1. Kultur
  2. Buch

"Ein fremder Feind"- Ein Thriller wie aus den Geschichtsbüchern

"Ein fremder Feind"- Ein Thriller wie aus den Geschichtsbüchern

Auch das zweite Buch "Ein fremder Feind" des Wuppertaler Autors Jörg Isringhaus spielt im Weltkrieg — der britische Agent Richard Krauss im Einsatz.

Wuppertal. So richtig freundlich sind die Kritiker nicht mit ihm umgegangen. Wer in Deutschland einen Psychothriller über Nazis schreibt, hat sich gefälligst korrekt zu verhalten. Das Thema ist ernst und dunkel, es darf nicht zur Schablone einer aufregenden Handlung verkommen. Und überhaupt: Görings abtrünnige Tochter, Hitlers verlorener Sohn. Sind wir hier in Hollywood?

Jörg Isringhaus, Journalist aus Wuppertal, hat seinen zweiten Roman veröffentlicht. „Ein fremder Feind“ handelt vom britischen Agenten Richard Krauss, der Hitler töten will, und seinem Nazi-Gegenspieler Heinrich Hansen, einem Sadisten mit unterdrückten homosexuellen Neigungen. Auf rund 500 Seiten folgt das Buch diesen Protagonisten vom Amazonas bis nach Potsdam und von Berlin bis Buenos Aires. So manches Klischee reist mit, doch die Atmosphäre ist stimmig, der Spannungsbogen stabil.

Im englischen Sprachraum nennt man solche Bücher „page-turner“ — Romane, die man nicht aus der Hand legen kann. Im Deutschen existiert kein ähnlicher Begriff, auch das Wort Thriller stammt bekanntlich aus dem Englischen. Hierzulande tut man sich schwer mit dem Genre. Das deutsche Wort Krimi klingt nach „Derrick“, nicht nach Dan Brown. Bevor es richtig spannend wird, steht meist der literarische Anspruch im Weg oder das soziale Gewissen.

Isringhaus hingegen ist geprägt von der Kultur der USA, von ihrer Musik, ihren Mythen, ihrem Kino. Immer wieder zieht es ihn auch heute dorthin. Entsprechend schreibt er seine Bücher mit einer grimmigen Schärfe und blutiger Präzision, die man in den USA „hard-boiled“ nennt, noch so ein Ausdruck ohne deutsche Entsprechung.

Dass seine Bücher sich dennoch deutlich vom „pulp“ (Schund) abgrenzen, liegt an der Klarheit der Sprache und der historischen Genauigkeit. Wie schon bei „Unter Mördern“, der ersten Mission des suizidalen Jägers Krauss, hat der Autor gewisse Grundpfeiler seiner Handlung auf Tatsachen gebaut, in diesem Fall eine absurde Forschungsreise des Dokumentarfilmers Otto Schulz-Kampfhenkel, der den Nazis eine Invasion in Südamerika schmackhaft machen wollte. Das ist ein Thriller aus den Geschichtsbüchern — und Isringhaus erzählt ihn mit aller Konsequenz zu Ende.

Jörg Isringhaus, „Ein fremder Feind“, Aufbau Verlag, 9,99 Euro