Wuppertaler Schwimmoper wäre fast ein Weltraum-Zentrum geworden

Schwimmoper : Lieber Schwimmen als Weltraum-Erlebnisse auf dem Johannisberg

Die Schwimmoper ist ein wichtiges Zeugnis der Architektur des Wiederaufbaus. Fast wäre sie ein Weltraum-Center geworden.

„Zumindest theoretisch hat der Abschied der Schwimmoper als Bad gestern begonnen“, schrieb WZ-Redakteur Günter Hiege am 19. September 2001 über einen gemeinsamen Beschluss von Sport- und Werksausschuss Gebäudemanagement vom Vortag. Danach sollte das markante Gebäude auf dem Johannisberg in ein Weltraum-Erlebnis-Center verwandelt werden. Doch es kam anders: Von 2007 bis 2010 wurde es geschlossen, saniert und feierlich als Bad und Schmuckstück der Stadt wieder eröffnet. Nie in Frage stand dabei seine besondere Architektur, die unverkennbar in den 50er Jahren wurzelt.

Friedrich Hetzelt wurde 1903 in Liegnitz geboren, er studierte Architektur in Berlin und stieg in den 30er Jahren bis zum Oberregierungs- und Bau-Rat auf. Im Zweiten Weltkrieg wurde er vom Reichsminister und Generalbauinspekteur, Albert Speer, in verschiedene Bauplanungen, von der Neugestaltung der Reichshauptstadt bis zum Wiederaufbau durch Bomben zerstörter Städte, eingebunden. Nach 1945 wurde er Beigeordneter in Oberhausen, wo er sich durch den Wiederaufbau des zerstörten Theaters empfahl. 1953 holte ihn der Wuppertaler Stadtrat für die gleiche Aufgabe, machte ihn zum Baurat. Denn auch hier gab es eine im Krieg zerstörte Oper in Barmen, zugleich ein zerstörtes Bad. Die Idee kam auf, den Johannisberg zum neuen Opernstandort zu machen. Daraus wurde jedoch nichts. Dass sich für das dort von Hetzelt in zweijähriger Bauzeit von 1955 bis 1957 errichtete Gebäude der Name Schwimmoper durchsetzte, mag an die Vorgeschichte erinnern, kann aber auch mit den weithin sichtbaren steilen Zuschauertribünen beiderseits des Schwimmbeckens zu tun haben. Außerdem betätigte sich Hetzelt beim Teil-Neubau des Opernhauses in Barmen und starb – hoch geehrt – 1986 in Wuppertal.

Seine Schwimmoper wurde wesentlicher Bestandteil der Architekturgeschichte Wuppertals, Zeugnis der Geschichte der Menschen als auch des Wiederaufbaus. Am 21. September 1995 wurde sie unter Denkmalschutz gestellt. Zur Begründung hieß es: „Dem Architekten Prof. Hetzelt ist hier ein Bau gelungen, der Elemente der neoklassizistisch historisierenden Architektur in die Moderne der Nachkriegszeit übernimmt und in deren Stil umformt.“ Vorbild der trapezförmigen Schwimmoper ist das 1953 errichtete Olympia-Schwimmstadion in Melbourne. Dominierender Baukörper ist die Halle, die nach Süden hin großzügig verglast ist, sich so zum Tal hin öffnet. Der symmetrische Bau besteht aus einer Stahlbeton-Binderkonstruktion mit versteifenden Querrängen. Überspannt wird er von einem Leichtbeton-Hängedach, „eine technische Neuerung zur Erbauungszeit“, konstruiert „als gekrümmte Leichtbetonschale an Spanneisen“, schreibt das Baukunst-NRW-Portal der Architektenkammer NRW. Eine statische Herausforderung, für die der spätere Spezialist für Hängedächer, Prof. Leonhard aus Stuttgart, verantwortlich zeichnete. Die Wände der Nebengebäude sind hell verklinkert und gabelförmig zum Tal vorverlegt. Durch seine vielen Glasflächen wirkt der große Bau insgesamt transparent und leicht.

Von Anfang an war die Schwimmoper für Sportveranstaltungen ausgelegt, erhielt als erstes Hallenbad Deutschlands ein Wasserballfeld – im Unterschied zu ihrem Vorgänger, der der Hygiene und Körperertüchtigung gewidmet war. Eröffnet wurde sie am 22. Juni 1957 mit einem großen Schwimmfest. Besucherrekorde verzeichnete sie in den 60er Jahren, als pro Jahr 600 000 Besucher gezählt wurden, wozu wohl auch die Warmbäder im Haus beitrugen, die wegen der fehlenden Badezimmer in etlichen Wohnungen sehr beliebt waren.

Größere Reparaturen waren schon nach einem guten Jahrzehnt nötig, wegen Geldmangels wurden sie aber immer wieder hinausgezögert. Bis von 2007 bis 2010 eine grundlegende Sanierung folgte, die 16,6 Millionen Euro kostete, dem Denkmalschutz weitgehend Rechnung trug, zugleich einige Veränderungen und Modernisierungen ermöglichte. So wurden einerseits originale Mosaikfliesen sowie die Treppenhäuser erhalten, andererseits der alte Eingangsbereich abgerissen, ein Aufzug und ein neues Treppenhaus eingebaut. Das Bad erhielt einen Fitness- und einen Saunabereich, wurde komplett behindertengerecht eingerichtet. Und das Sportbecken so verbessert, dass es wieder Wettkampfanforderungen erfüllt. Dabei wurde etwa die Schwimmrichtung von quer auf längs gedreht oder das Becken um fehlende Becken-Zentimeter erweitert. Ab November 2010 fanden die Deutschen Kurzbahnmeisterschaften über mehrere Jahre in der Schwimmoper statt. „Kein anderes 25-Meter-Bad in Deutschland kann schließlich eine solche Atmosphäre und Zuschauerkapazität bieten“, zitierte am 1. September 2010 wiederum Günter Hiege Ex-DSV-Sportwart Ralf Beckmann, der bis April Schwimmsportkoordinator in Wuppertal gewesen war.

Wie gut, dass alle Ideen, vom Spaßbad bis zum Weltraum-Erlebnis-Center Wirtschaftsprüfungen nicht standgehalten hatten und verworfen worden waren.

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