Bundesliga: Borussia Mönchengladbach: Das macht "Maestro" Raffael unersetzlich

Bundesliga : Borussia Mönchengladbach: Das macht "Maestro" Raffael unersetzlich

Der Brasilianer ist immer noch unersetzlich in Mönchengladbach. Das hat er gerade erst wieder bewiesen. Eine Analyse.

Mönchengladbach. Noch ist er unersetzlich. Noch stellt sich der brasilianische „Maestro“ unermüdlich in den Dienst der Mannschaft. Auch mit 33 Jahren macht Raffael Caetano de Araujo immer noch den Unterschied aus. Nach einer intensiven Vorbereitung ist er körperlich und spielerisch obenauf, wie das Saisonauftaktspiel gegen Bayer Leverkusen (2:0) gezeigt hat. Sein Repertoire ist noch immer breit gefächert. Wie kein Zweiter kann er in hohem Tempo dribbeln und Tore vorbereiten; so oft wie möglich suchtRaffael die Eins-gegen-Eins-Situation und verliert obendrein nie das große Ganze aus den Augen.

Mit jugendlichem Überschwang ist er nun in seine sechste Spielzeit im Borussia-Park eingestiegen. „Das ist wunderbar“, sagte Borussia Mönchengladbachs Cheftrainer Dieter Hecking vor dem Gastspiel am Samstag in Augsburg (15.30 Uhr), „Raffa ist fit, ist im Rhythmus und macht mir große Freude. Alles spricht dafür, dass er noch einmal vor einer großartigen Saison steht.“

Der Offensivspieler des Bundesliga-Vierten ist seit Jahren das Herzstück in der Fohlen Elf. Einer der Zurückhaltenden im Team, jemand, der die leisen Töne bevorzugt. Der Vater von zwei Mädchen (Zwillinge) und zwei Jungs ist auf dem Spielfeld nicht fordernd — und wird doch immer wieder gesucht. Denn wenn Raffael den Ball führt, versetzt er die gegnerische Defensive in höchste Alarmbereitschaft.

Der Brasilianer sieht sich als hängende Spitze. In dieser Rolle hat er seine besten Spiele in der Bundesliga gemacht und Tore wie am Fließband erzielt. Aber so lange der 23-Millionen-Einkauf Alassane Plea aus Nizza noch nicht zu 100 Prozent fit ist, muss Raffael zwangsläufig mehr in die Spitze gehen und sich im Strafraum auf engstem Raum aufreiben. Was gegen die Leverkusener prima funktionierte. „Ich hatte selbst ein, zwei gute Chancen, schade, dass es mit dem Tor nicht geklappt hat“, sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung. Stattdessen leitete der 33-jährige in seinem 144. Bundesligaspiel (56 Tore, 22 Vorlagen) für Borussia Mönchengladbach den Treffer zum 2:0 genial ein. Fabian Johnson drückte den Ball nach einer rasanten Kombination abschließend über die Linie.

Als Raffael mit 23 Jahren vom FC Zürich in die Bundesliga zur alten Dame Hertha BSC wechselte, war er schon mit zwei Schweizer Meisterschaften dekoriert. Lucien Favre, sein damaliger Trainer und Förderer, schwärmte früh vom Potenzial des introvertierten Edeltechnikers, der eine natürliche Autorität ausstrahlt. Inzwischen spielt Raffael fast zehn Jahre in Deutschland, seit 2013 in Mönchengladbach.

Im 30-Mann-Kader der Fohlen Elf haben nur Tony Jantschke (seit 2006), Patrick Herrmann (2008) und Oscar Wendt (2011) eine längere Vergangenheit beim fünffachen Deutschen Meister.

2019 endet allerdings das Vertragsverhältnis. Aber Raffael denkt nicht ans Aufhören: „Ich will noch spielen, bis ich 36 bin. Daran hat sich nichts geändert. Es wäre ein Traum.“ Und — geht es anschließend zurück in die Heimat nach Fortaleza? „Nein, nein“, sagt er und lächelt, „nach Brasilien werde ich nicht zurückgehen. Ich fühle mich hier sehr wohl.“

Dass in der Gladbacher Mannschaft nach dem ersten Erfolgserlebnis irgendjemand abhebt, sei undenkbar, sagt Raffael. „Wir wissen doch alle, dass wir uns in Augsburg immer schwer getan haben. Hat Borussia Gladbacher da überhaupt mal gewonnen?“ Haben sie. Allerdings in der zweiten Liga vor elf Jahren. Damals noch ohne Raffael.

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