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Was hat der Impfgipfel von Bund und Ländern gebracht?

Ergebnisse der Gespräche : Was hat der Impfgipfel von Bund und Ländern gebracht?

Knapp sechs Stunden haben die Bund- und Länderchefs über die Impfstrategie, die Reihenfolge und den aktuellen Stand beraten. Viel Neues ist dabei nicht herausgekommen, dennoch seien die Beratungen gut gelaufen. Ein Überblick über die Ergebnisse.

„Wunder werden da jetzt nicht passieren“, sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel am Ende, in ihrer unnachahmlich nüchternen Art. Mehr als fünf Stunden hat die Kanzlerin da mit den Ministerpräsidenten und der Pharmaindustrie übers Impfen gesprochen. Überwiegend wurde über Impfstoff-Nachschub, Liefertermine und die nationale Strategie gesprochen. Die wichtigsten Ergebnisse im Kurz-Überblick:

  • Die EU hat sich gegen Notzulassungen ausgesprochen, was die Bundeskanzlerin begrüßt.
  • Bis Ende des Sommers (21. September) soll jedem Bürger ein Impfangebot gemacht werden.
  • Wenn die Impfstoffe der Unternehmen Johnson&Johnson und Curevac zugelassen werden, wird sich das Impfangebot noch einmal verbessern.
  • Die Priorisierung, die die Stiko vorgegeben hat wird beibehalten.
  • Neben der nationalen Impfstrategie solle es auch einen Impfplan geben. Diesen soll der Bundesgesundheitsminister mit den Gesundheitsministern der Länder bis zur nächsten Ministerpräsidentenkonferenz entwickeln.
  • Im ersten Quartal werden nicht mehr Impfungen möglich sein als aktuell geplant.

Die Impfstoff-Lieferungen werden erhöht

Bis zum Sommer sollen die Impfstoff-Lieferungen deutlich anziehen - im gesamten Jahr könnten es laut einer neuen Schätzung des Bundes bis zu 322 Millionen Dosen werden.

Ende des Sommers hat jeder Impfwillige ein Angebot

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftigte nach dem „Impfgipfel“ das Ziel, allen Bundesbürgern bis zum Ende des Sommers am 21. September ein Impfangebot zu machen. Nach massivem Ärger über organisatorische Probleme wollen Bund und Länder sich enger über nach und nach zu erwartende Liefermengen abstimmen. Merkel erläuterte, eine Impfzusage für alle Bürger bis zum Ende des Sommers könne angesichts aktueller Lieferzusagen auch dann aufrechterhalten werden, wenn nur die drei bereits zugelassenen Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca kämen. Bei noch weiteren Zulassungen gebe es sogar ein größeres Angebot.

Keine leeren Versprechungen

Merkel sagte nach der Videokonferenz, besonders für die Länder sei ein „höchstes Maß an Planbarkeit“ wichtig. Den Herstellern sei sehr klar gemacht worden, dass jede voraussagbare Woche gut sei. Es sei aber auch verständlich, dass die Unternehmen nicht mehr zusagen wollten, als angesichts komplexer Prozesse redlich sei. Bund und Länder wollten in einem „nationalen Impfplan“ künftig auch bestimmte Annahmen modellieren, um Mengen vorab besser abschätzen zu können.

Biontech/Pfizer und Moderna werden mehr Impfstoff liefern

Die Impfstoff-Mengen sollen im Lauf des Jahres schrittweise anwachsen. Nach 18,3 Millionen Dosen im laufenden ersten Quartal könnten demnach laut aktueller Schätzung im zweiten Quartal 77,1 Millionen und im dritten Quartal 126,6 Millionen Dosen verschiedener Hersteller folgen. Im vierten Quartal könnten es 100,2 Millionen Dosen sein. Die Schätzung bezieht sich auf Verträge und geplante Vereinbarungen sowie voraussichtliche Zulassungstermine einiger Impfstoffe. Das Ministerium betonte, dass die Prognosen immer mit Unsicherheiten behaftet und Änderungen nicht ungewöhnlich seien.

Auch auf EU-Ebene gibt es Bewegung. So will der Hersteller Biontech im zweiten Quartal möglicherweise bis zu 75 Millionen zusätzliche Dosen an die Europäische Union ausliefern. Und auch der Pharmakonzern Astrazeneca will nun doch mehr Impfstoff liefern. Im ersten Quartal kämen neun Millionen Dosen hinzu, insgesamt seien es also 40 Millionen Dosen, teilte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen mit. Der Hersteller hatte vor gut einer Woche mitgeteilt, im ersten Quartal nur 31 Millionen statt 80 Millionen Dosen zu liefern. Biontech will in diesem Jahr zwei Milliarden statt der bisher genannten 1,3 Milliarden Dosen seines Präparats herstellen. Umbauten im belgischen Werk des Partners Pfizer in Puurs seien erfolgreich abgeschlossen worden. „Nun sind wir zurück im eigentlichen Zeitplan für die Lieferung von Impfstoffdosen an die Europäische Union.“

(dpa/AFP/boot)