Wuppertal: Islamischer Verein plant Jugendzentrum

Vohwinkel : Islamischer Verein plant Jugendzentrum

„Al Baraka“ will ein Gebäude an der Bahnstraße kaufen. Die Stadt ist skeptisch.

„Unterstützen Sie uns!“ wirbt der „Islamische Förder- und Integrationsverein Al Baraka“ aus Vohwinkel auf seiner Internetseite. Unterstützung sucht er für das Projekt „Al Baraka Jugendzentrum“. Das soll in dem Bürogebäude an der Bahnstraße 26 entstehen, in dem der Verein bisher zwei Etagen gemietet hat. Schon jetzt bietet Al Baraka nach eigenen Angaben Mutter-Kind-Treffs, Deutschkurse, Arabischkurse, Korankurse und Nachhilfe für Schüler. Geplant sind mehr Räume für den Unterricht und für die Kinderbetreuung, ein überdachtes Sportfeld auf dem Hof und möglicherweise sogar ein Schwimmbad.

„Es wird ein bis zwei Jahre dauern, bis es fertig ist“, sagt Ibrahim Rahzaoui (39), Vorstand des Vereins. Es soll „ein Jugendzentrum für alle werden, für Muslime und Nicht-Muslime.“ Finanziert werden soll es durch Spenden. „Das Wichtigste ist erst einmal die Sporthalle“, sagt er. 600 000 Euro soll diese kosten.

Ziel sei, Jugendliche vor dem Abrutschen in die Kriminalität zu schützen. „Es gibt zu wenig Angebote für Jugendliche in Vohwinkel“, beklagt Ibrahim Rahzaoui, selbst Vater von drei eigenen und drei Pflegekindern. Er findet: „Die Stadt macht zu wenig.“

Aktuell nutzten rund 150 bis 200 Menschen pro Woche die Angebote des Vereins, Kinder, Jugendliche und Erwachsene. „Wir haben 17 Nationalitäten hier“, sagt er und versichert, darunter seien nicht nur Muslime, sondern auch Christen, Yesiden und Juden.

Hans-Jürgen Lemmer, Leiter des Ressorts Integration und Zwanderung, betrachtet den Verein und seine Aktivitäten skeptisch: „Wir arbeiten mit Al Baraka nicht zusammen“, betont er. Er sieht Verbindungen zu der einstigen salafistischen Moscheegemeinde Shababannur in Vohwinkel. Und hält die im Verein vertretene Form des Islam für sehr konservativ.

„Wir haben kein Interesse
an Segregation“

Zudem sei das, was der Verein betreibe, keine Integration, auch wenn er diesen Begriff im Namen führe. Wer ein eigenes Schwimmbad und einen eigenen Sportplatz wolle, der betreibe Segregation. „Wir haben kein Interesse an Segregation.“

Lemmer verweist auch auf einen 19-minütigen Werbefilm für das Projekt, den der Verein Ansaar e.V. bei Youtube eingestellt hat. Dort sind viele Szenen mit Kindern zu sehen, dabei tragen schon kleine Mädchen ein Kopftuch.

Der Verein Ansaar ist auch dem Verfassungsschutz bekannt. Das Innenministerium sagt dazu: „Ansaar International und weitere Unter-Organisationen werden durch den nordrhein-westfälischen Verfassungsschutz als extremistisch-salafistisch eingeschätzt und beobachtet. Der Spendenaufruf für den al-Baraka e.V. in Wuppertal durch Ansaar deutet auf Bezüge des Wuppertaler Vereins in die salafistische Szene hin. Eine strukturelle Verbindung zwischen Ansaar und al-Baraka ist hier bislang nicht bekannt.“

Ibrahim Rahzaoui sagt, dieses Video sei zwar für sie gedreht worden, weil man sie unterstützen wolle. Aber „mit Ansaar haben wir gar nichts zu tun“. Auch die Bezeichnung „extremistisch“ weist er von sich: Leute, die das sagten, „die haben uns nie besucht“. Dabei seien ihre Türen seit Jahren offen. „Ich bin ein normaler Bürger, der seine Religion praktiziert.“ Zum Thema Integration sagt er: „Ich rede Deutsch, wir respektieren das Grundgesetz.“ Ihm gehe es um die Kinder, die er schützen wolle.

Lemmer kündigt an, die Stadt werde sich genau ansehen, was der Verein da plant. Auch Sozialdezernent Stefan Kühn sagt, man werde kritischen Hinweisen zu dem Projekt nachgehen.

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