

Unternehmen müssen Ansprüche herunterschrauben

Was tun Wirtschaft und Kammern gegen den seit mindestens sechs Jahren beklagten Fachkräftemangel? Berghausen spricht vom wichtigen „Dreiklang Ausbildung, Arbeitsplatzsicherung und Weiterbildung“, verweist auf die „Task Force für Arbeit“ in Düsseldorf von IHK, Handwerkskammer, Arbeitsagentur, Jobcenter, Unternehmerschaft, DGB und Stadt. Neben der Integration von Flüchtlingen und Arbeitslosen sei vor allem die Stärkung der dualen Berufsausbildung sehr wichtig, wobei der IHK-Manager auch zugibt, dass man bei der Personalauswahl wohl Ansprüche herunterschrauben müsse und auch „schwächeren Kandidaten“ eine Chance geben müsse.

Bleibt die Frage nach der Lohn- und Gehaltshöhe: In einer Marktwirtschaft müsste eigentlich der Preismechanismus für einen Ausgleich von Angebot und Nachfrage sorgen, sprich: Wenn man finanzielle Anreize schafft, schlicht mehr Geld bietet,  dann finden sich auch die Fachkräfte. „Nein“, sagt Berghausen, „dieser Mechanismus funktioniert aktuell nicht. So sind die Löhne und Gehälter schon in vielen Branchen deutlich gestiegen, es fehlen aber objektiv qualifizierte Interessenten“. Ganz abgesehen davon, dass sich – etwa im Dienstleistungsbereich – stark steigende Entlohnungen zwangsläufig auf die Verbraucherpreise auswirken würden und dann wiederum vermutlich die Nachfrage reduzieren.

Am wenigsten mit finanziellen Anreizen operieren kann der öffentliche Arbeitgeber Stadt. „Wir reizen das Tarifsystem oft schon bis an die äußerste Grenze aus, können aber vor allem bei Ingenieuren oder in der IT-Branche nicht mit der freien Wirtschaft konkurrieren“, sagt Personaldezernent Andreas Meyer-Falcke. Gut 1100 Stellen sind derzeit bei der Stadt (unfreiwillig) nicht besetzt, es fehlen auch „normale“ Bürokräfte, etwa im Sozialamt, dann Erzieherinnen, aber auch Kräfte im Rettungsdienst der Feuerwehr oder in der Gebäudereinigung. Und das alles gilt natürlich nicht nur für Düsseldorf, sondern im Prinzip für alle Großstädte in NRW, mit denen man insofern auch noch ums Fachpersonal konkurriert. Meyer-Falcke nennt als Gegenmaßnahmen moderne Arbeitszeitmodelle, Teilzeit, neue Werbemethoden, den Blick auf Seiteneinsteiger, Bewerber-Trainings: „All das machen wir schon und mehr, wie etwa das Azubi-Wohnheim, das jetzt auf den Weg gebracht wurde.“ Weil das aber nicht genügt, sagt auch Meyer-Falcke: „Wir dürfen die Latte in Sachen Qualität von Bewerbern nicht zu hoch hängen.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung