Wie wird aus Wuppertal die beste aller Welten?

Wie wird aus Wuppertal die beste aller Welten?

Die Bühnen starten ein Großprojekt mit 200 Beteiligten und gründen den „Bund der Utopisten“.

Wuppertal. Wuppertal und die Utopie einer idealen Gesellschaft — wie kommen diese beiden zusammen? Vor 170 Jahren hat sich Friedrich Engels schon mal darüber Gedanken gemacht, Karl Marx und er analysierten jedoch in erster Linie die ökonomischen Bedingungen.

Foto: Uwe Stratmann

Aber auch Ernährung, Stadtplanung und Fortpflanzung sind ja utopischer Ideen wert. Dem nähert sich ab dem kommenden Dienstag ein Großprojekt mit rund 200 Musikern und Spezialisten quer durch die lokale Landschaft. Opernintendant Berthold Schneider hat für drei Jahre das Projekt Sound of the City aufgelegt. Die erste Spielzeit gestaltet nun der Regisseur Thomas Fiedler mit dem Kommando Himmelfahrt unter dem Titel „Bund der Utopisten“.

Denn die Probleme der Welt sind ungelöst und werden täglich mehr. Möchte man sich da nicht einen Ort vorstellen, an dem sie durch guten Willen und intelligente Organisation gar nicht erst auftreten? Thomas Fiedler hat diesen Ort schon gefunden: Die Insel Utopia im gleichnamigen Roman, den der englische Staatsmann Thomas Morus vor genau 500 Jahren veröffentlicht hat.

2008 hat Fiedler in Hamburg das interdisziplinäre Theaterkollektiv Kommando Himmelfahrt mitgegründet, das sich künstlerisch mit gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Utopien auseinandersetzt. Daher bringt er einiges an Material mit, unterer anderem ein Liederbuch und einen Musikfilm, die sein Kollektiv vor drei Jahren aus dem Roman „Utopia“ entwickelt haben.

Für die sieben Veranstaltungen — ein Block im November, der zweite im Mai — hat der Kurator ein aufwändiges Gedankengebäude errichtet. Am 15. November wird als erstes die Wuppertaler Sektion des Bundes der Utopisten im Foyer des Schauspielhauses feierlich gegründet, Grußwort des Oberbürgermeisters inklusive.

„Wir wollen erst einmal die Vision ausrollen“, sagt Fiedler. Dazu spielen ab 20 Uhr Sinfonieorchester und Opernchor mit den Sängern Anna Luca und Jan Röttger, ebenfalls dabei sind der Improvisations-chor Partita Radicale und die Baritonsängerin Lucia Lucas. Mit utopischen Gedanken beschäftigen sich schon von Hause aus Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal Instituts, und Christian Hampe, Initiator von Utopiastadt.

Es geht hier sowie bei den weiteren Veranstaltungen am 18., 19 und 20. November (s. Kasten) jedoch nicht nur um einen möglichst bunten Abend. Als Situation gibt Thomas Fiedler vor, dass jeder Beitrag wie in einem Tonstudio aufgenommen wird, damit er auf einer goldenen Schallplatte festgehalten werden kann — eine kleine Anspielung auf die goldene Platte, auf der das kulturelle Erbe der Menschheit gespeichert ist und die seit 1977 durchs All reist.

Globale Themen wie Ernährung sollen lokal betrachtet werden — etwa anhand von Thermomix und Urban Gardening; über Fortpflanzung wird ein Reproduktionsmediziner vom Kinderwunschzentrum am Hauptbahnhof sprechen.

Dieses musikalische und programmatische Selbstporträt der Stadt wird zum Ende der Aktion im Mai mit einem Fesselballon „gen Himmel geschickt“, auf dass es gut auf der Insel Utopia ankomme. Fiedler: „Das ist so ähnlich wie eine Olympiabewerbung.“

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