Krise? Bergische Wirtschaft läuft noch auf Hochtouren

Krise? Bergische Wirtschaft läuft noch auf Hochtouren

Podiumsdiskussion zeigt Gefahren für den Mittelstand auf. Erwartungen der Unternehmen haben sich eingetrübt.

Wuppertal. Wird die Euro- und Staatsschuldenkrise zu einer Bedrohung für die Bergische Wirtschaft? Zu diesem Thema hatte die Industrie- und Handelskammer Wuppertal, Solingen und Remscheid in ihre Hauptverwaltung eingeladen, um gemeinsam mit Unternehmern diesen hochkomplexen aber auch teilweise bedrohlichen Sachverhalt zu erörtern.

Die bergische Wirtschaft, so erläuterte Kammer-Vizepräsident Stefan Kirschsieper, ist aufgrund ihrer hohen Exportquote von etwa 47 Prozent darauf angewiesen, dass der internationale Handel funktioniert. Im Bergischen Land macht die Industrie noch immer zirka 30 Prozent der Wirtschaft aus, der industrielle Kern in Wuppertal, Solingen und Remscheid ist intakt. Für Kirschsieper steht fest, dass die Wirtschaft in der Region derzeit noch gut läuft — sich die Vorhersagen jedoch rapide verschlechtert haben. Grund: „Als Risikofaktoren werden von den Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen genannt“, wie er erklärte. Das Ergebnis dieser Unsicherheit schildert er aus seinem eigenen Unternehmen; die Lagerhaltung wird möglichst gering gehalten, und es werden keine langfristigen Dispositionen getroffen.

Und damit war die Veranstaltung auch schon tief im Thema. Den analytischen Part aus volkswirtschaftlicher Sicht übernahm Norbert Matysik, Präsident der Düsseldorfer Hauptverwaltung der Bundesbank. Er konstatierte, dass es sich um eine Staatsschuldenkrise handele: „Der Euro ist in Ordnung.“ Das Versagen der Politik, die andauernde Verschuldung der nationalen Haushalte und die zögerlichen Maßnahmen gegen die Krise hätten zu der gegenwärtigen Situation geführt.

Matysik forderte daher die Sanierung der Staatsfinanzen, grundlegende Strukturreformen und die Reformierung der Sozialsysteme. Sein Credo: Es kann nicht funktionieren, wenn Staaten dauerhaft über ihre Verhältnisse leben.

Thomas A.Lange, Vorstandsvorsitzender der Essener Nationalbank, die eine Dependance in Wuppertal hat, sprach sich indes dafür aus, die Bankenregulierung zu verschieben, um die Versorgung des Mittelstandes mit dem nötigen frischen Geld nicht zu gefährden. Auch er ging mit der Politik hart ins Gericht und wies darauf hin, dass die Landesbanken (von denen etliche mit Steuergeldern in Milliardenhöhe gestützt werden müssen) eigentlich so etwas wie die Bad Bank der Sparkassen sind.

„Ich sehe für den Mittelstand im Bergischen Land nicht die Gefahr einer Unterfinanzierung“, stellte Lange fest und fügte an, dass er zwar eine abstrakte aber keine konkrete Gefahr für die Bergische Wirtschaft aufgrund der Finanzkrise erkenne.

Ilja Nothnagel vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag analysierte die Krise als eine „Sanierung auf die harte Tour.“ Für ihn steht fest: „Ohne Spuren geht das an Deutschland nicht vorbei.“ Nothnagel erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass 80 Prozent des deutschen Exports nach Europa gehen, 40 Prozent in die Euro-Zone.

Und was bedeutet das nun alles für die Bergische Wirtschaft? „Ich sehe so viel Tatendrang und Optimismus bei der Bergischen Wirtschaft“, sagte Vorstandsvorsitzender Lange — und verbreitete diesen Optimismus, dem auch keiner widersprechen wollte.

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