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Der Speck muss weg: Hund und Katze auf Diät

Der Speck muss weg: Hund und Katze auf Diät

Hamburg (dpa/tmn) - Wenn Herrchen das Sofa dem Spaziergang vorzieht und Frauchen es mit den Leckerlis besonders gut meint, wird der Dackel schnell zum Mops. Doch mit der richtigen Diät bekommen Hunde und Katzen ihren Speck wieder weg.

Rauhaardackel Rudi hat eine merkwürdige Krankheit. Sein Gehör funktioniert immer nur dann, wenn er Leckerlis bekommt. Damit diese clevere Macke den Mischling nicht in einen Mops verwandelt, griff Frauchen Birgitt Thiesmann ein: Sie setzte Rudi auf Diät. Dafür verkleinerte die Mitarbeiterin der Tierschutzorganisation Vier Pfoten die Futterportionen und tauschte die Leckerlis gegen Stückchen von gekochtem Huhn ein.

Wann der vierbeinige Freund zu dick ist, lässt sich leicht erkennen. „Die Rippen sollten nicht sichtbar sein, jedoch gut ertastbar“, erklärt Tierärztin Verena Mißler vom Deutschen Tierschutzbund in München. Bei Hunden fehle häufig die Taille, ergänzt Tina Messjetz, Tierernährungsberaterin in Oldenburg.

Der Spielraum vom normalgewichtigen Tier zum Moppel ist klein. „Von Übergewicht spricht man, wenn das Idealgewicht um 10 Prozent überschritten wird“, erklärt Mißler. Bei mehr als 20 Prozent sei es bereits schweres Übergewicht.

Dick wird jedes Tier, wenn mehr Kalorien zugeführt als verbraucht werden, erläutert Thomas Steidl von der Bundestierärztekammer in Berlin. Doch ein natürlicher Instinkt, nicht mehr zu fressen als notwendig, sei bei Hunden und Katzen nach Tausenden Jahren in der Obhut des Menschen nicht mehr vorhanden.

Um des Specks Herr zu werden, empfiehlt Tierärztin Mißler das richtige Futter und mehr Bewegung. „Bei starkem Übergewicht muss die Bewegung langsam gesteigert werden, um das Tier nicht zu überfordern.“

Spaziergänge sollten drei bis vier Stunden täglich dauern, empfiehlt Thiesmann: „Dabei ist es für den übergewichtigen Hund schädlich, ständig zu apportieren, da durch abruptes Bremsen die Gelenke stark beansprucht werden.“ Gelenkschonender sei Schwimmen.

Katzen kann man spielerisch auf Trab bringen. „Faule können mit ihrem Futter zu mehr Bewegung animiert werden“, rät Mißler. Wenn Trockennahrung verfüttert werde, könne man das Tier jagen lassen, indem man die Brocken über den Boden schnipse.

„Bei Hund wie Katze gilt: Man kann gar nicht so viel abarbeiten, wie man drauffrisst“, sagt Steidl. „Jede Kalorie zählt.“ Diätfutter sollte einen reduzierten Energie- und Fettgehalt haben und einen erhöhten Rohfasergehalt, sagt Thiesmann. Entweder kochen Halter selbst oder verwenden Futter aus dem Handel.

„Leckerlis sind oft eine überflüssige Energiequelle“, warnt Thiesmann. Wichtig sei, sie von der Tagesration abzuziehen. „Dick machen nicht die Mahlzeiten, sondern die Menge der Kleinigkeiten dazwischen“, bestätigt Steidl.

Die einzig sinnvolle Möglichkeit, sein Tier abzuspecken, besteht laut Steidl darin, sich von seiner Tierarztpraxis oder von ausgebildeten Experten ein individuelles Programm erstellen zu lassen. „Alles andere hat die gleiche Wirksamkeit wie die Diäten, die in den Illustrierten für uns Menschen beschrieben werden.“

Wenn trotz ernsthafter Abspeckmühen der Erfolg ausbleibt, sollte ein Arzt ausschließen, dass das Tier krank ist, sagt Steidl. Denn auch eine Schilddrüsenunterfunktion, Bauchwassersucht, Tumore oder eine Gebärmutterentzündung können die Ursache für Übergewicht sein.

Doch wozu sollen Tiere überhaupt abspecken? „Übergewicht wird zum Problem, weil es nicht nur die Gelenke belastet, sondern den gesamten Organismus“, erklärt Thiesmann. Es steigere das Risiko für Diabetes, Gelenk-, Herz-Kreislauf- sowie für Tumorerkrankungen. Mißler ergänzt: „Tiere mit Übergewicht haben eine um 20 Prozent geringere Lebenserwartung.“