Wo einst Julius Caesar starb: Roms versteckte Plätze

Wo einst Julius Caesar starb: Roms versteckte Plätze

Eine besondere Tour führt zu Roms weniger bekannten Orten. Abseits von Petersplatz und Co.

Rom. Rom im Jahr 44 vor Christus. Blut sickert in feinen Rinnsalen über den Boden der Kurie im Pompeiustheater. Aus feinen Rinnsalen werden Ströme. Mittendrin der tote Körper Gaius Julius Caesars, übersät von 23 Dolchstichen. „Auch Du, mein Sohn Brutus?“ — das waren seine letzten Worte, als er erkannte, dass auch sein Ziehsohn zu den Mördern gehörte.

Rom, 2058 Jahre später. Auf den Steinplatten, an denen einst Caesars Blut klebte, tollen drei kleine Katzen herum, zwei weitere kommen hinzu. Wo zur Zeit der Römischen Republik das Marsfeld mit dem angrenzenden Pompeiustheater war, befindet sich heute der Largo di Torre Argentina, von den Römern kurz „Largo Argentina“ genannt. Der Platz entstand in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts, erst in den 1920er Jahren wurde mit den Ausgrabungen der alten Tempel begonnen.

Heute befinden sich die Ruinen mittig unterhalb des Straßenniveaus und sind nicht direkt zugänglich. „Dass genau hier einer der größten Feldherren der Geschichte ermordet wurde, wissen die Archäologen aber erst seit 2012“, erklärt Stadtführer Roland. Bei neuen Grabungen fanden die Experten eine etwas zweimal drei Meter große Zementstruktur, die auf Anordnung von Kaiser Augustus am Ort der Ermordung Caesars angebracht worden sein soll.

„Die Ruinen, die hier zu sehen sind, gehörten zu den Tempeln des Marsfelds“, weiß Roland. „Die äußeren Bereiche der Kurie reichten bis fast an diese Tempel und Caesar wurde in diesem rückwärtigen Teil ermordet.“ Das ehemalige Marsfeld gehört heute Roms Straßenkatzen. „Warum sich die Tiere gerade hier heimisch fühlen, weiß keiner“, sagt der Stadtführer. Aber: „Um der Masse der Katzen Herr zu werden, gibt es seit den 90er Jahren eine Pflegestation links neben den Ruinen, in der sich Freiwillige um Fütterung, Sterilisation und Impfungen der Tiere kümmern.“

Für die Römer ist das praktisch. Wer ein Haustier haben möchte, geht zur Largo Argentina und holt sich eine Katze — mit dem Wissen, dass die Vierbeiner tierärztlich versorgt wurden.

Weiter führt der Weg durch Rom in Richtung Pantheon. „In antiker Zeit stand auch dieser Tempel auf dem Marsfeld, was die Dimension dieses Platzes erahnen lässt“, erklärt der Stadtführer. Die heutige Piazza del Pantheon liegt mitten in der Altstadt und ist bei Touristen besonders beliebt. „Es ist einer der kleineren Plätze, sehr gemütlich und man kann hier schön den Tag ausklingen lassen“, sagt Roland.

Natürlich mit Blick auf das Pantheon. Bis heute ist unklar, welche römischen Götter dort genau verehrt werden sollten. Sicher ist dagegen: Seit dem 13. Mai 609 dient das Pantheon als katholische Kirche und ist der Jungfrau Maria geweiht.

Der Rundbau mit der antiken Tempelfassade ist sehr beeindruckend nicht nur wegen der Grabmäler bedeutender Künstlerpersönlichkeiten (wie zum Beispiel des Malers Raffael), sondern auch wegen der beeindruckenden Kuppel, die für mehr als 1700 Jahre die größte Kuppel der Welt war.

Auf dem Campo de’ Fiori wartet kein bedeutendes Gebäude und keine historische Bedeutsamkeit. Dafür ein Meer aus Blumen, Gewürzen und Pasta an zahlreichen Marktständen. Zwar gehört der Blumenmarkt zu den weniger bedeutenden Plätzen Roms, dafür aber auch zu den schönsten. Denn im Marktgetümmel lässt sich das Alltagsleben der Römer am ehesten erspüren. Rings um den Campo haben sich zahlreiche Weinlokale und Pubs angesiedelt, so dass der Platz auch am Abend einen Besuch wert ist.

Zu guter Letzt geht es zur Piazza Navona. Der lang gestreckte Platz im Stadtviertel Parione ist von barocken Bauwerken geprägt. Beherrscht wird die Piazza von der Fontana dei Quattro Fiumi, dem Vierströmebrunnen. „Vier Männerfiguren stehen jeweils für die Flüsse, die widerum einen der vier damals bekannten Kontinente symbolisieren“, erklärt der Stadtführer. „Das sind Donau, Ganges, Nil und Rio de la Plata.“

Zuzuordnen sind die Figuren über Tier- und Pflanzensymbolik. So verhüllt der Flussgott des Nils sein Gesicht, weil die Quellen des Stroms unbekannt sind. Danach sollte man die Piazza Navona aber schnell verlassen - denn neben Brunnen und Barock haben dort auch viele, viele Souvenirhändler ihr beliebtestes Zuhause gefunden.

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