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Preisbrecher mit Stil: eCommerce verändert den Designmarkt für Möbel

Preisbrecher mit Stil : eCommerce verändert den Designmarkt für Möbel

Berlin (dpa/tmn) - Der Markt für Möbeldesign wandelt sich derzeit grundlegend. Rund zehn Jahre eCommerce haben die traditionellen Vertriebsstrukturen teilweise dramatisch verändert.

Marken gelingt es heute, vollkommen unabhängig von den herkömmlichen Handelsstrukturen Designprodukte deutlich kostengünstiger auf dem Markt zu platzieren.

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Foto: dpa

Ein Beispiel ist das Unternehmen Sitzfeldt in Berlin, das sich auf Polstermöbel aus Designer-Händen wie von Sebastian Herkner und Jörg Boner spezialisiert hat. „Ein Dreisitzer kostet bei uns rund 1000 Euro. Kenner der Branche würden sagen, das kann nicht funktionieren“, berichtet Julius Martini, Mitbegründer des Unternehmens.

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Die Preise für ein solches Sofa sind zwar immer noch nicht billig im Sinne dessen, was manche Möbelhäuser auf der grünen Wiese anbieten - dort liefern sich die Händler oft eine selbstzerstörerische Rabattschlacht. Bei den bekannten großen Designmarken aus Italien, der Schweiz oder Deutschland hingegen bezahlt der Kunde für ein von einem namhaften Designer gestaltetes Sofa ein Vielfaches.

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Julius Martini und seine Partner haben sich bei der Gründung des Unternehmens intensiv mit dem Vertrieb in der Möbelindustrie beschäftigt. „Uns kamen die Handelsstrukturen wie aus dem letzten Jahrhundert vor“, sagt er. „Wir haben uns gefragt, warum halten auf dem Weg zum Endkunden so viele Leute die Hand auf?“ Traditionell verläuft die Wertschöpfungskette im Möbelhandel zunächst von einem Produzenten zu einer Handelsagentur. Diese verkauft die Möbel weiter an einen Großhändler, der dann erst die Ware ans Möbelhaus veräußert.

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Junge Unternehmen organisieren den Vertrieb über das Internet ohne Umwege direkt an den Endkunden. So lassen sich deutlich günstigere Preise anbieten. „Die Kaufkraft für hochwertiges Design ist da“, meint Martini. „Es gibt aber immer weniger Verständnis dafür, dass der Handel einen Großteil der Wertschöpfung abgreift.“

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Seit einigen Jahren haben sich neben den traditionellen Möbelanbietern zahlreiche unabhängige Marken etabliert. Weitere Beispiele aus Berlin sind die Unternehmen L&Z und Objekte unserer Tage. Diese Indielabels werden oft von Designern selbst geführt, die nun ihre Produkte unabhängig vom Handel selbstständig vermarkten.

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Der italienische Designer Stefano Giovannoni hat mit Qeeboo ebenfalls eine eigene Online-Marke ins Leben gerufen. Er bietet darüber Wohnobjekte von anderen bekannten Designgrößen an, darunter Andrea Branzi sowie Marcel Wanders, Richard Hutten, Nika Zupanc oder das Duo Front. Giovannoni stuft die Lage der Designbranche als dramatisch ein: „In fünf Jahren werden viele Marken verschwunden sein. Der traditionelle Markt wird abgehängt, denn im Internet kann man seine Produkte 50 Prozent billiger anbieten.“

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Die Vertriebsmöglichkeiten im Internet sind aber nicht allein Ursache für den Druck auf die Preisbildung im Design. Es geht auch um Konkurrenzdruck. Vor allem aus Asien. Die dortigen hohen Produktionsvolumen ermöglichen einen günstigeren Preis. Während in Europa die Anfangsproduktion eines Stuhls rund 500 Stück umfasst, starten die Chinesen gleich mit einer Stückzahl von 10 000. So werden auch von namhaften Designern gestaltete Wohnprodukte für den Konsumenten immer günstiger.

Was den Einrichtungsliebhaber freut, könnte für die traditionelle Möbelindustrie zu einer noch größeren Herausforderung werden als das Internet. Denn Designer wie Nichetto reizt diese Entwicklung. Er ist nun Kreativdirektor des neu gegründeten Labels ZaoZuo in China. Und er hat dafür bekannte Namen aus der Szene wie Sebastian Herkner, Richard Hutten, Noé Duchaufour oder Philippe Malouin gewonnen.