Ruhestand: Der Chef der Krefelder Schulen spielt jetzt mit seinen Enkeln

Ruhestand: Der Chef der Krefelder Schulen spielt jetzt mit seinen Enkeln

Die Krefelder Lehrerschaft hat Fachbereichsleiter Rainer Hendrichs am Freitag in den Ruhestand verabschiedet. Die WZ sprach zuvor mit ihm.

Krefeld. So richtig lassen kann er es nicht: Rainer Hendrichs, seit 24 Jahren Leiter des Fachbereichs Schule wird am 8. März 65 Jahre alt. Am Freitag hat ihn die Krefelder Schulgemeinde bei einem Empfang im Gymnasium Fabritianum in den Ruhestand verabschiedet. Doch er bleibt auch als Ruheständler der Materie treu: Als Dozent wird er in den Studieninstituten Niederrhein (in Krefeld) und Westfalen-Lippe (in Münster) Seminare halten — unter anderem für Nachwuchskräfte zur Schulentwicklungsplanung. Damit haben sich die beiden Institute einen ausgewiesenen Experten auf diesem Gebiet weiterhin gesichert.

Hendrichs tritt zu einem Zeitpunkt in den Ruhestand, der eigentlich schlechter hätte nicht sein können. Zur Zeit laufen die Beratungen zur Fortschreibung des Schulentwicklungsplanes bis zum Jahr 2015 — und „es ist der schwerste, den wir seit Beginn 1974/75 aufgestellt haben“, sagt Hendrichs, der von Anfang an dabei war.

Die Fortschreibung ist geprägt vom demografischen Wandel, der sich bereits auf die Sekundarstufe I (Klassen fünf bis zehn) auswirkt, vom 6. Schulrechtsänderungsgesetz, das die Schulstruktur neu regelt (Beispiel neue Sekundarschule), und von der Inklusion, die den Besuch von behinderten Schülern auch in weiterführenden Schulen regelt. „Da fühlen sich die Real-, Gesamtschulen und Gymnasien nicht richtig vorbereitet“, sagt Hendrichs. „Alles zusammen macht die Schulentwicklungsplanung jetzt so schwierig.“

Der Steuermann der Schulentwicklungsplanung geht — um sich an ein anderes Steuer zu setzen. „Ich habe eine Absprache mit meiner Frau, mit meiner Tochter und meinem Schwiegersohn: Ich habe mich bislang vor manchen Aufgaben ,gedrückt’, weil ich sehr viel zu tun hatte. Ab jetzt bin ich Chauffeur und spielender Großvater für meine Enkelsöhne Lennart (9 Jahre) und Adrian (3 Jahre).“

Die Familie hat im Kreis Kleve 2003 ein Mehrgenerationenhaus gebaut und fertiggestellt. Die Absprache: Die erste Generation, sprich Hendrichs und seine Ehefrau Lotte, kümmert sich, so lange es geht, mit um die dritte Generation, weil Tochter und Schwiegersohn beide berufstätig sind. „50 Prozent meiner Zeit werde ich jetzt diesen Aufgaben widmen“, sagt Hendrichs.

Er wird seinem Team im Fachbereich Schule aber für Fragen zur Verfügung stehen. „Es ist ein eingespieltes Team, auch bei der Schulentwicklungsplanung. Auch mein Nachfolger Jürgen Maas ist seit dem Beschluss des Oberbürgermeisters bei den Gesprächen dabei. Ich hinterlasse ein bestelltes Feld“, sagt der Schulexperte. „Jürgen Maas ist ab sofort Herr des Verfahrens.“

Seit eineinhalb Jahren arbeiten Hendrichs und sein Team am jetzigen Schulentwicklungsplan — und er weiß bereits: „Die Arbeit werde ich nicht sofort, aber in einigen Monaten vermissen.“ Auch deshalb wird er seine Dozenten-Tätigkeit seit 15 Jahren auch im Ruhestand fortsetzen.

Auf die 24 Jahre als Fachbereichsleiter schaut er positiv zurück. Zum Empfang eingeladen waren am Freitag auch alle Schulleitern. „Mein Bestreben war es, den Fachbereich als Servicebereich für Schulen aufzubauen.“ Im Rückblick „sehe ich keine Entscheidung von mir, die nachgewiesen falsch war“.

Auch wenn Krefeld seit 2002/2003 Tribut an die demografische Entwicklung zollen muss, ist Hendrichs Fazit nach 24 Jahren klar: „Die Krefelder Schullandschaft ist in Ordnung — nicht zuletzt haben alle teilnehmenden Schulen durch das Projekt Selbständige Schule gewonnen. Und es gibt gut funktionierende Netzwerkverbindungen.“

Um die Leistungsfähigkeit der Krefelder Schullandschaft zu erhalten, sieht Hendrichs für die Zukunft ein Zwei-Säulen-Modell: Gymnasien und ein integriertes System (Sekundarschulen/Gesamtschulen). Er weiß aber auch: „Die große Wandlung kommt erst 2015/2016. Der Handlungsdruck wird sich von Jahr zu Jahr erhöhen.“

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