Mit 40 Jahren blickt Sebastian Hinze auf 20 Jahre Profihandball zurück

Handball : Hinze - der Mann der ersten Stunde

Sebastian Hinze, Trainer des Bergischen HC, wird am heutigen Freitag 40 Jahre alt.

Er hat den Bergischen Handball geprägt wie kaum ein anderer: Sebastian Hinze. Als Spieler war der Kreisläufer Motivator und Antreiber, als Trainer hat er so etwas wie seine Berufung gefunden. In diesen Tagen befindet sich der Wuppertaler, der in jungen Jahren auch Wasserball gespielt hat, auf dem vorläufigen Höhepunkt seiner sportlichen Laufbahn – zumindest, wenn es um die Ergebnisse geht, die für ihn selbst kaum im Vordergrund stehen. Am Freitag wird Sebastian Hinze 40 Jahre alt.

„Ob ihr es glaubt oder nicht“, hat der Trainer des Bergischen HC noch kürzlich angemerkt. „Ob ich dreimal in Folge gewonnen oder achtmal hintereinander verloren habe, spielt für meine Laune am Montag in der Trainingshalle keine Rolle.“ Hinze ist für seine akribische Arbeit bekannt – und an Spieltagen steht für ihn vor allem im Fokus, ob seine Mannschaft auch in schlechten Phasen im System bleibt. Oder noch allgemeiner: Ob die Leistung stimmt, ob die eingeschlagene Linie beibehalten wird. Hinzes Philosophie: Wenn dies der Fall ist, werden die Ergebnisse langfristig passen.

In dieser Saison liefert der Bergische HC den Bewies dafür, dass die Leitlinie des Trainers zum Erfolg führt. Dazu gehört auch das berühmte Denken von Spiel zu Spiel, das der Coach in Perfektion beherrscht. Intern setzt er erreichbare Ziele über zwei oder drei Partien, die abseits des globalen Bestrebens – in dieser Saison war es der Klassenerhalt – für zusätzliche Motivation sorgen.

„Es macht mich stolz, dass die Mannschaft den Fokus im Training nie verliert und wirklich alle bereit sind, ihre Rolle auszufüllen“, erläutert der Coach und blickt beispielhaft auf Rafael Baena, der zuletzt einen ganz wichtigen Treffer in der Schlussphase gegen die MT Melsungen erzielte: „Es ist nicht leicht, 58 Minuten auf der Bank zu sitzen, um dann im entscheidenden Moment voll da zu sein.“ Da profitiert Hinze von seinen Erfahrungen beim HC Wuppertal, wo er sich als blutjunger Spieler einen Platz im Kreis von Weltklassespielern erarbeiten musste.

Hinze hat für den Erfolg beim BHC lange und hart gearbeitet. Er hat nicht nur die A-, sondern auch die Lizenz als Mastercoach. 2012 übernahm er das Traineramt, stieg in seiner ersten Saison auf, musste aber 2017 einen bitteren Abstieg in Kauf nehmen. Der Club hielt an ihm fest, vertraute auf die Arbeit des Wuppertalers, der seit der Gründung zum BHC 06 gehört.

Für den BHC hat es sich ausgezahlt, an Hinze festzuhalten

Wie richtig diese Entscheidung war, zeigte bereits die starke Rückrunde in der Bundesliga-Abstiegssaison, aber spätestens der dominante Wiederaufstieg und die laufende Spielzeit, in der die Löwen sogar von einer Europapokalteilnahme träumen dürfen.

Ganz einfach ist „Seppel“ manchmal nicht – speziell, wenn Journalisten die falschen Fragen stellen. Und überhaupt: Artikel über seinen BHC liest der Coach – wenn überhaupt – nur zufällig. Dass Hinze den Handball lebt, liegt auf der Hand. Aber er kann abschalten. Im Luisenviertel, im Urlaub mit einem restaurierten VW-Bus zusammen mit seinen Hunden oder im gemeinsamen Altbau mit seiner Frau Patrycja, die kaum Handball schaut. Wenn sie es macht, so sagte Hinze einst, kritisiere sie ihn hin und wieder, dass er im Fernsehen so grimmig aussehen würde. Seitdem ist zu beobachten, dass er im Interview mit den Sky-Journalisten auch gerne mal lächelt. So auch am kommenden Sonntag, wenn der Bergische HC beim Rekordmeister THW Kiel (Anwurf 13.30 Uhr) antritt.

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