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Brustentfernung: Radikaler Schnitt kann Leben retten

Brustentfernung: Radikaler Schnitt kann Leben retten

US-Star Angelina Jolie hat sich aus Angst vor Krebs die Brüste amputieren lassen. Auch in Deutschland wählen immer mehr Frauen diesen Weg.

Düsseldorf. Der Schnitt ist radikal — aber möglicherweise lebensrettend. Frauen, die ein sogenanntes „Brustkrebsgen“ in sich tragen, haben ein deutlich erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens an Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken. Eine Vorsorgemöglichkeit ist, sich die Brust präventiv abnehmen zu lassen. Das tat jetzt US-Schauspielerin Angelina Jolie — und machte den Schritt öffentlich. In den USA ist diese Methode bereits relativ verbreitet, aber auch in Deutschland entscheiden sich immer mehr Frauen dafür — in Kombination mit dem Wiederaufbau der Brust.

NRW-Gesundheitsministerin barbara Steffens (Grüne) hat Respekt vor dem Schritt: „Es ist sicher eine sehr schwierige Situation, wenn man erlebt hat, dass die eigene Mutter vergeblich gegen Brustkrebs gekämpft hat und dann erfährt, dass man selbst ein so hohes Risiko für die gleiche Erkrankung trägt. Auf jeden Fall muss der Leidensdruck von Frau Jolie sehr hoch gewesen sein. “, sagte sie unserer Zeitung.

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 50 000 Frauen an Brustkrebs, etwa sieben Prozent von ihnen haben eine familiäre Anlage dazu: Sie haben die mutierten „Brustkrebsgene“ BRCA 1, BRCA oder RAD51C. Für diese Frauen kann wegen des erhöhten familiären Risikos ein vorsorgliche Brustamputation (Mastektomie) in Betracht kommen.

Etwa 70 bis 80 Prozent der Frauen, bei denen die mutierten Gene nachgewiesen wurden, erkranken irgendwann in ihrem Leben an Brust- oder Eierstockkrebs. Zum Vergleich: In der Allgemeinbevölkerung bekommen zeitlebens nur zehn bis zwölf Prozent der Frauen Krebs.

Falls es in der Familie bereits Fälle gibt, können Frauen sich an eines der 15 spezialisierten Zentren für familiären Brust- und Eierstockkrebs bundesweit wenden. Wird tatsächlich ein „Brustkrebsgen“ nachgewiesen, greift ein intensives Vorsorgeprogramm.

Risikopatientinnen werden in den Brustkrebs-Zentren halbjährlich untersucht: Gestaffelt nach ihrem Alter greifen Ultraschall, Mammographie und gegebenenfalls auch Kernspin eng ineinander. „Das Gros der Frauen wählt diesen Weg“, berichtet Expertin Kristin Bosse vom Zentrum für Familiären Brust- und Eierstockkrebs der Uniklinik Tübingen. „Aber die Zahl derjenigen, die sich für eine vorsorgliche Brustamputation entscheidet, steigt seit Jahren. Auch deshalb, weil die Operationsmethoden immer fortschrittlicher, die kosmetischen Ergebnisse immer besser werden.“ Etwa jede fünfte Patientin mit Genmutation macht in Deutschland mittlerweile von dieser Möglichkeit Gebrauch. Danach liegt ihr Risiko, Brustkrebs zu bekommen, bei nur mehr fünf Prozent.

In den meisten Fällen wird die Brust gleich nach der Entnahme des Brustdrüsengewebes wieder mit einem Implantat aufgebaut — in einer einzigen Operation. „Die Patientin entscheidet zuvor gemeinsam mit dem Arzt, ob die Brustwarze erhalten werden soll“, sagt Bosse. Für letzteres muss auch ein Teil der Brustdrüse bleiben — was das Risiko für Krebs wieder leicht erhöhen kann. Implantate sind unkompliziert einzusetzen, können im Verlauf der Jahre aber Probleme bereiten und sich schmerzhaft verkapseln.

Der Gentest, der mehrere Tausend Euro kostet, wird von den Krankenkassen gezahlt. Auch das intensive Vorsorgeprogramm für Risikopatienten übernehmen die Kassen. Für die prophylaktische Brustentfernung mit anschließendem Wiederaufbau der Brust sollte bei den Kassen vorher ein Gutachten des Brustzentrums und ein Kostenvoranschlag eingereicht werden. „Aber dann gibt es in der Regel keine Probleme, dass die Kassen zahlen“, sagt Bosse.