Wuppertaler Verein zeigt, wie Sozialwesen 4.0 funktionieren kann

Inklusion : „Behindert na und?“ zeigt Sozialwesen 4.0

Der Verein mit Sitz am Arrenberg hat sich zu einer gefragten Institution entwickelt.

Im Verein „Behindert – Na und?“ gibt es demnächst einen Führungswechsel. Nach fünf Jahren gibt Wolfgang Seidel die geschäftsführende Leitung im 1984 gegründeten Verein an Sabina de Castro ab. Seidel tritt dann in den Ruhestand. Auch unter der gebürtigen Kölnerin soll die positive Entwicklung der inzwischen etablierten Institution für behinderte Menschen weitergehen. Ein Beispiel? Inzwischen hat sich die Zahl der Beschäftigten bei „Behindert, na und?“ von anfangs zwei auf mehr als 500 erhöht. 400 davon sind sogar sozialversicherungspflichtig angestellt. Tendenz weiter steigend.

Mehr als 600 Menschen mit Unterstützungsbedarf werden vom am Arrenberg ansässigen Verein betreut. Außer der Frühförderung von Kindern bis sechs Jahren mit Ergo- und Physiotherapie, Logopädie und Heilpädagogik werden den Eltern behinderter Kinder auch die entsprechenden Beratungsangebote näher gebracht. Außerdem ist der Verein in Kindergärten und Schulen tätig, hilft dort etwa bei Themen rund um die Inklusion. Ein Schwerpunkt ist und bleibt die Zusammenführung von Kindern mit und ohne Behinderung. Und so sind ambulant betreutes Wohnen und ambulanter Pflegedienst ebenso Tätigkeitsfelder des zu einem Förderzentrum gewachsenen Vereins.

Die rasante Entwicklung werden sich die Vereinsgründer um Sabine Neubauer seinerzeit wohl kaum erträumt haben, als sie den Verein am Ende eines gleichnamigen Kurses in der Volkshochschule ins Leben riefen. Den Initiatoren ging es dabei nie alleine um alltägliche Themen wie nicht vorhandene Behindertenparkplätze in der Stadt, abzusenkende Bürgersteige und barrierefreie Zugänge zu öffentlichen Gebäuden. Schnell stellte sich heraus, dass die Hilfe für Menschen mit Behinderung in ihrem gesamten Lebensbereich individueller Unterstützung bedarf. Als noch keiner an das Thema Inklusion dachte, war es dem Verein schon wichtig im Sinne der Menschen ein Höchstmaß an Integration und Selbstbestimmung anzustreben.

Der Austausch mit städtischen Behörden ist sehr wichtig

„Das war in den 80ern kaum möglich. Zu unseren Aufgaben zählt seither auch die Aufklärung zu schaffen. Dabei ist es auch den Menschen mit Behinderung wichtig, dass sie so wenig Hilfe wie möglich in Anspruch nehmen müssen, aber auf der anderen Seite genauso viel wie nötig bekommen, um ihren Alltag selbst bestimmen zu können“, sagt de Castro, die wie auch Seidel nicht aus dem Bereich der Sozialarbeit oder Pflege kommt. Wichtig ist ihr zu betonen, dass der Verein in einem ständigen Austausch mit den Behörden steht.

„Es war eine hektische Zeit“, erinnert sich Wolfgang Seidel an seine Amtszeit. Zu seinen größten Errungenschaften zählt er die Durchsetzung der ordentlichen Entgeltsätze und der damit verbundenen Verbesserung der Vergütung. Auch Sabina de Costra will sich weiter für Verbesserungen einsetzen. Dabei will sie die Menschen vor Ort mit einbinden, sagt die neue Chefin. Eine der größten Herausforderungen wird für die zweifache Mutter sicherlich die Verbesserung der bestehenden Räume sein. „Hier im Förderzentrum könnten wir durchaus noch Platz für neue Angebote gebrauchen“, sagt de Costra. Das Zentrum an den Arrenberg’schen Höfen 4 sei weiter das Herzstück des Vereins.

Um eine geregelte Übergabe zu sichern, arbeiten Seidel und de Costra seit Monaten zusammen. Die Entwicklung des Vereins vergleicht der bisherige Geschäftsführer Seidel als Sozialwesen 4.0. Gleichwohl gebe es noch eine Menge Potenzial für Verbesserungen. Mit Sabina de Costra, ist sich Wolfgang Seidel sicher, werde der Verein „Behindert na und“ auch in den kommenden Jahren zukunftssicher bleiben.

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