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Fohlenelf: Interview mit Bernd Krauss zu Gladbachs Titelchancen

Interview mit Gladbachs letztem Titel-Trainer : Bernd Krauss: Einen Leistungsabfall wie letzte Saison wird es nicht geben

Bernd Krauss, der ehemalige Cheftrainer von Borussia Mönchengladbach und letzte Titelträger, spricht im Interview darüber was er den Gladbachern in dieser Saison noch alles zutraut.

Die Winterpause neigt sich dem Ende zu. Mit einem echten Knüller beginnt für Borussia Mönchengladbach am Freitagabend auf Schalke die Rückrunde in der Fußball-Bundesliga. Die Gladbacher haben dank einer starken Hinrunde nachhaltig in der Liga Eindruck gemacht und nehmen als Tabellenzweiter, hinter RB Leipzig, aber vor dem FC Bayern und Borussia Dortmund, die Deutsche Meisterschaft ins Visier. Unsere Zeitung sprach mit dem ehemaligen Cheftrainer Bernd Krauss, der vor 25 Jahren den letzten Titel nach Mönchengladbach holte, über die Chancen der Fohlenelf endlich mal wieder einen großen Coup zu landen.

Halten Sie es tatsächlich für möglich, dass die Schale wieder einmal nach Mönchengladbach geht?

Bernd Krauss: Warum nicht. Die Liga ist sehr ausgeglichen, und Gladbach ist oben mit dabei, das sind nun einmal die Fakten. Elf Siege, 35 Punkte, achtmal Spitzenreiter und die wenigsten Gegentore zugelassen. Das spricht für sich. Der Auftritt der Mannschaft in der ersten Serie hat mich wirklich überzeugt. Sie hat Ausstrahlung, sie hat Schwung und Power und wirkt in sich gefestigt. Ja, und die Spieler bringen offenbar die richtige Mentalität mit. Es funktioniert einfach.

In der vorigen Spielzeit gab es nach anfänglichen Erfolgen zu Beginn der Rückrunde einen rapiden Leistungsabfall, der beinahe noch den Europa-League-Platz gekostet hätte.

Krauss: Das wird diesmal nicht passieren, der Kader ist dicht und stark besetzt, hat große Qualität. Ja, und vorne geht endlich wieder richtig die Post ab. Manchmal sogar mit Vollgas pur. Marcus Thuram ist im Angriff ein Volltreffer, und rechts marschiert Stefan Lainer ähnlich wie ich früher. Das passt alles gut zusammen. Die Zugänge können sich wahrlich sehen lassen. Auch Breel Embolo ist eine echte Verstärkung. Das Gesamtpaket stimmt einfach, zumal auch die Defensive Sicherheit ausstrahlt. Max Eberl hat unterm Strich wieder einmal sehr gute Arbeit geleistet.

Vollgasfußball spielte die Borussia auch in der Spielzeit 1994/1995, die mit dem Pokalsieg unter Ihrer Regie gekrönt wurde. Wie war das damals vor 25 Jahren?

Krauss: Ich vermeide es grundsätzlich, Mannschaften von früher und heute miteinander zu vergleichen. Irgendwie hinkt das immer. Wir hatten aber damals mit Stefan Effenberg als Anführer und Abwehrchef Patrick Andersson auf jeden Fall ein starkes Team. Peter Wynhoff und Kalla Pflipsen trieben das Spiel nach vorne, Martin Dahlin und Heiko Herrlich erzielten die Tore. Deshalb gefällt mir der Power-Fußball von Marco Rose auch so gut. Die Spieler stehen voll und ganz hinter den Ideen des Trainers, geben immer 100 Prozent. Rose wird jetzt auch den Konkurrenzkampf innerhalb der Mannschaft vornehmlich im Mittelfeld gut managen. Da sehe ich keine Probleme.

Die Borussia kann sich nach dem Aus in den Pokal-Wettbewerben voll und ganz auf die Bundesliga konzentrieren. Ist das ein Vorteil?

Krauss: Auf jeden Fall. Zweifellos war die Niederlage gegen Istanbul, bei der sich gezeigt hat, dass es der Mannschaft an internationalem Format und Coolness noch mangelt, eine Riesenenttäuschung. Aber das sollte längst aus den Köpfen raus sein. Jetzt geht es nur noch in eine Richtung, während für Leipzig, Dortmund und Bayern die heiße internationale Phase in der Champions-League bevorsteht, plus Bundesliga. Das ist gleichbedeutend mit enorm hoher physischer und psychischer Belastung. Ich freue mich auf Emotionen pur und sicherlich fantastische Fußball-Abende. In dem Moment säße ich auch noch einmal gerne auf der Trainerbank. Das fehlt mir dann doch hin und wieder.

Was machen Sie heute?

Krauss: Ich betreue intensiv talentierte Nachwuchs-Fußballer, bin viel auf Achse. Seit ein paar Jahren gehöre ich zum Team von Gerd vom Bruch (Sportmanagement „Coaches & More“, d. Red.). Die Arbeit erfüllt mich sehr, und ganz nebenbei beobachte ich natürlich weiter intensiv den Weg der Borussia. Vielleicht geht er ja tatsächlich in Richtung Titel oder in die Königsklasse.