Nico Ueberholz stellt in Venedig aus

Nico Ueberholz stellt in Venedig aus

Der Designer präsentiert seinen Lichtzeitraum auf der Architektur-Biennale und besteht damit beim "Iconic Award" neben spektakulären Großprojekten.

Wuppertal. „Das ist wie ein Ritterschlag. Mit der Teilnahme an der Architektur-Biennale in Venedig haben wir noch einmal eine neue Qualitätsstufe erreicht“, sagt Nico Ueberholz. Im Brotberuf kümmert sich der Designer um Projekte vom Messebau über Ladengestaltung bis zur Ausstellungsarchitektur.

Foto: Andreas Fischer

Dann aber hat Kurator René Rietmeyer den Wuppertaler neben anderen kreativen Köpfen aus 17 Ländern zur derzeit laufenden „Venice Design“ eingeladen, einer Untersektion der Architektur-Biennale in Venedig. „Doch unser Lichtzeitraum im Palazzo Michiel hat die Veranstalter derart überzeugt, dass wir kurz nach der Eröffnung in die offizielle Architektur-Biennale aufgenommen worden sind und seit dem zweiten Katalog auch neben den Architekten aufgeführt werden“, sagt Ueberholz.

Ausgangspunkt für die Installation war die Überlegung, „wie können wir Raum, Zeit und Architektur zusammenbringen und wie können wir durch Lichtsteuerung die emotionale Reaktion verstärken?“

Die Lebenssituation der Menschen habe sich im Laufe der Zeit grundlegend geändert. „Früher lebte er in einer weiten, großzügigen Umgebung, heute bestimmen enge, helle und laute Räume das Leben der meisten Menschen“, erklärt Ueberholz. Diese Entwicklung wollte er in einem einzigen Raum erlebbar machen. Dazu hat er auf drei mal fünf Metern einen schwarzen Kubus errichtet. Nähern sich Besucher — an die 200 000 waren es bisher — im Palazzo Michiel, werden sie durch das Geräusch eines Doppelherzschlags und ein im gleichen Rhythmus pulsierendes warmes Licht angezogen.

Wenn sie den Raum betreten, wechseln Pulsfrequenz und Licht. LED-Linien erzeugen in unmerklichem Wechsel fünf Raumsituationen: Er wird allein durch Licht größer, weiter, niedriger, kleiner, schmaler. Auch die Fensterprojektion, ein scheinbarer Ausblick auf den Canale Grande, verändert sich dazu passend in ihren Proportionen. Die Raumsituation empfinde jeder anders, sagt Ueberholz: „Asiaten und Araber fühlen sich bei kaltem Neonlicht wohl. Mitteleuropäer haben lieber warmes Licht bis hin zur Kerze.“

Auch technisch war auf der Lichtzeitraum eine Herausforderung, wochenlang hat Nico Überholz mit seinem Team und den beteiligten Firmen daran getüftelt und gebaut. Denn jede der LEDS auf den 280 verlegten Metern musste einzeln ansteuerbar sein. „Es hieß sogar, wir hätten die technisch aufwändigste Installation auf der Biennale“, sagt er. Was am Anfang aber nichts nützte, denn in Venedig läuft ein anderes Wlan als im Firmensitz oberhalb der Gelpe: „Wir mussten aufrüsten, weil die Steuerung zusammenbrach.“

Zum „Ritterschlag“ in Venedig kommen noch zwei Auszeichnungen hinzu. Im Februar erhält Nico Ueberholz den German Design Award, bereits abgeholt hat er den „Iconic Award“ für Architektur. Auf den ist er besonders stolz, denn sein verhältnismäßig kleiner Lichtzeitraum steht in der Siegerliste neben spektakulären Großprojekten wie einer gläsernen Brücke über den Zhang Jia Jie Canyon in China und dem Addirriyah-Kunstzentrum in Riad.

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