Im Schatten der „Concordia“: „Costa Fascinosa“ sticht in See

Im Schatten der „Concordia“: „Costa Fascinosa“ sticht in See

Venedig (dpa/tmn) - Vier Monate nach dem Untergang der „Concordia“ tauft die Reederei Costa wieder ein Schiff. Doch das Unglück überschattet die Feierlichkeiten. Die Verantwortlichen wollen mit neuen Sicherheitsregeln eine Wiederholung verhindern.

Die große Feier fiel aus. Keine Show, kein Feuerwerk. Nur mit einer kleinen Zeremonie im Bordtheater wurde am Wochenende die „Costa Fascinosa“ im Hafen von Venedig getauft. Zu sehr wirkt nach wie vor der Untergang der „Concordia“ nach. Aus Respekt vor den Opfern wollten die Verantwortlichen der Reederei nicht auf die große Pauke hauen. Eine Schweigeminute für die Verstorbenen war Bestandteil der Zeremonie. Und noch immer macht eine Frage die Runde - wie konnte das passieren?

Bis heute gibt es keine endgültigen Antworten. Doch immerhin hat die Reederei mittlerweile ein Sieben-Punkte-Programm erarbeitet, das am Rande der Taufe vorgestellt wurde und zu mehr Sicherheit an Bord führen soll - ein erster Schritt um das Vertrauen der Kunden wieder zurückzugewinnen, das nach dem Untergang arg gelitten hatte.

Das Programm enthält einiges Bekanntes, das anderswo schon länger Standard ist, aber auch einige Neuerungen: So soll künftig ein neues Echtzeit-Routen-Überwachungssystem zum Einsatz kommen. Dieses verfolgt alle Costa-Schiffe und schlägt in der Zentrale Alarm, sobald die vorgegebene Route verlassen wird. Ein ähnliches System ist bereits bei Aida im Einsatz und soll bald auch bei den anderen Reedereien der Carnival-Gruppe verwendet werden, wie deren Manager Howard Frank in Venedig sagte.

Neu sind ebenfalls die Zugangsregeln zur Brücke. Nach dem Untergang der „Concordia“ hatte es Gerüchte um eine unbekannte Frau in der Steuerzentrale des Schiffs gegeben. Künftig werde der Zugang strenger geregelt - zum Beispiel müssen sowohl Kapitän als auch Unternehmen den Zutritt genehmigen.

Ein weiterer Punkt klingt auf den ersten Blick fast revolutionär: Die Offiziere sollen im Verhältnis zum Kapitän mehr Mitspracherechte erhalten, zum Beispiel bei der Routenwahl. Doch von einer Revolution will Vorstandschef Pier Luigi Foschi nichts wissen. Die Befugnisse des Kapitäns sollten nicht beschnitten werden, dieser habe weiter das letzte Wort. Dennoch braucht es für diese Regel erst eine Gesetzesänderung, die Costa im italienischen Parlament anstrengen will.

Nicht richtig neu ist dagegen, dass die Sicherheitsübung bereits vor dem Auslaufen des Schiffs gemacht wird. Dies ist bei anderen Reedereien schon länger Praxis. Allerdings soll die Teilnahme an der Übung strenger kontrolliert werden. Bislang schwänzten meist etliche Passagiere. Eine sogenannte Emergency Drill Card, die während der Übung der Besatzung ausgehändigt werden muss, ermöglicht die Kontrolle, wer in der Kabine geblieben ist. Die Schwänzer werden zu einer erneuten Übung zitiert.

Das Thema Sicherheit dominierte in Venedig am Wochenende. Das neue Schiff geriet dabei fast etwas in Vergessenheit. Nun gut: Allzu viele Neuerungen im Vergleich zum Schwesterschiff „Favolosa“ gibt es auf der „Fascinosa“ ohnehin nicht. Bei einem fast identischen Grundriss liegen sie vor allem im Design.

Für dieses war erneut Architekt Joseph Farcus verantwortlich, der auch die jüngsten Schiffe der Reederei gestaltet hatte. Er entführt die „Fascinosa“-Passagiere in die Welt des Films. In den Gängen und Kabinen hängen Bilder der Leinwandstars, die öffentlichen Bereiche sind nach Filmen benannt, zum Beispiel das 1000 Quadratmeter große Freideck am Heck des Schiffs: „Vom Winde verweht“ stand hier Pate.

Daneben wartet die „Fascinosa“ mit einem 6000 Quadratmeter großen Spa-Bereich auf, einem Kidsclub mit eigener Burg und Wasserrutsche, Formel-1-Simulator und 4-D-Kino. 13 Bars beherbergt der Neubau, 5 Restaurants, ein Casino, das fast schon an die Ausmaße amerikanischer Ozeanriesen heranreicht, und 1508 Kabinen, die 3800 Passagieren Platz bieten.

Nach der Jungfernfahrt geht es für die „Fascinosa“ bis Mitte November auf 7-Tages-Touren von Venedig und Bari nach Griechenland und Kroatien. Im Winter steht dann Südamerika auf dem Programm. Dort liegt laut Vorstandschef Foschi neben Asien einer der Schwerpunkte der kommenden Jahre. Hier verspricht sich Costa deutliches Wachstum und erhöht deshalb die Zahl der Schiffe ab Herbst - der neue Katalog ist pünktlich zur Taufe erschienen - von drei auf fünf.

Neben den klassischen Fahrten im Mittelmeer sowie in Nord- und Ostsee auch mit Abfahrten von Hamburg und Kiel stehen auch mehrere Weltumrundungen an. So geht die zur „Neoromantica“ umgebaute „Romantica“ ab Dezember auf 110-Tages-Fahrt von Australien über Asien und Afrika nach Europa und im September 2013 auf eine weitere 122-Tages-Fahrt, unter anderem nach Südamerika. Die „Deliziosa“ setzt die Reihe der Weltreisen fort, der Foschi bereits jetzt großen Erfolg bescheinigt.