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Comic: Miss Tschörmänie

Comic: Miss Tschörmänie

Den Lebenslauf der Kanzlerin nimmt der Eichborn-Verlag auf die Schippe.

Berlin. Wie konnte das nur passieren? Wie konnte aus Angela Merkel eine Kanzlerin werden? Qualmend und trinkend stellt sich die Herrenrunde mit Edmund Stoiber und Gerhard Schröder zu Beginn des ersten biografischen Comics über einen deutschen Regierungschef diese Frage.

In "Miss Tschörmänie" sitzen die von Karikaturist Heiko Sakurai gezeichneten Staatsmänner am kommenden Wahlabend 2009 zusammen und erzählen sich die Lebens- und Karrieregeschichte Merkels - um am Ende erschöpft und betrunken einzuschlafen.

Die Story beginnt 1954, als Angela (Kasner) als Baby von ihrer Mutter über die Grenze in die DDR getragen wurde. Wenig später zeigt der Comic die Pfarrerstochter als ein von Mitschülern unterschätztes Kind.

So steht etwa die Kleine auf einem Sprungbrett im Schwimmbad, andere Kinder lästern: "So steht die schon eine Dreiviertelstunde da." Als sie sich umdrehen und weggehen, springt sie.

"Wir hatten für alles Quellen, was im Buch steht", sagte Autorin und Journalistin Miriam Hollstein bei der Vorstellung des Buches in Berlin. So habe es das im Comic dargestellte Aquarium im Büro von Ex-Kanzler Helmut Kohl tatsächlich gegeben.

Und FDP-Chef Guido Westerwelle trage nach eigenen Angaben auch wirklich Stopp-Socken in seiner Wohnung. Einzig eine Szene, in der Oscar Lafontaine vor seinem Wechsel zur WASG das SPD-Parteibuch verbrennt, sei erfunden.

Über einige entscheidende Situationen im Leben der Kanzlerin, wie über den Besuch bei dem damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber 2002, ist hingegen wenig bekannt. Damals gab sie ihm als CDU-Vorsitzende ihre Zustimmung zu dessen Kanzlerkandidatur und trat damit von ihrem Anspruch zurück.

"Im Comic kann man fabulieren, wie es wirklich war", sagt Hollstein. In den typischen Sprechblasen legte sie der Protagonistin ein "Grüß Gott, Herr Stoiber, ich hab Semmeln mitgebracht" in den Mund.

Häufig erzählt der Comic von Querschüssen der Rivalen Schröder, Stoiber, Schäuble oder auch des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch. So freut dieser sich nach dem Rücktritt des damaligen Vize-Fraktionsvorsitzenden der CDU, Friedrich Merz: "Das wird sie schwächen!" und lächelt dabei verschwörerisch.

Im Comic glänzt die Kanzlerin aber auch durch ihr Äußeres. "Als Generalsekretärin war ihre Frisur ein Desaster", erzählte Sakurai, der Merkel als Karikaturist bereits mehrere tausend Mal gezeichnet hat. Im Comic sieht man deshalb auch, wie "Angie" nach ihrer Wahl zur Bundeskanzlerin vor vier Jahren zu Star-Friseur Udo Walz geht.

Skeptisch sitzt sie auf dem Frisierstuhl, während der Figaro an ihren Haaren zuppelt und muss sich anhören: "Also wirklich Frau Määäarkel, Pfirsichkostüm auf dem roten Teppich geht gar nicht."

"Die Augen von Frau Merkel sind ihr Leben lang gleichgeblieben", sagte Sakurai. Sie habe einen "verhangenen rationalen Blick", der ihr früher als "Lahmheit" ausgelegt worden sei.

Dadurch könne man als Zeichner nicht wie bei Gerhard Schröder "in ihre Seele blicken". Auch Merkels tiefes Dekollete bei ihrem Besuch der Osloer Oper wurde festgehalten; es ziert sogar das Cover. Als "Miss Tschörmänie" steht sie gekrönt auf einem Siegerpodest und reckt die Hände zum Victory-Zeichen in die Luft.

Ihr "Fußvolk" wie Schröder, Lafontaine oder Kohl, muss gemeinsam mit den Star-Politikern Barack Obama, Wladimir Putin und Nicolas Sarkozy unten bleiben.