Borussia M’Gladbach: Borussia Mönchengladbach reist nach China

Borussia M’Gladbach : Borussia Mönchengladbach reist nach China

Borussia Mönchengladbach hat am letzten Spieltag der Fußball-Bundesliga den Einzug in die Champions League verpasst. Die Fohlen unterlagen der Namenscousine aus Dortmund mit 0:2 (0:1). Sancho und Reus trafen für den BVB, der trotz dieses Auswärtserfolges nicht mehr im Fernduell den FC Bayern München von Platz eins verdrängen und den Traum von der Meisterschale verwirklichen konnte.

Im Gladbacher Lager freuten sie sich, ebenso wie in der Dortmunder Kurve, dennoch nach dem Schlusspfiff. Die Fohlen haben mit 55 Zählern und Platz fünf in der Abschlusstabelle eine der besten Spielzeiten seit dem Wiederaufstieg 2008 hingelegt und treten zur neuen Saison auf internationalem Parkett in der Gruppenphase der Europa League an. Dem BVB gelang mit 76 Punkten die drittbeste Ausbeute der Vereinsgeschichte und ist als Vizemeister in der Königsklasse gesetzt.

Der Spieler des Spiels: Der heißt Marco Reus. Der ehemalige Gladbacher hat das gemacht, was er gegen seinen Ex-Klub nur zu gerne tut: Tore schießen und Tore vorbereiten. Beim 1:0 legte er seinem Kollegen Sancho den Ball auf, das 2:0 erzielte der Nationalspieler in Reihen des BVB nach Zuspiel von Pulisic dann selber. Reus machte den Unterschied – wieder einmal.

Die Abschiede des Spiels: Cheftrainer Dieter Hecking verlässt Borussia. Der 54-Jährige muss trotz einer Vertragsverlängerung gehen, wird zum 1. Juli von Marco Rose (42/RB Salzburg) abgelöst. Nach dem Schlusspfiff stand Hecking mit seinen Spielern vor der Nordkurve, es gab donnernden Applaus, die Fans feierten trotz des Verpassens der Champions League den Einzug in den Europapokal. Bei Hecking flossen auch einige Tränen, der (gezwungene) Abgang aus dem Borussia-Park berührte den erfahrenen Fußballlehrer sichtlich. Mit Offensivspieler Thorgan Hazard wird ein weiterer Profi den Borussia-Park verlassen. Der belgische Nationalspieler steht vor einem Wechsel zu Vizemeister Dortmund. Die Ablöse soll sich im Bereich zwischen 30 und 35 Millionen Euro befinden. Wegen seines bevorstehenden Wechsels zum BVB musste sich Hazard in seinem letzten Spiel für Gladbach einige Pfiffe bei seiner Auswechslung von den VfL-Fans gefallen lassen.

Der Aufreger des Spiels: Riesen-Aufregung im Borussia-Park nach dem Showdown gegen Dortmund (0:2). Hintergrund: Der Führungstreffer des BVB kurz vor der Halbzeit. Reus hatte Sancho den Ball zum 1:0 aufgelegt. Aber hatte die Kugel vor Reus‘ Vorlage bereits im vollen Umfang die Außenlinie überschritten? Für manchen im Gladbacher Lager glich es offenkundig einem Skandal, dass selbst nach Überprüfung durch den Videoassistenten in Köln plus einer weiteren Überprüfung durch Gräfe per Monitor am Spielfeldrand der Treffer anerkannt worden war. Borussias Vize-Präsident Rainer Bonhof maulte in der Mixed-Zone nach der Pleite Richtung Schiedsrichter: „Den Gräfe werde ich in Zukunft ablehnen. Solange ich hier etwas zu sagen habe, wird der uns hier nicht mehr pfeifen. Es geht nicht darum, dass ich Dortmund den Sieg nicht gönne, aber was Gräfe hier in den letzten Jahren und mit der Krönung gegen Dortmund hier gepfiffen hat, ist unfassbar.“ Schiedsrichter Manuel Gräfe stellte sich nach Spielende der Öffentlichkeit und sagte: „Es war aufgrund der Bilderlage eine knappe Entscheidung, weil wir keine Torauslinienkamera hatten, sondern diese seitliche Perspektive. Aber für den Assistenten, der genau auf der Seitenlinie stand, was sein größter Vorteil war, war der Ball knapp nicht im Aus, sondern auf der Linie. Der Ball ist rund – und selbst wenn dieser am Boden vielleicht im Aus ist, hat er immer noch einen Durchmesser von 35 Zentimetern. Da hätte der Assistent dann deutlich mehr grün sehen müssen, um zu sagen, dass der Ball im Aus ist.“ Gräfe weiter: „Für den Assistenten war es so, dass der Ball mit der Rundung noch auf der Linie war, deshalb hat er weiterlaufen lassen. Köln hat das Gleiche bestätigt. Für sie war es knapp, aber eben noch auf der Linie. Ich wollte es mir später im Bild auch noch mal selber anschauen, wenn es um so viel geht. Aus unserer Sicht, mit den Fernsehbildern, die wir vorliegen haben, ist die Entscheidung richtig. Wir haben sie für uns auch so bestätigt bekommen, wie wir es auch wahrgenommen haben. Für uns wäre es auch wünschenswert gewesen, noch andere Perspektiven zu haben. Hätten wir eine Torauslinienkamera gehabt, dann hätten wir alle objektiv gesehen, ob der Ball im Aus gewesen ist oder nicht. Das decken die 24 Kameras, die es heute gab, nicht ab. Für den Assistenten war der Ball nicht im Aus, für Köln war der Ball nicht im Aus und für mich war der Ball auch nicht im Aus. Es war trotzdem eine knappe Entscheidung.“ Gräfe sagte zur verbalen Attacke von Bonhof: „Ich kann seinen Frust nachvollziehen. Ich habe früher selber gespielt, wenn man dann frustriert ist, dann sollte man das, was unmittelbar nach so einem Spiel aus den Emotionen heraus gesagt wird, nicht überbewerten. Alles gut, Herr Bonhof war ein Top-Spieler und ist ein guter Funktionär. Ich glaube, er wird das am Tag danach schon etwas anders sehen. Ich verstehe, dass man verärgert ist. Aber mit etwas Abstand muss man zu mehr Fairness, Respekt und Objektivität kommen. Im Fußball ist jede Meinung erlaubt, er darf auch eine andere haben, wenn er morgen immer noch diese Meinung hat, dann ist das so.“

Die Reise nach dem Spiel: Auf ins Reich der Mitte! Gleich nach dem Liga-Finish gegen Dortmund düsen die Fohlen nicht in den Sommer-Urlaub, sondern für den Gladbach-Tross geht es nach dem letzten Liga-Spieltag in die Volksrepublik. Eine Woche China (19. bis 26. Mai). Neben einem Test-Duell bei Erstligist Guangzhou R&F (22. Mai, Yuexiushan Stadion, 20 Uhr Ortszeit) steht für die Borussen auch ein Besuch des vereinseigenen Büros in Shanghai auf dem Reise-Plan. Geschäftsführer Stephan Schippers sagt: „Wir haben im vergangenen Jahr in China nicht nur spannende Projekte auf den Weg gebracht, sondern durch unseren nachhaltigen Ansatz und eine speziell auf China ausgerichtete Kommunikation viele Menschen für uns begeistern können.“ Schippers weiter: „Nun möchten wir durch die Tour mit unserer Mannschaft verstärkt auf unsere Arbeit in China hinweisen, weitere Projekte anstoßen und unsere Kontakte vertiefen.“ Unterstützung bekommt der Klub dabei auch von der Deutschen Fußball Liga (DFL). Mit dem Testspiel in Guangzhou wird Borussia nicht nur die fußballverrückteste Region der Volksrepublik besuchen, sondern auch die Provinz, aus der nach einer Umfrage die Mehrheit der chinesischen Fohlen-Fans stammt. DFL-Broadcasting-Partner PPTV soll gewährleisten, dass das Spiel zur Primetime in ganz China live zu sehen sein wird. Der Zeitplan sieht nach Ankunft der Mannschaft am 20. Mai in Guangzhou unter anderem ein öffentliches Training (21. Mai) vor. Am 23. Mai wird die Mannschaft nach Shanghai weiterreisen, um dort am 24. und 25. Mai mit einem Besuch des VfL-Büros und weiteren Terminen auf die Projekte der Fohlen in China aufmerksam zu machen. Am 26. Mai kehren die Fohlen nach Deutschland zurück. Sportdirektor Max Eberl sagt: „Wir möchten den Fans in diesem fußballbegeisterten Land natürlich auch die Möglichkeit geben, unseren Klub zu erleben. Die Spieler werden sicherlich viel aus diesem sehr beeindruckenden Land mitnehmen können und wir freuen uns darauf, diese Saison mit diesem gemeinsamen Erlebnis ausklingen zu lassen.“ Der sich noch im Amt befindende Cheftrainer Dieter Hecking, sein Assistent Dirk Bremser, Nationalspieler Matthias Ginter und der verletzte Kapitän Lars Stindl nehmen an Borussias China Reise nicht teil.

Die Stimmen zum Spiel:

Dieter Hecking (Trainer Borussia Mönchengladbach):

„Rund 25 Minuten lang haben wir ein richtig gutes Heimspiel gemacht. Wir hatten etwas Pech – zum Beispiel, als Ibo Traoré nur die Latte getroffen hat oder Nico Elvedi frei zum Kopfball gekommen ist. Ich hätte mir gewünscht, dass wir in Führung gegangen wären. Dass das 0:1 für Dortmund dann sehr strittig war, muss ich nicht betonen. Das hat uns neben den Zwischenständen aus den anderen Stadien etwas den Stecker gezogen. In der zweiten Halbzeit haben wir nicht gut gespielt. Wir haben Dortmund zu viel Ballbesitz gelassen, waren zu passiv. Dortmund hat es dann gut gespielt. Deswegen war es unter dem Strich ein verdienter Sieg für den BVB.“

Lucien Favre (Trainer Borussia Dortmund): „Gladbach hat in den ersten 20, 25 Minuten sehr gut gespielt. Wir mussten richtig gut verteidigen. Danach sind wir peu à peu besser ins Spiel gekommen und haben das Spiel besser kontrolliert. Das Führungstor war sehr wichtig für uns. In der zweiten Halbzeit waren wir dann die bessere Mannschaft, wir hatten viel Ballbesitz und viele Möglichkeiten. Am Ende ist es ein verdienter Sieg. Es war unser Ziel, hier zu gewinnen. Wir haben unsere Aufgabe erledigt.“

Max Eberl (Sportdirektor Borussia Mönchengladbach): „In der ersten Halbzeit hat die Mannschaft ein sehr gutes Heimspiel gemacht mit viel Leidenschaft und Engagement. Wir waren dem 1:0 deutlich näher als der BVB. Dann kam die strittige Szene kurz vor der Pause. Das hat uns wie das 2:1 von Leverkusen etwas den Stecker gezogen. Trotzdem haben wir dem BVB ein großes Spiel geliefert. Es ist auch eine große Leistung, es souverän in die Gruppenphase der Europa League geschafft zu haben. Wir haben eine großartige Saison gespielt – mit einer herausragenden Hinrunde und schwierigen Rückrunde. Trotzdem haben wir auch die Rückrunde gemeistert. Es war in dieser Saison alles dabei. Deswegen ist der fünfte Platz extrem hoch zu bewerten. Ich weiß, dass viele Borussia und Europa automatisch miteinander verbinden. Das kann man aber nicht automatisch verbinden. Der letzte Spieltag hat gezeigt, wie kompliziert die Bundesliga ist. Es war alles nochmal eng. Dementsprechend haben wir eine große Runde gespielt und sind nächstes Jahr in der Gruppenphase der Europa League vertreten.“

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