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Ehemaliger VW-Chef Ferdinand Piëch gestorben

Mit 82 Jahren : Ehemaliger VW-Chef Ferdinand Piëch gestorben

Ferdinand Piëch, in Wolfsburg auch „der Alte“ genannt, prägte viele Jahre den VW-Konzern. Nun ist der einstige Topmanager im Alter von 82 Jahren gestorben.

Der ehemalige VW-Chef Ferdinand Piëch ist tot. Er starb im Alter von 82 Jahren, berichten mehrere Medien übereinstimmend, unter anderem das Handelsblatt unter Berufung auf das Umfeld der Familie. Eine offizielle Bestätigung gibt es noch nicht.

Piëch sei in einem Restaurant in Rosenheim (Bayern) in Anwesenheit seiner Frau zusammengebrochen. Der 82-Jährige verstarb später in einem Krankenhaus, berichtet die Bild.

1937 wird Piëch in Wien geboren, als Kind des Anwalts Anton Piëch und dessen Frau Louise, Tochter von Ferdinand Porsche. Nach dem Besuch eines Schweizer Internats studiert er Maschinenbau, seine Diplomarbeit schreibt er über die Entwicklung eines Formel-1-Motors. 1963 beginnt seine Karriere bei Porsche, er wechselt später zur jetzigen VW-Tochter Audi. Dort wird er 1988 Vorstandschef. Der Aufstieg von Audi zum Oberklasse-Anbieter und Innovationstreiber im VW-Konzern ist ohne Piëchs Beteiligung kaum vorstellbar. Er schob den Fünf-Zylinder-Ottomotor und neue Leichtbauverfahren an.

1993 übernimmt Piëch als Vorstandschef VW, inmitten einer schweren Krise. Massenentlassungen drohen. Diese wendet der von Piëch eingestellte Personalvorstand Peter Hartz zusammen mit Betriebsrat und Gewerkschaft ab - unter anderem durch die Einführung der Vier-Tage-Woche, die erst Ende 2006 wieder gekippt wurde. Piëch bringt VW wieder auf Kurs - aber auch mit Hilfe des umstrittenen «Kostenkillers» Jose Ignacio Lopez. 2002 wechselt Piëch an die Spitze des Aufsichtsrats.

Von dort aus regiert er VW, doch 2015 kommt es zum Bruch. Auslöser ist eine Aussage Piëchs im «Spiegel»: «Ich bin auf Distanz zu Winterkorn» - dem damaligen VW-Chef Martin Winterkorn, seinem «Ziehsohn».

Über die Motive wird bis heute gerätselt. Eine Erklärung: Piëch wollte seine 19 Jahre jüngere Ehefrau Ursula als Nachfolgerin an der Spitze des Aufsichtsrats durchsetzen, Winterkorn aber wollte damals selbst diesen zentralen Posten. Es halten sich aber auch Gerüchte, Piëch sei höchst unzufrieden mit der Entwicklung von VW in den USA gewesen - auch vor dem Hintergrund der später bekanntgewordenen Diesel-Probleme.

Es folgt ein beispielloser Machtkampf. Eine Allianz aus Land, Betriebsrat und überraschend auch Piëchs Cousin Wolfgang Porsche stützt Winterkorn. Piëch tritt als Aufsichtsratsvorsitzender zurück. Seinen mehr oder weniger erzwungenen Abgang hat Piëch bis heute nicht verwunden, er sei nachtragend, so hört man aus seinem Umfeld.

Im Jahr 2015 sorgte Ferdinand Piëch (r) mit der Äußerung für Aufsehen, er sei „auf Distanz“ zum damaligen Vorstandschef Martin Winterkorn (l) - er verlor schließlich den Machtkampf und warf im Zorn hin. Foto: picture alliance / Marcus Brandt/Marcus Brandt

Piëch kann aber immer noch Fäden spinnen. Er will bereits im Frühjahr 2015, und damit weit vor dem öffentlichen Bekanntwerden der Diesel-Manipulationen im Herbst - auf die Probleme hingewiesen haben. Und dies auch dem innersten VW-Machtzirkel mitgeteilt haben, dem Präsidium des Aufsichtsrats mit Leuten wie Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und Betriebsratschef Osterloh. Diese weisen die Anschuldigungen scharf zurück. Weil warf Piëch vor, «fake news» zu verbreiten. Der VW-Vorstand prüft - immer noch - mögliche Schadenersatzansprüche gegen Piëch. Das Tischtuch ist zerschnitten.

Piëchs Ziel war es immer, Volkswagen zur Nummer eins in der Welt machen - mit allem, was auf Straßen fährt, von Kleinwagen bis zum Laster. «Ich bin nicht gern Zweiter», sagte Piëch einmal in einem Interview. Er war der mächtigste Mann bei VW.

Nach der Ära der Alpha-Manager Piëch und Winterkorn - und vor allem nach dem einschneidenden Abgasskandal - blieb bei Volkswagen kaum ein Stein auf dem anderen. Ein „Kulturwandel“ wurde von Winterkorns Nachfolger Matthias Müller ausgerufen: Weniger Zentralismus, mehr Verantwortung für die einzelnen Manager, mehr interne Kritik waren die Ziele. Die Mitarbeiter sollten nicht mehr zittern vor einem Patriarchen wie Piëch, der in Wolfsburg auch „der Alte“ genannt wurde - oder von einem Kleinaktionär einmal „Göttervater“.

(red/dpa)