Fall Nicky Verstappen: Nach Begehung der Brunssummerheide - Jos B. bleibt in U-Haft

Mordfall Nicky Verstappen : Nach Begehung der Brunssummerheide – Jos B. bleibt in Untersuchungshaft

Nach dem Ortstermin in der Brunssummerheide im Prozess um den ermordeten Nicky Verstappen bleibt der Tatverdächtige Jos B. weiterhin in Untersuchungshaft.

Jos B., der unter Verdacht steht, den elfjährigen Nicky Verstappen missbraucht und ermordet zu haben, bleibt in Untersuchungshaft. Das beschloss das Gericht in Maastricht bei einer vierten Pro-Forma-Sitzung. Der Anwalt von Jos B., Gerald Roethof, bezweifelt indes, dass Nicky ermordet wurde. Roethof erklärte im Gerichtssaal, es sehe eher so aus, als sei Nicky damals weggelaufen und habe sich in der Heide verirrt. Möglicherweise sei der Junge verdurstet oder sei an Unterkühlung gestorben. Er plädierte dafür, Jos B. aus der Untersuchungshaft zu entlassen, der sich nun bereits ein Jahr in Haft befinde. Die Staatsanwaltschaft sah hingegen weiterhin Fluchtgefahr bei dem Angeklagten und forderte eine Verlängerung der U-Haft. Ein Tod des Elfjährigen durch Austrocknung oder Unterkühlung sei durch Untersuchungen zudem ausgeschlossen worden.

Die Begehung des Fundorts der Leiche am Dienstagvormittag hatte schon vorab für viel Wirbel gesorgt. Teile der Brunssummerheide waren für die Öffentlichkeit und die Presse für 24 Stunden abgesperrt worden, der Bereich wurde von Dutzenden Polizisten und Soldaten bewacht. Bei der Begehung waren drei Richter, zwei Staatsanwälte, ein Protokollant, der Angeklagte Jos B., sein Anwalt und die Familie von Nicky gemeinsam mit Peter R. de Vries, der der Familie beisteht, in der Heide unterwegs. Zudem sollen sachkundige Beamte die Begehung begleitet haben, insgesamt waren bei dem Ortstermin 25 Personen anwesend. Der Vertraute der Familie Verstappen, Peter R. de Vries, sagte in einem Interview, der Angeklagte habe während der Begehung den Augenkontakt mit der Familie gemieden. Der Termin sei für die Eltern sehr schwer gewesen.

Auch der Fundort des Leichnams von Nicky Verstappen wurde am Dienstag unter Augenschein genommen. Foto: Strafverfolgungsbehörde Niederlande

Besichtigt wurden das Sommercamp, aus dem Nicky am 10. August 1998 verschwand und der etwa einen Kilometer entfernte Fundort seiner Leiche. Zudem wurde die Stelle unter Augenschein genommen, wo der Tatverdächtige Jos B. in der Nacht zum 12. August, Stunden nachdem Nickys Leichnam gefunden wurde, von der Marechaussee angehalten und wieder freigelassen wurde. Ihm wird Sexualmord vorgeworfen.

Die nächste Sitzung in dem Prozess wird eine sogenannte Regiesitzung sein, bei der sich in komplizierten Fällen wie diesem Staatsanwaltschaft und Verteidigung zusammensetzen, um die inhaltliche Behandlung des Prozesses vorzubereiten und angeben, welche Zeugen sie anhören wollen. Diese Sitzung wird am 20. November stattfinden, das Hauptverfahren dann im folgenden Jahr beginnen.