Endstation für Reisezentrum der Deutschen Bahn am Hauptbahnhof Neuss

Neuer Betreiber in Neuss ab 2020: Bahn schließt Reisezentrum im Neusser Hauptbahnhof

Zum Jahreswechsel 2019/20 ist Schluss. Fahrkarten für den Nahverkehr verkauft dann ein anderer Anbieter am Schalter.

Die Deutsche Bahn wird zum Jahreswechsel 2019/20 ihr Reisezentrum im Neusser Hauptbahnhof schließen. Das hat ein Bahnsprecher bestätigt. Hintergrund ist eine Entscheidung des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) aus dem vergangenen Jahr, der den Verkauf von Fahrscheinen für den Nahverkehr neu regelt. Die Bahn hatte sich dafür erneut beworben, aber nicht den Zuschlag erhalten. Ab Dezember 2019 ist ein anderes Unternehmen, Transdev, für den Verkauf von Nahverkehrstickets an Bahnhöfen im VRR zuständig.

Die Mitarbeiter seien bereits informiert worden, so die Bahn. Es werde jedoch keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Die Mitarbeiter würden stattdessen an anderen Standorten eingesetzt.

Fernverkehrstickets nur online, an Automaten und bei Agenturen

Wie VRR-Sprecherin Sabine Tkatzik mitteilte, sei jedoch geplant, dass auch über 2019 hinaus ein bemannter Service-Point im Neusser Hauptbahnhof oder in unmittelbarer Umgebung zu finden sei – dann aber eben von Transdev. Zudem werde es auch weiterhin vier Fahrschein-Automaten geben, ebenfalls vom neuen Anbieter. An diesen können laut Sabine Tkatzik auch Fernverkehrs-Tickets gekauft werden – im Gegensatz zu dem Transdev-Service-Point. Dafür habe der neue Anbieter keine Lizenz.

Laut einem Bahnsprecher geht der Trend beim Fernverkehr ohnehin zum Online-Kauf. Darüber hinaus gebe es rund um den Neusser Hauptbahnhof insgesamt vier DB-Agenturen, bei denen Tickets gekauft werden können, mit denen man auch außerhalb des VRR-Gebietes fahren kann.

Jörg Geerlings ist über die Schließung des DB-Reisecenters alles andere als erfreut. „Diese Entscheidung stellt für Neuss einen großen Verlust dar und stößt bei mir auf großes Unverständnis“, sagte der CDU-Landtagsabgeordnete, der sich jetzt an den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn AG, Richard Lutz, wandte. In dem Brief heißt es: „Die Umstrukturierungen beim Verkehrsverbund Rhein-Ruhr sind für mich kein hinreichender Grund, den Neusser Bahnkunden alle Serviceangebote der Deutschen Bahn zu entziehen. Täglich besteht ein großer Informationsbedarf am bestehenden Schalter in der Bahnhofshalle. Zugreisende informieren sich über mögliche Zugverbindungen und kaufen Fahrkarten für den Fernverkehr.“

Die Deutsche Bahn verpasse darüber hinaus seit Jahren ihr Pünktlichkeitsziel deutlich, so Geerlings.„Bei den zahlreichen Zugverspätungen oder Ausfällen wenden sich die Reisenden ebenfalls an das hilfsbereite Personal des Serviceschalters, um Umbuchungen vorzunehmen oder alternative Routen zu finden. Diese benötigten Leistungen können die Neusserinnen und Neusser bald, trotz dringenden Bedarfs, nicht mehr erhalten. Ich halte dies für ein völlig falsches Signal an die Bahnkunden.“

Laut Sabine Tkatzik sollen Neusser Kunden aber gar nicht komplett auf den aktuellen Informationsservice vor Ort verzichten müssen. „Die Mitarbeiter von Transdev können auch Fernverkehr-Auskünfte erteilten“, sagte die VRR-Sprecherin.

Mehr von Westdeutsche Zeitung